In keiner anderen großen Stadt haben Staus den Verkehr im vergangenen Jahr so stark gebremst wie in Berlin: Betrachtet man den weiteren Stadtbereich, floss der Verkehr in der Hauptstadt im Schnitt 40 Prozent langsamer, als er das bei freier Fahrt täte. Das geht aus Zahlen des Verkehrsdatenspezialisten TomTom hervor. Das zweithöchste Staulevel der 29 untersuchten Städte gibt es in Essen und Hamburg mit je 39 Prozent. Kassel und Karlsruhe am anderen Ende der Skala kommen dagegen nur auf 23 Prozent.
Betrachtet man demgegenüber die für den Arbeitsweg benötigte Zeit, steht Stuttgart an der Spitze der Negativskala: Aufs Jahr gerechnet 72 Stunden lang nimmt man dort eine durchschnittliche Zehnkilometerstrecke in Anspruch, wenn man sie stets werktags zweimal zurücklegt. Die Stadt liegt damit noch vor Berlin mit 67 Stunden. Dass es auch anders geht, sieht man an Freiburg und Kassel, wo diese Distanz nur mit 24 Stunden aufs Jahr gerechnet zu Buche schlägt.
In den allermeisten Städten stieg das Staulevel vergangenes Jahr an. In Berlin um ganze sieben Prozentpunkte, in Bremen sogar um neun. Auch in Dresden und Leipzig verschlechterte sich die Situation mit Anstiegen um je sieben Punkte deutlich. Klar sinkende Werte gab es dagegen nur in zwei Städten: Kiel mit minus drei Prozentpunkten und Bochum mit minus fünf.
TomTom: Mehr Staus durch mehr Pendlerverkehr aus Speckgürtel
In den Ballungsräumen und Metropolregionen führten Pendlerverkehr aus dem Umland, eine hohe Fahrzeugdichte sowie begrenzte Kapazitäten im Straßenraum zu dauerhaftem Verkehrsdruck, heißt es von TomTom. Doch auch in mittelgroßen Städten sei ein zunehmend dichterer Verkehr zu beobachten.
Als einen zentralen Treiber dafür sieht man bei TomTom den langsamen Rückzug des Homeoffice. Viele Unternehmen setzen wieder stärker auf Präsenzarbeit. Dadurch gebe es mehr Pendlerverkehr, insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten.
Ein anderer Faktor ist laut den Experten die Stadtflucht. Weil Beschäftigte wegen hoher Mieten und mangelndem Wohnraum in den Städten ins Umland zögen, müssten sie weitere Strecken zurücklegen – wofür sie häufiger das Auto nutzten. Als dritten Treiber nennt TomTom zudem den weiter gewachsenen Fahrzeugbestand mit einem zunehmenden Anteil größerer Fahrzeuge wie SUV, die schlicht mehr Platz auf den Straßen benötigen.

vor 2 Stunden
1







English (US) ·