Late-Night-Shows: US-Medienaufsicht verschärft Regeln für Politikerinterviews

vor 2 Stunden 1

Wenn Politiker künftig in Talkshows interviewt werden, muss Gegenkandidaten laut FCC dieselbe Sendezeit zugestanden werden. Eine Demokratin spricht von einer Eskalation.

22. Januar 2026, 4:19 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters,

 Der FCC-Vorsitzende Brendan Carr gilt als Vertrauter von US-Präsident Donald Trump.
Der FCC-Vorsitzende Brendan Carr gilt als Vertrauter von US-Präsident Donald Trump. © Jose Luis Magana/​AP/​dpa

Die US-Medienaufsichtsbehörde FCC hat strengere Regeln für Interviews mit Politikern bei Talkshows angekündigt. Sendungen wie Late-Night-Shows müssen künftig auch gegnerischen Kandidaten eine vergleichbare Sendezeit einräumen, teilte die Behörde mit. "Jahrelang gingen die etablierten Fernsehsender davon aus, dass ihre Shows als echte Nachrichtensendungen gelten – selbst, wenn sie aus rein parteipolitischen Zwecken handelten", sagte der FCC-Vorsitzende Brendan Carr.

Mit dem Schritt kippt die FCC ‍eine seit 2006 geltende Praxis, die es ​den Sendern erlaubte, betreffende Interviews als redaktionelle ‌Nachrichteninhalte zu behandeln und von der sogenannten Equal-Time-Regel auszunehmen. Die Behörde teilte mit, ​die aktuellen Talkshows erfüllten die Kriterien für eine solche Ausnahme nicht.

Wie die New York Times berichtet, müssen Talkshows, die in einem Wahljahr einen Kandidaten interviewen wollen, laut der neuen Regel bei der FCC eine Ausnahmegenehmigung beantragen – oder den Gegnern der Kandidaten dieselbe Sendezeit zur Verfügung stellen. Demnach teilte die FCC mit, Ausnahmegenehmigungen würden nur vergeben, wenn die Sendung nicht "aus parteipolitischen Gründen" motiviert sei.

Carr gilt als Vertrauter des US-Präsidenten

Die demokratische Kommissarin der FCC, Anna Gomez, kritisierte die Anweisung. Es handle sich um eine staatliche Einschüchterung und "Eskalation in der andauernden ⁠Kampagne dieser FCC, die Meinungsäußerung zu zensieren und zu ⁠kontrollieren", sagte Gomez. "Sender sollten sich nicht unter Druck ‌gesetzt fühlen, aus Angst vor regulatorischer Vergeltung ​ihre kritische Berichterstattung abzuschwächen, zu bereinigen oder zu vermeiden."

Der Schritt folgt wiederholtem Druck von US-Präsident Donald Trump ⁠auf die Behörde. Der von ihm ernannte FCC-Vorsitzende Carr hatte bereits im September eine Überprüfung gefordert, ob Sendungen wie die Talkshow The View oder Jimmy Kimmel Live, die oft kritisch über Trump berichten, gegen Regeln der Behörde verstoßen. Carr hatte nach umstrittenen Äußerungen Jimmy Kimmels zum Tod des rechten Aktivisten Charlie Kirk solchen Druck auf den ‍Sender ABC ausgeübt, dass die Show kurzzeitig abgesetzt wurde.

Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt ⁠gefordert, Sendern wie ABC die Lizenz zu entziehen. Die großen Fernsehsender ‍äußerten sich zunächst nicht.

Gesamten Artikel lesen