Szene des Spiels: Das ist in diesem Fall mal einfach: Nach 18 Minuten schloss Vinícius Júnior einen Konter von Real Madrid mit einem Schuss ins kurze Eck ab. Dort stand zur Abwehr Bernardo Silva bereit, hielt sich die Hände hinter dem Rücken und schaffte es dennoch, mit dem Arm auf der Torlinie ein Handspiel zu begehen. Es folgten die handelsüblichen fünf Minuten VAR-Überprüfung, bevor es Elfmeter für Real und Rot für Manchester City gab. Vinícius verwandelte und die Luft aus dem Spiel war raus.
Resultat des Spiels: Real Madrid siegte nach dem 3:0 im Hinspiel auch in Manchester 2:1 (1:1) und konnte sich in Überzahl und mit der Führung im Rücken im Grunde 70 Minuten fürs Viertelfinale gegen (wahrscheinlich) den FC Bayern warmspielen. Beim übertragenden Sender Dazn wurden jedenfalls schon während des Spiels die alten Duelle zwischen Real und Bayern ins Gedächtnis gerufen. Das Weiterkommen der Münchner am Mittwoch nach dem 6:1-Hinspielsieg gegen Bergamo ist schon eingepreist.
Die erste Halbzeit: Ein Wunder musste für City her. Drei Tore gegen Real Madrid aufholen, das ist ein Wunder. Manchester City versuchte es wenigstens, legte mit Feuereifer los und hatte gute Einschusschancen durch Rayan Cherki, Rodri und Tijjani Reijnders. Real-Torwart Thibaut Courtois hielt alles. Weil er Thibaut Courtois ist. Dann kam die 18. Minute. Es ist City anzurechnen, dass sie es auch danach weiterhin probierten: Erling Haaland gelang zumindest vor der Pause der Ausgleich und sorgte für ein an diesem Europapokal-Abend seltenes norwegisches Erfolgserlebnis.
Die zweite Halbzeit: Mit dem Mute der Verzweiflung bemühten sich Haaland und Rodri und schossen aus allen Rohren. Aber samt und sonders vergeblich: Auch der Torwartwechsel der Madrilenen – in der zweiten Hälfte spielte der Ukrainer Andrij Lunin für Courtois – änderte nichts am Gesamtbild. Mit der Auswechslung Haalands nach einer Stunde gab Guardiola das frühe Signal: Die Aufholjagd ist abgeblasen. Vinicius machte mit dem Schlusspfiff das 2:1 und den Deckel drauf.
Thibaut Courtois mal wieder im Fokus
Foto: Phil Noble / REUTERSSpieler des Spiels: DAZN-Experte Tobias Schweinsteiger sprach früh in der Partie vom »besten Torwart der Welt«. Thibaut Courtois hört das vermutlich nicht zum ersten Mal, aber dadurch wird es nicht falscher. Der Belgier steht seit acht Jahren im Real-Tor, und manchmal hat man das Gefühl, er wird in jedem Jahr besser. Dabei konnte er nur 45 Minuten Kostproben seines exzellenten Könnens abgeben.
Duell des Spiels: Álvaro Arbeloa spielte noch bei Real Madrid Fußball, als sein Gegenüber Pep Guardiola mit dem FC Barcelona schon Trainer-Triumphe feierte. Zweimal nacheinander schnappte der Trainer Guardiola dem Spieler Arbeloa die spanische Meisterschaft weg, 2010 und 2011. Revanche muss man kalt genießen, manchmal braucht es dafür 15 Jahre. Klingt als Anekdote natürlich gut, aber, um ehrlich zu sein: Arbeloa gewann schon 2011 als Spieler den Pokal im Finale gegen Guardiolas Barcelona.
Die Heulgeste des Torschützen
Foto: Paul Ellis / AFPGeste des Spiels: Nach seinem Elfmetertor machte Real-Stürmer Vinícius die Heulgeste in Richtung Manchester. Der Brasilianer ist auf dem Platz so oft von gegnerischen Fans und Spielern provoziert worden, darunter waren üble Beleidigungen. Aber manchmal ist er auch ein bisserl unsympathisch.
Sie haben den Blues: Die Aussichten für Guardiola in seinem nun zehnten City-Jahr sind alles andere als himmelblau. Die Champions League ist mal wieder zerronnen, in der Meisterschaft scheint der FC Arsenal enteilt. Nur ein sehr schwacher Trost, dass es den anderen Blues aus der Premier League am Abend nicht besser erging: Der FC Chelsea verlor nach dem 2:5 im Hinspiel auch im Rückspiel deutlich 0:3 gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain.
Erkenntnis des Spiels: Real Madrid ist Real Madrid ist Real Madrid. Dieser Clubname ist das spanische Wort für das deutsche Adjektiv abgezockt. Mit dem Luxus, Superstar Kylian Mbappé nach vier Wochen Verletzungspause nach 70 Minuten von der Bank bringen zu können.

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