Ein dufter Beruf: So arbeitet eine Parfümeurin

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Mit einer ruhigen Bewegung taucht Manuela einen Papierstreifen in ein Fläschchen, führt ihn an die Nase und riecht konzentriert. »Die Kopfnote muss stärker sein«, sagt sie und tippt etwas in ihren Computer. Kopfnote – das klingt nach Musik, gehört aber zum Aufbau eines Dufts: Die Kopfnote riecht man zuerst, sie verfliegt aber schnell. Danach kommt die Herznote, die am intensivsten ist, und zum Schluss bleibt die Basisnote, die besonders lange hält.

Gerade arbeitet Manuela an einem neuen Waschmittel. Da die Flüssigkeit später orange aussehen wird, soll sie warm und fruchtig riechen. »Für die Kopfnote nehme ich frische Gerüche wie Orange oder Pfirsich. In der Herznote verwende ich etwas Blumiges, und Vanille in der Basis verleiht dem Ganzen einen weichen, angenehmen Charakter.« Mehr als 100 verschiedene Aromen hat Manuela dafür zu­sammengesetzt. »So wie ein Künstler Farben mischt, mische ich Gerüche«, erklärt sie.

 In der Duftbibliothek stehen Fläschchen mit verschiedenen Aromen

Von Kakao über Kümmel bis Gurke: In der Duftbibliothek stehen Fläschchen mit verschiedenen Aromen

Foto: Max Brunnert / DEIN SPIEGEL

Manuela ist Parfümeurin. Viele denken bei dem Wort vielleicht an Leute, die teure Düfte mischen, die in Parfümerien verkauft werden. Doch Manuela sorgt dafür, dass Produkte wie Shampoo, Duschgel, Weichspüler oder Reinigungsmittel angenehm riechen. Ihre Duftpalette besteht aus 1200 Duftstoffen, und sie kennt jeden einzelnen davon. Um sich neue Ideen zu holen, geht Manuela in ihre »Duftbibliothek«. Schon beim Öffnen der Tür strömt einem ein Mix aus blumigen, würzigen und fruchtigen Aromen entgegen. Flasche an Flasche stehen hier die 1200 Duftstoffe aufgereiht. Etwa 300 davon kommen aus der Natur, also aus echten Blüten oder Früchten. Die anderen werden im Labor hergestellt. Manuela riecht an zwei Orangenölen: einem aus Brasilien, einem aus Italien. »Das brasilianische riecht süßer, das passt besser«, sagt sie und kehrt zurück in ihr Büro. Dort tippt sie ihre Idee in den Computer und schickt die Liste mit den ausgewählten Stoffen ins Labor. Ein Roboter mischt alles zusammen, und zwei Stunden später liegt schon eine neue Probe auf ihrem Tisch.

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An ihrer Idee tüftelt Manuela so lange, bis die Probe genau so riecht, wie sie es sich vorgestellt hat. »Manchmal ist es frustrierend, wenn man wochenlang an einer Kreation arbeitet und am Ende doch eine andere ausgewählt wird«, sagt Manuela. Denn sie ist nicht allein: Drei weitere Parfümeurinnen und Parfümeure gehören zum Team. Wenn ein neuer Duft gebraucht wird, entwickeln alle ihren eigenen Vorschlag. »Das ist wie ein kleiner Wettbewerb. Am Ende gewinnt die Variante, die allen am besten gefällt – egal von wem sie stammt.«

Manuela komponiert ihre Düfte im Kopf. Am Computer entsteht daraus eine Rezeptur mit bis zu 120 Stoffen.

Manuela komponiert ihre Düfte im Kopf. Am Computer entsteht daraus eine Rezeptur mit bis zu 120 Stoffen.

Foto: Max Brunnert / DEIN SPIEGEL

Damit Manuelas Nase den ganzen Tag gut arbeiten kann, hat sie mehrere Tricks: Morgens testet sie zuerst leichte, frische Gerüche, denn da ist die Nase noch besonders empfindlich. Kräftigere Noten hebt sie sich für den Nachmittag auf. Zwischendurch geht sie kurz an die frische Luft oder, wenn es schnell gehen muss, riecht an ihrer Armbeuge. Das neutralisiert die Nase.

Was ist das Schönste an dem Beruf?
»Kein Tag ist wie der andere. Es kommen ständig neue Duftstoffe hinzu, andere verschwinden wieder, weil sie nicht mehr verwendet werden dürfen. Ich kann kreativ arbeiten und immer wieder Neues ausprobieren.«

Und was ist das Schwierigste?
»Ich muss mich an bestimmte Regeln und Sicherheitsvorschriften halten. Einige Stoffe darf man nicht miteinander kombinieren oder nur in kleinen Mengen verwenden. Manchmal würde ich mir wünschen, beim Mischen etwas freier experimentieren zu können.«

Wie viele Parfümeurinnen und Parfümeure gibt es in Deutschland?

Das ist ein seltener Beruf: In Deutschland gibt es nur schätzungsweise 50, weltweit ungefähr 1000 bis 2000.

Wie lange dauert die Ausbildung?
In Deutschland kann man sich nicht zur Pafümeurin oder Pafümeur ausbilden lassen. Viele machen zuerst eine naturwissenschaftliche Ausbildung oder studieren zum Beispiel Chemie, Physik oder Pharmazie. Danach folgt eine Zusatzausbildung von drei bis fünf Jahren, entweder in einem Unternehmen oder an einer speziellen Parfümschule. In dieser Zeit trainiert man das Riechvermögen, lernt die Rohstoffe kennen und wie sie sich miteinander kombinieren lassen.

Wie viel verdient man?

Das hängt davon ab, für welches Unternehmen man arbeitet und welche Art von Düften man entwickelt. Im Durchschnitt liegt das Gehalt bei etwa 5000 Euro brutto im Monat.

Was muss man können?

  • Kreativ sein: Für jeden Duft braucht es eine neue Idee.

  • Einen guten Geruchssinn haben und ihn regelmäßig trainieren.

  • Durchhaltevermögen mitbringen: Nicht jeder Versuch klappt sofort.

  • Chemie: Man sollte wissen, wie die Duftstoffe aufgebaut sind und miteinander reagieren.

Für wen ist das eher nichts?

  • Für Menschen, die starke Gerüche anstrengend finden

  • Für alle, die lieber allein arbeiten

  • Für ungeduldige Menschen, die schnelle Ergebnisse sehen wollen

»Als ich angefangen habe zu arbeiten, hatte ich oft Kopfschmerzen von all den intensiven Aromen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt«, erzählt Manuela. Seit 30 Jahren arbeitet sie bei Henkel, einem Unternehmen, das unter anderem Wasch- und Reinigungsmittel, Shampoos oder auch Klebstoffe herstellt. Dort machte sie zuerst eine Ausbildung zur Chemielaborantin. Während dieser Zeit durfte sie das Duftzentrum besuchen, und Manuela war sofort begeistert von der Arbeit.

»Düfte können Erinnerungen wecken und uns glücklich machen. Schon der Geruch von Äpfeln erinnert mich zum Beispiel an den leckeren Kuchen meiner Oma.« Doch einen Nachteil hat es: Den Geruchssinn kann man nie ausschalten. Manuela nimmt ständig neue Eindrücke wahr, auch im Urlaub. In Vietnam besuchte sie einmal eine Fischfarm, wo Fischsoße hergestellt wurde. »Meine Familie fand es dort unerträglich, aber ich wollte wissen, woher der Gestank kam. Selbst unangenehme Gerüche finde ich spannend. Sie können wichtig sein, um andere Noten intensiver zu machen.«

Parfümeure riechen den ganzen Tag.

Stimmt: »Ob in der Entwicklung, in der Duftbibliothek, an den Teststationen oder in Meetings – überall wird gerochen, bewertet und verglichen. Meine Nase hat fast nie eine Pause.«

Man braucht eine »Wunder-Nase«.

Stimmt nur teilweise: »Man braucht Talent, aber man kann den Geruchssinn auch trainieren.«

Parfümeure tragen selbst viel Parfüm.

Stimmt nicht: »Bei der Arbeit würde das stören und meine Kolleginnen und Kollegen ablenken. Auch im Alltag trage ich kein Parfüm, sondern nur ein geruchsarmes Deo.«

Bevor ein Produkt marktreif ist, wird es lange getestet. Dafür gibt es im Duftzentrum eigene Räume voller Waschmaschinen, Spülmaschinen oder Toiletten. Heute prüft Manuela eine überarbeitete Mischung für einen Weichspüler. »Manchmal werden bestimmte Stoffe aus Sicherheitsgründen in der Europäischen Union verboten oder dürfen nur in begrenzten Mengen eingesetzt werden«, sagt sie. Das passiert zum Beispiel, wenn he­rausgefunden wird, dass sie für Menschen gefährlich sein könnten. In manchen Fällen entscheiden Unternehmen auch selbst, bestimmte Stoffe nicht mehr zu verwenden, weil sie sich schlecht in der Umwelt abbauen. »Dann müssen wir denselben Duft mit anderen Zutaten nachbauen.«

Vier Waschmaschinen sind fertig, in jeder stecken frisch gewaschene Handtücher mit einer anderen Mischung. Manuela und ihre Kolleginnen und Kollegen öffnen nacheinander die Klappen und riechen konzentriert. »Der rechte gefällt mir am besten«, sagt Kollege Hubert. Manuela nickt zustimmend – es ist ihr Vorschlag. Doch damit ist das Testen noch nicht vorbei: Die Handtücher werden aufgehängt, und nach ein paar Tagen und Wochen wird erneut daran gerochen, um zu prüfen, ob der Duft lange hält. Bis eine Kreation endgültig fertig ist, kann es bis zu einem Jahr dauern. So lange wird ausprobiert, verändert und gemischt, bis jede Note perfekt mit den anderen harmoniert. Mehr als 100 Produkte mit Düften von Ma­nuela wurden schon verkauft, und sie kann sich noch an jeden erinnern. Welche Zutaten sie am liebsten benutzt, möchte sie nicht verraten. Aber sie erzählt, welche sie meidet: »Schwarze Johannisbeere kommt mir nicht ins Parfüm – die ist mir einfach zu säuerlich und streng.«

Foto: DEIN SPIEGEL

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