Omar Sanadiki / REUTERS
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Überblick: Das ist die aktuelle Lage in Nahost
- Die USA und Israel greifen weiter Iran an. Das Regime reagiert mit Gegenattacken, auch auf die Golfstaaten. Israel erwartet einen größeren Raketenangriff der Hisbollah.
- Irans Staatsmedien vermelden den Tod von Ali Larijani. Zuvor hatten die Revolutionswächter bereits den Tod des Anführers der Basidsch-Milizen, Gholamreza Soleimani, bestätigt.
- Israel will mehr Soldaten in den Libanon schicken. Deutschland und seine Partner wollen Israel dagegen von einer großen Bodenoffensive abhalten.
- US-Präsident Trump gibt derweil an, man brauche die Nato nicht. Wenige Stunden zuvor hatte sein Botschafter dort noch wortreich um Unterstützung im Irankrieg geworben.
Kurzanalyse: Was der Rücktritt von Terrorabwehr-Chef Kent für Trump bedeutet
Joe Kent, der Chef des Nationalen Terrorabwehrzentrums NCTC, ist zurückgetreten. Er ist der erste hochrangige Vertreter der Trump-Regierung, der diese aus Protest gegen den Irankrieg verlässt. Kent ist ein Ex-Elitesoldat mit Hang zum Verschwörungsdenken. Er machte in seinem Rücktrittsschreiben Israel nicht nur für den jüngsten Waffengang verantwortlich, sondern auch für die Kriege im Irak und in Syrien.
Trump äußerte sich abfällig über den scheidenden Terrorabwehr-Chef. Er sei immer schon »schwach in Sachen Sicherheit« gewesen, sagte der Präsident vor Reportern im Weißen Haus. Kent habe gesagt, dass Iran keine Bedrohung sei, deshalb sei es »Islamischer Staat«, so Trump.
Dass auf den Rücktritt Kents zeitnah weitere folgen werden, ist fürs Erste unwahrscheinlich. Zwar gibt es in der Trump-Regierung auch andere Skeptiker wie Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard oder Vizepräsident JD Vance. Die schlagen bisher aber leise Töne an und sind bemüht, nicht öffentlich auszuscheren.
Doch der Rücktritt des NCTC-Chefs dürfte Trump einmal mehr vor Augen führen, welch politisches Risiko er mit der Irankampagne eingegangen ist. Zwar hält sein »Make America Great Again«-Lager (MAGA) bisher treu zu ihm. Doch auch unter seinen Unterstützern werden kritische Stimmen immer lauter.
So meldete sich nach Kents Rücktritt der einflussreiche rechte Podcaster Tucker Carlson zu Wort. »Joe ist der mutigste Mann, den ich kenne, und er kann nicht als Spinner abgetan werden«, sagte Carlson. Er verwies darauf, dass Kent Zugang zu den wichtigsten Geheimdienstinformationen hatte. Mit anderen Worten: Er wisse, wovon er rede.
Je länger der Krieg dauert, desto mehr Geld und Soldatenleben wird er kosten. Carlson und andere Trump-nahe Podcaster haben den Waffengang gegen Iran zwar kritisiert, die direkte Konfrontation mit dem Präsidenten bisher aber gescheut. Die Frage ist, wie lange das so bleibt.
Iran bestätigt Tod von Sicherheitschef Ali Larijani
Laut iranischen Staatsmedien ist Sicherheitschef Ali Larijni tot. Die den Revolutionswächtern nahestehende Nachrichtenagentur Fars teilte mit, dass der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates zum »Märyrer« geworden sei. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat Irans, dessen Chef Larijani war, veröffentlichte eine entsprechende Erklärung zu Larijanis Tod. Die israelische Armee hatte bereits am Dienstagvormittag verkündet, dass Larijani getötet worden sei.
Israels Luftwaffe greift iranische Basidsch-Milizen in Teheran an
Israels Armee bombardiert nach der Tötung des Kommandeurs der iranischen Basidsch-Einheiten, Gholamreza Soleimani, weiter Ziele dieser Miliz in Teheran. Die Luftwaffe habe in den vergangenen Stunden Mitglieder dieser paramilitärischen Einheiten angegriffen, die an mehr als zehn verschiedenen Positionen in der iranischen Hauptstadt aktiv gewesen seien, teilte das israelische Militär am Abend mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Irans Parlamentspräsident: Straße von Hormus wird nicht wie vor dem Krieg sein
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hat dauerhafte Veränderungen für den Schiffsverkehr in der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Straße von Hormus angekündigt. »Die Situation in der Straße von Hormus wird nicht zu ihrem Vorkriegszustand zurückkehren«, schrieb er auf Englisch im Onlinenetzwerk X.
Seit Beginn des Irankrieges am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und Iran wird von den iranischen Revolutionswächtern kontrolliert. Zudem beschoss Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Irans staatliche Medien bestätigen den Tod von Basidsch-Chef Soleimani
Die iranischen Revolutionswächter haben die Tötung von Gholamreza Soleimani, dem Chef der paramilitärischen Basidsch-Milizen, bestätigt, berichten Irans staatliche Medien. Gholamreza Soleimani sei einer »terroristischen Attacke des amerikanisch-zionistischen Feindes« zum Opfer gefallen, heißt es demnach in einem Statement der Revolutionswächter.
Weiter hätten sie erklärt: »Wir warnen die bösartigen und terroristischen Mörder dieses hochrangigen Märtyrers, dass die Basidsch niemals den Kampfeswillen des gefallenen Führers, der gefallenen Kommandeure und der zahlreichen Märtyrer des Volkes aufgeben wird.« Stattdessen werde ihr Tod »den Willen der heldenhaften iranischen Nation und aller Basidsch-Kämpfer, den Weg des Widerstands fortzusetzen, nur noch verstärken«.
Liebe Leserinnen und Leser, die USA und Israel setzen ihre Angriffe gegen Iran und seine Nachbarn fort, das Regime in Teheran antwortet mit Gegenangriffen. Wir halten Sie hier über die Entwicklungen in Nahost und die Auswirkungen jenseits der Region auf dem Laufenden. Was am Dienstag geschah, können Sie hier nachlesen.
Mit Material der Agenturen

vor 2 Stunden
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