Boris Pistorius will nicht, dass sich die Bundeswehr an der Sicherung der Straße von Hormus beteiligt. Auch andere Länder lehnen das ab, einige erwägen dies.
Aktualisiert am 16. März 2026, 14:22 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, iyf
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat eine Beteiligung der Bundeswehr an der Sicherung der Straße von Hormus ausgeschlossen. Es werde "keine militärische Beteiligung" geben, sagte Pistorius. Neben Deutschland haben auch Australien, Italien und Japan ausgeschlossen, sich militärisch zu beteiligen. Die Nato gab sich zurückhaltend. Großbritannien sowie Südkorea erwägen einen Einsatz. Frankreich sprach von einem möglichen Begleitschutz. China wich einer klaren Position aus.
Australien wolle keine Marine zur Unterstützung in die Straße von Hormus senden, sagte Catherine King, Ministerin für Infrastruktur und Transport. Man sei sich der Bedeutung der Meerenge bewusst, werde sich aber nicht an einer Marinemission beteiligen. Der japanische Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi sagte, er habe unter den derzeitigen Sicherheitsbedingungen keine Pläne, Kriegsschiffe in die Straße von Hormus zu entsenden.
Italiens Außenminister Antonio Tajani sagte, dass Diplomatie der richtige Weg sei, um die Sicherung der Straße von Hormus zu erreichen. Eine militärische Beteiligung Italiens schloss er aus. "Was den Golf von Hormus betrifft, so bin ich der Meinung, dass die Diplomatie den Vorrang haben muss", sagte er.
Südkorea zieht die Entsendung von Kriegsschiffen in Richtung der Straße von Hormus in Betracht. "Wir werden das eng mit den USA besprechen und nach sorgfältiger Überlegung eine Entscheidung treffen", teilte das Büro von Präsident Lee Jae Myung mit.
Auf Fragen zu Trumps Vorschlag, China solle sich an einer internationalen Sicherung der Straße von Hormus beteiligen, verwies ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums lediglich auf Chinas bekannte Position. Die angespannte Lage in der Meerenge und den umliegenden Gewässern beeinträchtige internationale Handelswege für Waren und Energie und untergrabe den regionalen sowie globalen Frieden. China rufe daher alle Seiten erneut dazu auf, militärische Aktionen unverzüglich einzustellen.
"Wir wollen keinen atomar bewaffneten Iran"
Auch Großbritannien prüft nach Angaben von Energieminister Ed Miliband einen Beitrag zur Sicherung der Straße von Hormus. "Wir prüfen gemeinsam mit unseren Verbündeten intensiv, was getan werden kann, denn es ist so wichtig, dass wir die Meerenge wieder öffnen", sagte der Minister. Der BBC sagte er, alle Optionen, die dazu beitragen könnten, die Meerenge wieder zu öffnen, würden geprüft. "Wir wollen keinen atomar bewaffneten Iran, aber die Beendigung dieses Konflikts ist der beste und sicherste Weg, um die Meerenge wieder zu öffnen."
Der britische Premier Keir Starmer will einen Beitrag zur Öffnung der Straße von Hormus leisten, ohne sein Land in den Krieg hineinzuziehen. Starmer sagte, seine Regierung spreche mit den USA und Verbündeten in Europa und der Golfregion über die Möglichkeit, in der Region befindliche Drohnen Großbritanniens zur Suche nach Minen einzusetzen. Die Entsendung eines britischen Kriegsschiffs sei jedoch unwahrscheinlich.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem möglichen Begleitschutz für Handelsschiffe. Allerdings schränkte er ein, dass die Voraussetzungen dafür derzeit nicht gegeben seien. "Die Meerenge ist ein Kriegsschauplatz, aber diese Arbeit muss organisiert werden", sagte Macron. Um solche Eskorten zu gewährleisten, sei die Koordination mehrerer Marinen und mehrwöchige Vorarbeit nötig.
Die Nato äußerte sich zurückhaltend zu den Forderungen von Trump. Alliierte hätten bereits zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen im Mittelmeer ergriffen, sagte ein Sprecher. Es sei zudem bekannt, dass einzelne Alliierte mit den USA und anderen darüber sprächen, was sie darüber hinaus tun könnten.
Die Straße von Hormus ist seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar für die internationale Frachtschifffahrt gesperrt. US-Präsident Donald Trump hat einen internationalen Marineeinsatz zur Sicherung der für die internationale Ölversorgung wichtige Meerenge gefordert.
"Es ist nicht unser Krieg"
Pistorius sagte dazu, die USA und Israel hätten sich für den Angriff auf den Iran entschieden und drohten nun, Europa mit hineinzuziehen. "Was erwartet Donald Trump von einer Handvoll oder zwei Handvoll europäischer Fregatten dort in der Straße von Hormus zu leisten, was die machtvolle amerikanische Navy dort alleine nicht hinbekommen kann?" Um für einen Bundeswehreinsatz im Persischen Golf ein Bundestagsmandat einzuholen, sehe er "ganz klar keinerlei Veranlassung", sagte er. "Es ist nicht unser Krieg. Wir haben ihn nicht begonnen." Ähnlich hatten sich Politiker mehrerer Bundestagsparteien geäußert.
Pistorius verwies auf die Rolle der Bundeswehr bei der Sicherung der Nato-Ostflanke. "Wir tragen Verantwortung für das Nato-Territorium, das ist unsere erste Verantwortung", sagte Pistorius. Die Litauen-Brigade der Bundeswehr trage zur Sicherheit im Baltikum bei. Als größter Unterstützer der Ukraine im russischen Angriffskrieg unternehme Deutschland zudem entscheidende Anstrengungen.
Zur Frage einer Ausweitung der EU-Marinemission Eunavfor Aspides im Roten Meer für einen möglichen Marineeinsatz in der Straße von Hormus sagte Pistorius, dass dafür ein neuer Bundestagsbeschluss notwendig sei. Die Aspides-Mission sei räumlich klar begrenzt und sie sei vor dem Hintergrund der Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer beschlossen worden. Sie beziehe sich auch nicht "auf einen bereits stattfindenden militärischen Konflikt zwischen Staaten".
"Das, was im Persischen Golf stattfindet, ist ausgelöst durch den Angriff der Vereinigten Staaten von Amerika und Israels auf das verbrecherische Regime des Iran", sagte Pistorius. Das wiederum führe zur entsprechenden Gegenwehr der Iraner mit den Folgen für den Persischen Golf. "Das ist eine völlig andere geopolitische und militärische Lage als die, die zum Mandat Eunavfor Aspides geführt hat, und deswegen bräuchte es dafür sowohl ein anderes internationales Dach als auch einen Bundestagsbeschluss."

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