Außenminister Hakan Fidan: Türkei will sich aus dem Irankrieg heraushalten

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Die Türkei hat in der Vergangenheit zwischen den USA und dem Iran vermittelt. Jetzt wolle sie sich nicht in den Konflikt einmischen, sagt der Außenminister.

15. März 2026, 5:23 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AP,

 Es habe oberste Priorität für sein Land, sich aus dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran herauszuhalten.
Der türkische Außenminister Hakan Fidan im Interview mit der Nachrichtenagentur AP: Es habe oberste Priorität für sein Land, sich aus dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran herauszuhalten. © Khalil Hamra/​picture alliance /​ ASSOCIATED PRESS

Der türkische Außenminister Hakan Fidan sieht derzeit keine ernsthafte Chance für eine Wiederaufnahme direkter Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Er glaube aber, dass die iranische Regierung offen für Gespräche über inoffizielle Kanäle sei, sagte Fidan der Nachrichtenagentur AP am Samstag in einem Interview in Ankara.

Aktuell seien "die Bedingungen nicht sehr günstig" für Diplomatie. Die Iraner "fühlen sich verraten", da sie schon zum zweiten Mal während laufender Verhandlungen mit den USA über ihr Atomprogramm angegriffen worden seien, sagte Fidan. Gleichwohl fügte er hinzu: "Ich denke, sie sind für jede vernünftige Diplomatie hinter den Kulissen offen."

Türkei will sich heraushalten

Das Nato-Mitglied Türkei unterhält sowohl zu den USA als auch zum Iran gute Beziehungen. Vor den jüngsten Angriffen der USA und Israels auf den Iran hatte die Türkei zwischen beiden Seiten zu vermitteln versucht. Die türkische Regierung bemüht sich nun um eine neutrale Position. Sie kritisierte zuletzt die amerikanisch-israelischen Bombardierungen ebenso wie die iranischen Luftangriffe auf Golfstaaten, die US-Stützpunkte beherbergen. Fidan sagte AP, er habe versucht, die Iraner davon zu überzeugen, diese Angriffe einzustellen.

Oberste Priorität sei es für die Türkei, sich aus dem Konflikt herauszuhalten, betonte der Außenminister. Dies gelte auch, nachdem kürzlich drei Raketen, die mutmaßlich aus dem Iran stammten, von Nato-Abwehrsystemen über der Türkei abgefangen worden seien. Ein Luftwaffenstützpunkt im Süden des Landes wird von Nato-Streitkräften genutzt, darunter auch von US-Truppen.

Iranische Behörden hätten versichert, dass sie nicht auf die Türkei geschossen hätten, obwohl verfügbare Daten zeigten, dass die Raketen aus dem Iran gekommen seien, sagte Fidan. Eine militärische Reaktion schloss er zum jetzigen Zeitpunkt aus. Die Nato-Abwehrsysteme hätten effektiv funktioniert. "Ich weiß, dass wir provoziert werden und weiter provoziert werden", sagte er. "Aber das ist unser Ziel. Wir wollen uns aus diesem Krieg heraushalten."

Fragen über Zustand von Irans neuem geistlichen Führer

Fidan, der regelmäßig Kontakt zu iranischen Regierungsvertretern hat, dementierte Kenntnisse über den Gesundheitszustand von Irans neuem Obersten Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei nach einem Angriff zu Beginn des Kriegs. "Was wir wissen, ist, dass er am Leben und handlungsfähig ist."

Chamenei wurde zum neuen obersten Führer Irans ernannt, nachdem sein Vater Ajatollah Ali Chamenei bei den ersten israelisch-amerikanischen Angriffen auf die Islamische Republik getötet worden war. Der Prozess der Wahl eines neuen Führers und der Gesundheitszustand des neuen Führers hätten eine Lücke in der Machtstruktur des Iran geschaffen, sagte Fidan. "Ich denke, diese Lücke wurde vom Oberkommando der Revolutionsgarden gefüllt."

Der heute 57-jährige Fidan war mehr als ein Jahrzehnt Chef des türkischen Geheimdienstes, ehe er 2023 zum Außenminister ernannt wurde. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Ausarbeitung der türkischen Politik im Nahen Osten, insbesondere im Umgang mit Syrien, dem Irak und dem Iran. Er gilt als einer der engsten Vertrauten von Präsident Recep Tayyip Erdogan und als einer der möglichen Kandidaten für seine Nachfolge.

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