Frankreich will Trumps Friedensrat nicht beitreten. Dieser droht daraufhin mit Zöllen auf Wein und Champagner. Und zielt damit aufs Herz der Exportnation.
20. Januar 2026, 20:38 Uhr
Winzer Cédric Gravier lacht kurz auf, als er von Donald Trumps neuester Drohung erfährt. Der US-Präsident kündigte vergangene Nacht an, französische Weine und Champagner mit 200 Prozent zu besteuern, falls Emmanuel Macron seine Einladung zum sogenannten Friedensrat ablehnt. "Dieser nächste Affront wäre fast komisch – wenn es für uns nicht schon tragisch genug wäre", sagt Gravier. Seit mehr als drei Jahrzehnten baut Gravier Wein aus der Region Bandol an, zwischen den südfranzösischen Städten Toulon und Marseille gelegen. Die Krisen unter Trump seien die schlimmsten.
Der neueste Anlass: Bisher will sich Frankreich nicht an einem neuen internationalen Gremium beteiligen, mit dem Trump den Vereinten Nationen Konkurrenz machen will. Ursprünglich sollte dieser Friedensrat den Wiederaufbau im Gazastreifen begleiten. Weil dessen Charta darüber aber deutlich hinausgehe, lehnt Frankreich die Initiative bisher ab.
Und wieder treffen Trumps Drohungen die französische Weinbranche. Ihre weltberühmten Produkte – Champagner, Bordeaux, Burgunder – waren im März 2025 schon einmal in dessen Fokus geraten. Damals als Reaktion auf geplante EU-Zölle auf US-amerikanischen Whiskey. Die Zölle wurden nie umgesetzt, doch sie ließen die Verkäufe sinken. "Ob die Zölle kommen oder nicht – allein die Ankündigung verunsichert die Händler. Sie kaufen ihren Wein und Champagner jetzt woanders", erklärt Gravier.
Die Drohung trifft eine bereits angegriffene Branche
Sollte Trump dieses Mal Ernst machen, wäre es die tiefgreifendste Krise für die Branche bisher. Die französische Landwirtschaftsministerin Annie Genevard nannte die Worte des US-Präsidenten deshalb "feindlich". Für die konservative Politikerin sind die neuen Zölle ein "erpresserisches Werkzeug". Europa müsse die französischen Interessen verteidigen.
Tatsächlich sind die Alkoholexporte für Frankreich so bedeutend wie Maschinen und Autos für Deutschland: Erst sie machen das Nachbarland zur Exportnation, denn die Franzosen verkaufen weit mehr, als sie selbst trinken. Europaweit ist Frankreich laut dem dortigen Wirtschaftsministerium der größte Weinexporteur der EU. Dabei dominiert es das Geschäft mit teuren Weinen und Spirituosen, während Italien vor allem günstigere Weine und Schaumweine exportiert.
"Eine Steuer von 200 Prozent würde alle Exporte in die USA vollständig stoppen", warnte Jérôme Bauer, Präsident des französischen Winzerverbands Cnaoc, in einem Radiointerview. Er forderte, Europa müsse Frankreich beistehen. "Allein können wir uns nicht gegen einen US-Präsidenten behaupten", sagte er.
Die Exporte von Wein und Spirituosen beliefen sich 2025 insgesamt auf 16,5 Milliarden Euro (PDF), ein Viertel davon ging in die USA. Damit sind die Vereinigten Staaten – vor Deutschland und Großbritannien – der größte Abnehmer französischen Weins. Trumps Drohung trifft die französischen Winzerinnen und Winzer ohnehin in einer schwierigen Lage: Sie kämpfen um ihr Überleben.
Seit Jahren sinken die Verkaufszahlen, sowohl im Inland als auch im Ausland. Nur Schaumweine finden noch mehr Käufer. Dennoch halten die Winzer ihre Einnahmen relativ stabil, indem sie die Preise anheben: Inzwischen kosten französische Weine mit durchschnittlich 8,80 Euro pro Flasche so viel wie nie zuvor. Champagner, der ausschließlich in der gleichnamigen Region im Norden Frankreichs produziert wird, verteuerte sich sogar um 60 Prozent – eine Flasche kostet nun über 30 Euro. Auch hier sind die USA der wichtigste Markt. Das Ministerium warnt schon vor vielen Monaten vor einer "beunruhigenden Abhängigkeit von den USA".

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