Weltwirtschaftsforum in Davos: Donald Trump will "keine Gewalt" bei Übernahme Grönlands anwenden

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Der US-Präsident fordert in Davos "sofortige Verhandlungen" über einen Kauf Grönlands. Dazu übte er Kritik an den europäischen Staaten sowie an der Nato.

21. Januar 2026, 17:18 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, Reuters,

 US-Präsident Donald Trump spricht während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos.
US-Präsident Donald Trump spricht während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. © Laurent Gillieron/​KEYSTONE/​dpa

US‑Präsident Donald Trump hat in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos seine Forderung nach einem Kauf der autonomen Insel bekräftigt und "sofortige Verhandlungen" mit Dänemark gefordert. "Wir brauchen es für die strategische nationale Sicherheit und die internationale Sicherheit", sagte Trump und behauptete dazu erneut, dass keine andere Nation außer den USA Grönland sichern könne. Eine Übernahme Grönlands durch die USA wäre keine Bedrohung der Nato, behauptete Trump, sondern würde diese noch stärken.

Grönland habe eine geopolitische Schlüsselposition, sagte Trump und würde bislang nicht ausreichend nach außen verteidigt werden. Dänemarks Position, die Insel nicht an die USA geben zu wollen, nannte Trump "undankbar". Die Vereinigten Staaten hätten ihre Militärstützpunkte auf Grönland "für Dänemark" geschaffen.

"Ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden"

Trump bekräftigte, die USA bräuchten das "Eigentumsrecht" der Insel, um Grönland schützen zu können: "Wir können Grönland nicht auf Miete verteidigen." Dänemark solle den USA den "kleinen Gefallen" tun und dem Verkauf zustimmen.

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Der Republikaner fügte hinzu: "Wir haben nie um etwas gebeten und wir haben nie etwas bekommen. Wir werden wahrscheinlich auch nichts bekommen, es sei denn, ich entscheide mich, übermäßige Gewalt anzuwenden, wodurch wir, offen gesagt, nicht mehr aufzuhalten wären." Dies werde er aber nicht tun. "Ich muss keine Gewalt anwenden, ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden", sagte er. An Dänemark gerichtet sagte Trump: "Ihr könnt Ja sagen oder ihr könnt Nein sagen, und wir werden es uns merken."

In dem Zusammenhang erneuerte der US-Präsident außerdem seine Pläne für ein Raketenabwehrsystem namens Golden Dome auf Grönland, das nicht nur die USA, sondern auch Partner wie Kanada schützen solle.

Donald Trump zweifelt an Nato-Unterstützung

Trump zweifelte aber auch die Unterstützung der Nato-Verbündeten für die USA an. "Das Problem mit der Nato ist jedoch, dass wir zu 100 Prozent für sie da sein werden, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie für uns da sein werden, wenn wir sie rufen", sagte er. Trump sprach von einem Szenario, in dem die USA "von dieser und jener Nation" angegriffen und um Hilfe bitten würden: "Ich weiß, dass wir für sie da wären, aber ich weiß nicht, ob sie für uns da wären."

Trump legte nach: "Bei all dem Geld, das wir ausgeben, bei all dem Blut, Schweiß und den Tränen weiß ich nicht, ob sie für uns da wären." Trump hatte in der Vergangenheit immer wieder höhere Verteidigungsausgaben der europäischen Bündnispartner gefordert und kritisiert, dass die USA finanziell und militärisch ausgenutzt würden.

Trump kündigt erneutes Treffen mit Selenskyj an

In seiner Rede riss der US-Präsident auch immer wieder das Thema Ukrainekrieg an. Am konkretesten wird er, als er über die vielen Toten spricht, die der Krieg auf beiden Seiten verursache. "Putin will einen Deal. Ich treffe heute Selenskyj, er will – glaube ich – auch einen Deal", fügt Trump hinzu. Das Sterben auf beiden Seiten sei "der einzige Grund", warum er sich um Frieden bemühe, sagte Trump. "Damit helfe ich Europa und ich helfe der Nato." 

In Davos nennt der Republikaner jedoch keinen konkreten Zeitplan oder auf welchem Stand die Verhandlungen genau sind. Offen blieb auch, ob Trump Selenskyj persönlich oder per Videoschalte sprechen wird. Von einer Anwesenheit Selenskyjs in Davos war nichts bekannt.

Europäischen Staaten warf Trump vor, sich in eine "falsche Richtung" zu entwickeln. Europa könne von der Entwicklung der US‑Wirtschaft lernen, sagte Trump und betonte: "Ich liebe Europa und möchte, dass es Europa gut geht, aber es geht nicht in die richtige Richtung."

Trump: Europa bewegt sich "nicht in die richtige Richtung"

Die USA seien dagegen "der wirtschaftliche Motor auf dem Planeten", sagte der Republikaner. Er führte aus: "Sie alle folgen uns nach unten und sie folgen uns nach oben." Zudem erwähnte Trump seine Zollpolitik und wiederholte seine Falschaussagen, wonach er eine Rekordinflation von der Vorgängerregierung geerbt habe, die er inzwischen vollständig beseitigt habe. Er sprach von einem "Wirtschaftswunder", das er als Präsident erreicht habe. 

Trump bescheinigte Europa zudem einen "katastrophalen Zusammenbruch" der Energieversorgung. Dafür machte er allerdings nicht den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verantwortlich, sondern den Ausbau der Windkraft und anderer grüner Energieträger.

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