Sensationsfund in Italien: Basilika des Vitruv entdeckt

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In der italienischen Stadt Fano sind bei Ausgrabungen archäologische Überreste der Basilika des Vitruv gefunden worden. Es ist das einzige Gebäude, dessen Bau der römische Architekt Marcus Vitruvius Pollio in seinem berühmten Werk „De Architectura“ für sich beanspruchte. Die Basilika kam im Stadtzentrum während Arbeiten zur Sanierung der Piazza Andrea Costa zum Vorschein, berichteten mehrere italienische Zeitungen: ein Gebäude mit rechteckigem Grundriss, umgeben von acht Säulen an den Längsseiten und vier Säulen an den Querseiten. Die letzte Gewissheit, dass es sich tatsächlich um das Bauwerk handele, habe der Fund von Säulenüberresten und Stützpfeilern ergeben, deren Position und Maße genau mit den technischen Informationen in Vitruvs Abhandlung übereinstimmten.

Die minutiöse Beschreibung der Basilika nimmt in dem Werk, das die Architekturgeschichte des Abendlandes maßgeblich prägte, ganze fünf Absätze ein. Vitruv, der im 1. Jahrhundert vor Christus lebte, gilt als „Vater der Architektur“. Seine Lehre von den Proportionen inspirierte unter anderem Leonardo da Vinci, den „Vitruvianischen Menschen“ zu entwerfen, das Symbol göttlicher Proportionen und des Gleichgewichts zwischen Mensch und Kosmos.

Ein Gebäude von großer Würde und Schönheit

Italiens Kulturminister Alessandro Giuli hat die Entdeckung in Fano bestätigt. Er sprach von einem „sensationellen Fund“, der Geschichte schreiben werde und mit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun vergleichbar sei. Man habe bisher nur schriftliche Quellen gehabt. „Jetzt haben wir den Kontext, so als hätten wir die Schule von Pythagoras in Crotone entdeckt, denn laut Pythagoras, der von Vitruv zitiert wird, haben Zahlen und ihre Beziehungen eine räumliche Konfiguration. Heute haben wir die von Pythagoras theoretisierte räumliche Konfiguration gefunden, die von Vitruv realisiert und kanonisiert wurde“, sagte er am Montag auf der Pressekonferenz, an der Giuli per Videoschaltung teilnahm.

Über Jahrhunderte hinweg hatte es Spekulationen, Hypothesen und Debatten gegeben, wo die Überreste des Gebäudes, das für die Rechtspflege und die Verwaltung bestimmt war und dem Vitruv große Würde und Schönheit („summam dignitatem et venustatem“) zuschreibt, genau zu lokalisieren sei. Seinen Angaben zufolge überragte die Basilika das Zentrum des Forums und stand in einer Achse mit dem Jupitertempel, der sich auf der anderen Seite des antiken zentralen Platzes des römischen Fanums befand.

Dass die Basilika nun identifiziert werden konnte, ist das Ergebnis einer seit Jahren in Fano laufenden Forschungsarbeit. Im Jahr 2022 wurden in Fano in der Via Vitruvio imposante Mauerwerke und Bodenbeläge aus Marmor entdeckt, die auf die Existenz bedeutender öffentlicher Gebäude hindeuteten. Es fehlte jedoch immer noch die Säulenreihe von „riesiger Größe“, wie es in der Abhandlung heißt, die die beiden Stockwerke der Basilika bedeckt hätte.

Jüngste Ausgrabungen deuteten außerdem darauf hin, dass sich hinter dem vitruvianischen Bauwerk ein antiker überdachter Markt befand. Zuvor waren Spuren eines möglichen Badegebäudes entdeckt worden, das mit polychromem Marmor verziert war. Die sichere Lage der Basilika ermöglicht nun eine Neuinterpretation des gesamten Stadtgrundrisses des römischen Fano.

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