News: Donald Trump, Grönland-Einigung, Mercosur-Abstimmung im EU-Parlament, Katherina Reiche

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Trumps Grönland-Achterbahn

Ja, was denn nun? Am Nachmittag hatte Donald Trump zwar erklärtermaßen die militärische Besatzung Grönlands ausgeschlossen, war von seinem Anspruch auf die arktische Insel ansonsten jedoch nicht abgerückt. Er hatte auch damit gedroht, die USA würden es »sich merken«, wenn Europa ihnen »das Stück Eis« vorenthalte.

Am Abend dann die plötzliche Wendung: Keine Strafzölle gegen die europäischen Grönlandverweigerer, verkündete Trump (mehr zu Trumps Rede hier). Bei einem »sehr produktiven« Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte habe man »den Rahmen für ein zukünftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion« geschaffen. Details? »Sobald die Gespräche voranschreiten.« Gewohnt beflissen bestätigte Rutte später den US-Präsidenten. »Völlig korrekt« seien dessen Äußerungen. Auch von ihm keine Einzelheiten.

 Militärische Besatzung Grönlands ausgeschlossen

US-Präsident Trump in Davos: Militärische Besatzung Grönlands ausgeschlossen

Foto: Gian Ehrenzeller / EPA

Mit Sicherheit sagen lässt sich also noch nichts, noch gibt es nur Spekulationen. Die »New York Times«  berichtet von einem möglichen Kompromiss: Dänemark könnte den USA kleine Teile Grönlands überlassen, auf denen diese dann Militärbasen errichten könnten. Diese würden dann, analog zu britischen Basen auf Zypern, als US-Territorium gelten.

Bevor wir aber Genaueres wissen, lässt sich nur festhalten: Wenn es schon als gute Nachricht gilt, dass der US-Präsident erklärt, darauf verzichten zu wollen, sich das Territorium eines Nato-Verbündeten mit militärischer Gewalt anzueignen, dann ist die Welt wohl endgültig aus den Fugen geraten.

Mercosur-Abkommen ausgebremst

Wie man die europäische Unabhängigkeit von den USA in den Sand setzt, bevor sie überhaupt Fahrt aufnehmen konnte, das hat eine knappe Mehrheit im Europäischen Parlament vorgemacht: Eine befremdliche Koalition aus rechten Nationalisten und Abgeordneten der demokratischen Fraktionen stimmte dafür, das Mercosur-Handelsabkommen vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) prüfen zu lassen, bevor es in Kraft treten kann.

Über 25 Jahre lang war an dem Freihandelspakt zwischen EU und den lateinamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gearbeitet worden, mehrfach stand er auf der Kippe. Am vergangenen Samstag konnte der Vertrag endlich unterzeichnet werden – gerade zum richtigen Zeitpunkt, als Signal der Stärke gegen Donald Trump und seine erpresserischen Zolldrohungen. Die Europäer zeigten sich handlungsfähig und in der Lage, neue Partnerschaften einzugehen (hier  mehr dazu, wie mächtig die Freihandelszone zwischen der EU und Südamerika werden soll).

 Befremdliche Koalition

Mercosur-Abstimmung im Europäischen Parlament (am 16. Dezember): Befremdliche Koalition

Foto: Pascal Bastien / AP / dpa

Doch jetzt wurde das Abkommen durch die Entscheidung des EU-Parlaments auf unbestimmte Zeit ausgebremst, mit knappen 334 zu 324 Gegenstimmen (mehr dazu hier ). Die Überprüfung durch den EuGH wird nun mindestens Monate dauern. Erst danach kann die endgültige Ratifizierung folgen. Allerdings könnte die EU-Kommission entscheiden, das Abkommen schon vorher vorläufig anzuwenden.

Nun spricht selbstverständlich nichts dagegen, die Rechtmäßigkeit von Verträgen sichergestellt wissen zu wollen. Allerdings scheint dieser Prüfauftrag weniger einer juristischen Sorge entsprungen, sondern eher ein letztes Aufbäumen der politischen Gegner des Mercosur-Abkommens zu sein, ein letzter Versuch, es doch noch zu kippen. Dass sich auch grüne, linke und sozialdemokratische Abgeordnete zu diesem Zweck mit extremen Rechten zusammentun, denen es nicht um Klimaschutz und ökologische Standards geht, sondern um die Schwächung und letztlich die Zerstörung der Europäischen Union, ist schwer nachvollziehbar.

Die Mikromanagerin

Was macht eigentlich unsere Bundeswirtschaftsministerin? Von Katherina Reiche (CDU) war zuletzt vor allem wegen ihrer Liaison mit Karl-Theodor zu Guttenberg und ihres nach eigenen Angaben privaten Besuchs eines von diesem mitveranstalteten Treffens milliardenschwerer Investoren und internationaler Politiker im österreichischen Wintersportort Seefeld im Oktober 2025 die Rede – beides eher ressortfremde Angelegenheiten (mehr dazu hier ). Meine Kollegen Markus Becker und Stefan Schultz haben sich damit beschäftigt, wie sich Reiche als Ministerin schlägt. Das Ergebnis ihrer Recherche ist nicht schmeichelhaft.

 Vornehmlich markige Ankündigungen

Bundeswirtschaftsministerin Reiche: Vornehmlich markige Ankündigungen

Foto: Christoph Soeder / dpa

»Die Ressortchefin, die von Amts wegen für die Wirtschaft zuständig ist, fällt vornehmlich mit markigen Ankündigungen auf«, schreiben Markus und Stefan. Wichtige Vorhaben in Reiches Verantwortung, etwa die Kraftwerksstrategie, die Reform des Heizungsgesetzes oder der Industriestrompreis, kämen nur schleppend voran. Das liege teils an der hochkomplexen Materie – und zu einem guten Teil an Reiche selbst.

Die »konfrontative Art« der Ministerin sei geschmeidigen Verhandlungen nicht förderlich, auch frage sie selten die Fachleute ihres Hauses, ist aus dem Ministerium zu hören. Stattdessen verzettle sich Reiche im Mikromanagement. Bis ins kleinste Detail werde vorgeschrieben, in welcher Form ihre Reden ausgedruckt werden sollen: »Schriftsatz Arial 16 Punkt, Zeilenabstand 1,5, keine Silbentrennung.«

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  • Sind die Deutschen zu faul? Nein! Der Bundeskanzler kritisiert die telefonische Krankschreibung, als wäre sie der Hort allen Übels. Tatsächlich sollte Friedrich Merz beim Fundament des Arbeitsmarktes beginnen. Die Probleme dort sind groß, aber lösbar. 

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US-Schauspieler Shatner

US-Schauspieler Shatner

Foto: Paras Griffin / Getty Images

… ist William Shatner. Der 94-jährige Schauspieler, bekannt vor allem als Captain James T. Kirk aus »Raumschiff Enterprise«, reagierte mit großer Gelassenheit auf einen Versuch Stephen Millers, ihn politisch zu vereinnahmen. Dem stellvertretenden Stabschef Donald Trumps hatte offenbar eine Szene aus »Starfleet Academy« missfallen, der neuesten »Star Trek«-Serie, in der nur Frauen in Führungspositionen zu sehen waren. Auf X forderte Miller, zur Rettung der Serie möge Paramount Shatner die kreative Kontrolle übertragen. Der stimmte zwar zu, missverstand Miller aber absichtlich: »Dass sie im 32. Jahrhundert noch kein Heilmittel für Weitsichtigkeit gefunden haben, ist ein eklatantes Versäumnis der Autoren!« Tatsächlich: Eine der Frauen trägt Brille.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Trumps Häscher sind jetzt auch in Maine im Einsatz: Die Regierung von Donald Trump hat einen weiteren US-Bundesstaat ausgemacht, in dem die umstrittene Einwanderungsbehörde gegen angebliche Straftäter vorgehen soll. Der Name der Mission in Maine ist vielsagend.

  • Britisches Oberhaus befürwortet Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige: Australien hat es vorgemacht, nun spricht sich auch das britische Oberhaus für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aus. Regierungschef Keir Starmer wollte sich bisher noch nicht festlegen.

  • »Aktenzeichen XY...« sucht Hinweise auf Sparkassen-Einbrecher von Gelsenkirchen: Kurz nach Weihnachten bohrten mehrere Täter ein Loch in die Wand der Sparkasse in Gelsenkirchen und plünderten mehr als 3000 Schließfächer. Seitdem sucht die Polizei nach den Schuldigen – nun auch mit HIlfe im Fernsehen.

Heute bei SPIEGEL Extra: Ein Jahr Longevity – was es wirklich gebracht hat

SPIEGEL-Redakteur Bonnen

SPIEGEL-Redakteur Bonnen

Foto:

Philipp von Ditfurth / DER SPIEGEL

Vor einem Jahr hat mein Kollege Christopher Bonnen erfahren, woran er mal sterben könnte und wie er sein Leben ändern müsste. Heute meditiert und fastet er. Die Frage ist: Lebt er dadurch wirklich gesünder und länger? 

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion

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