Umfrage zu Toleranz: Wähler der Grünen geben am häufigsten an, Probleme mit anderen Ansichten zu haben

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Anhänger der Grünen stören sich am meisten an anderen Ansichten – gefolgt von Anhängern der AfD. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hervor, die versucht, die Toleranzschwelle der Menschen in Deutschland zu ergründen.

Auf die Frage „Wenn Sie mit jemandem zu tun haben, der ganz andere Meinungen vertritt als Sie selbst: Regt Sie das oft auf, oder haben Sie damit meist kein Problem?“ antworteten 21 Prozent der Befragten, es störe sie. Und diejenigen, die am häufigsten angaben, dass dies zutrifft, waren Wählerinnen und Wähler der Grünen, gefolgt von denen der rechten AfD.

Wer sich am meisten über andere Meinungen aufregt:

  • Grüne 28 Prozent
  • AfD 24 Prozent
  • Linke 22 Prozent
  • Union 19 Prozent
  • SPD 18 Prozent

80 Prozent der Befragten gaben an, Zuhören gehöre für sie zu einem respektvollen Umgang miteinander. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) bezeichneten sich selbst als gute Zuhörer. Dagegen meinten nur 39 Prozent, es falle ihnen in persönlichen Gesprächen manchmal schwer, geduldig zuzuhören und die eigene Meinung zurückzuhalten. Lediglich 17 Prozent gaben an, andere öfter zu unterbrechen, wenn sie etwas sagen möchten.

Nicht wenige, die vehement Meinungsfreiheit einfordern, meinen damit letztlich nur die Freiheit für ihre eigene Meinung.

Thomas Petersen, Meinungsforscher des Instituts Allensbach

Interessant: Unter denen, die sich als gute Zuhörer bezeichnen, gab jeder Vierte an, es falle ihm bei Unterhaltungen manchmal schwer, geduldig zuzuhören und die eigene Meinung zurückzuhalten. Zwölf Prozent gaben sogar an, sie würden andere öfter unterbrechen, wenn sie etwas sagen wollten.

Das sind dem Bericht zufolge nicht viel weniger als in der Bevölkerung insgesamt. Und der Aussage „Ich mag es gar nicht, wenn ich unterbrochen werde, während ich etwas erzähle“ stimmten sie sogar zu 61 Prozent zu, und damit sogar etwas häufiger als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Nur rund ein Zehntel der Befragten, die angaben, sich regelmäßig mit einem Kreis von Freunden und Bekannten zu treffen, sagten, in diesem Bekanntenkreis herrsche eine Stimmung zugunsten einer anderen Partei, als der oder die Befragte selbst bevorzuge. Von denen, die sich regelmäßig mit anderen in den sozialen Netzwerken über Politik austauschen, machten demnach rund doppelt so viele die gleiche Angabe.

Die Befragung ergab auch: Personen mit höheren Bildungsabschlüssen zeigten sich intoleranter als Befragte mit einfacher oder mittlerer Schulbildung. Zudem stellen die Ergebnisse die verbreitete Auffassung infrage, dass Nutzer sozialer Medien weitgehend nur in ihrer eigenen Meinungsblase kommunizieren. Die „analogen Freundeskreise“ sind der Umfrage zufolge politisch noch homogener als die digitalen.

Personen mit höheren Bildungsabschlüssen intoleranter

Bereits in früheren Umfragen des Allensbach-Instituts habe sich gezeigt, dass sich die Toleranz vieler Bürger gegenüber abweichenden Meinungen in engen Grenzen halte, erklärte Meinungsforscher Thomas Petersen der Zeitung: „Nicht wenige, die vehement Meinungsfreiheit einfordern, meinen damit letztlich nur die Freiheit für ihre eigene Meinung.“

Allgemein gilt aber auch, dass ein Großteil vermeidet, in bestimmten Situationen überhaupt über Politik zu reden. So sagen 57 Prozent der Befragten, es gebe in ihrem Familien- oder Freundeskreis Personen, „mit denen es keinen Sinn macht, über politische Themen zu sprechen“.

Das allerdings sei kein Alarmsignal, sagte Petersen. Unterschiedliche Meinungen hätten demnach nicht dazu geführt, dass der Kontakt abgerissen ist. „Problematisch wird es erst, wenn politische Differenzen zum Kontaktabbruch führen.“

Die Umfrage wurde vom 23. März bis zum 9. April 2026 durchgeführt, befragt wurden 1057 Personen. Sie ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren.

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