Schulbarometer: Mitbestimmung und Mobbing belasten Schülerwohlbefinden

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Deutsches Schulbarometer Wer mitentscheiden darf, fühlt sich in der Schule wohler

Nur wenige Kinder und Jugendliche empfinden die Schule als einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen. Das zeigt eine Befragung unter 8- bis 17-Jährigen. Zwei Probleme im Alltag: fehlende Mitbestimmung und Mobbing.

18.03.2026, 07.18 Uhr

Jugendliche auf dem Weg ins Schulgebäude
Jugendliche auf dem Weg ins Schulgebäude

Jugendliche auf dem Weg ins Schulgebäude

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Felix Kästle / dpa

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Im besten Fall ist die Schule ein Ort, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern an den Kinder und Jugendliche auch gern gehen. Doch das Deutsche Schulbarometer, eine Befragung unter 8- bis 17-Jährigen, zeigt: Das ist eher selten der Fall.

Nur 8 Prozent der Befragten erreichen demnach ein hohes schulisches Wohlbefinden. Um dieses zu ermitteln, wurden den Schülerinnen und Schülern sechs Fragen gestellt, unter anderem, ob sie mit den Lehrkräften zufrieden waren oder im Unterricht gut aufpassen konnten. 16 Prozent der Befragten fühlen sich den Ergebnissen zufolge in der Schule wenig wohl. Die restlichen gut 75 Prozent landen in Sachen Wohlbefinden im Mittelfeld.

Über das Deutsche Schulbarometer

Zum zweiten Mal nach 2024 hat die Robert Bosch Stiftung für das Deutsche Schulbarometer Kinder und Jugendliche befragen lassen. Ein wichtiger Punkt dabei: die mentale Gesundheit. Ein Viertel der Befragten gab an, sich psychisch belastet zu fühlen. 2024 waren es noch 21 Prozent. Damit habe die psychische Belastung weiter zugenommen, schreiben die Studienautoren. Kinder und Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten kamen auch besonders häufig auf ein geringes schulisches Wohlbefinden (43 Prozent).

»Auch wenn es dem Großteil der jungen Menschen in Deutschland gut geht, ist der erneute Anstieg der psychischen Belastung ein Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen«, sagt Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. Die Studie zeige aber auch, was helfen könne: »Wenn Lehrkräfte unterstützen und fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser. Guter Unterricht fördert also nicht nur den Lernerfolg, sondern stärkt ganz direkt das Wohlbefinden der Kinder.«

Schüler wünschen sich mehr Mitspracherecht

Einen Aspekt, den das Schulbarometer dazu in den Blick genommen hat, ist das Thema Mitbestimmung. Die Studienautoren deckten eine Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit auf: Während sich drei Viertel der Schülerinnen und Schüler mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschten, gaben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können. Selbst etablierte Gremien wie die Schülervertretung wurden von 43 Prozent der Befragten als wirkungslos eingeschätzt.

Dabei konnte die Studie einen klaren Zusammenhang belegen: Wer mitentscheiden darf, fühlt sich in der Schule wohler, so das Fazit.

»Echte Partizipation ist kein Beiwerk, sondern die Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule.«

Anna Gronostaj, Studienautorin

Dem Wunsch nach mehr Beteiligung steht eine deutlich andere Wahrnehmung der Lehrkräfte gegenüber: In einer früheren Befragung des Deutschen Schulbarometers von 2025 hielt mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (55 Prozent) die vorhandenen Mitbestimmungsmöglichkeiten für ausreichend.

Aus dieser Diskrepanz leitet Studienautorin Gronostaj klaren Handlungsbedarf ab: »Echte Partizipation ist kein Beiwerk, sondern die Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule«, sagt sie. Es brauche dringend mehr Dialog darüber zwischen Schülerschaft und Lehrkräften.

Weitere Erkenntnisse der Befragung:

  • Die soziale Herkunft ist ein entscheidender Faktor für die mentale Gesundheit: Kinder aus armen Familien berichteten überdurchschnittlich häufig von psychischer Belastung (31 Prozent) und geringem schulischem Wohlbefinden (29 Prozent).

  • Mobbing ist für viele Kinder und Jugendliche Alltag. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen gab in der Befragung an, mindestens einmal im Monat von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern schikaniert zu werden. Bei jeder und jedem Zehnten war das sogar wöchentlich oder täglich der Fall. Mobbing im direkten, persönlichen Kontakt werde häufiger erlebt als Cybermobbing, oft träten aber auch beide Formen in Kombination auf, schreiben die Studienautoren.

  • Hoher Leistungsdruck: 61 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu oder eher zu, dass an ihrer Schule viel verlangt wird. Fast die Hälfte gab an, auch am Wochenende für die Schule lernen zu müssen.

Dass die Anliegen von Schülerinnen und Schüler offenbar immer noch selten gehört werden, will Nordrhein-Westfalen nun ändern. Dort startet ein anonymes Feedback-Portal: Schülerinnen und Schüler können digital Fragen beantworten, etwa zu Sorgen und Belastungen, dem Umgang miteinander und zur demokratischen Teilhabe. Für Grundschüler gibt es 30 Fragen, für Schüler an weiterführenden Schulen 40 Fragen.

Bis zum 8. Mai können sich Schulen an dem Pilotprojekt beteiligen. Lehrkräfte und Schulleitungen erhalten anschließend digitale Ergebnisberichte, in denen die Rückmeldungen zusammengefasst sind – auch im Vergleich zu landesweiten Daten. Auf dieser Grundlage sollen Schulen und Aufsicht planen, wie sie das Wohlbefinden und die Leistungen der Schülerinnen und Schüler steigern können.

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