ranKfurter Sozialisation: Alltag in der Philosophenwerkstatt

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Montags Frege, Husserl und Cassirer. Dienstags in der Vorlesung frühe Faktizität und Geltung-Versionen, dann Diskussion. Warum nicht Franz Neumann? Warum nicht Kirchheimer? Am Mittwoch Repliken zum Historikerstreit. Abends Vortrag Donald Davidson, Objektivität der Welt und die zweite Person. Ist das noch Intentionalismus nach H. P. Grice, oder hat Rorty recht, und D. ist ein Pragmatist?

Montag früh im Büro, vollkommene Ruhe und Entspannung, Zigarette, Grundlagen der Arithmetik, handschriftliches Konzept der Vorlesung, die Psychologismuskritik am Ende des 19. Jahrhunderts, ihre Aporien. Der Umweltminister ruft an. Briefwechsel mit schwierigen Leuten. Seminar mit Karl-Otto Apel, J.H. wieder nicht zu Wort gekommen. Auf dem Flur schlurft Geuss vorbei. Alex Karp klopft an, wird aber nicht zum Kolloquium vorgelassen. Abends Empfang beim Verlag, Gästebuch. ‚In the shadow of great philosophers. J. H.‘ ‚Always in the shadow. U. H.-W.‘

Verbreitet ist die Zwei-Hüte-Theorie vom Wissenschaftler und öffentlichen Intellektuellen, von der Experten- und Bürgerperspektive, mit ihren jeweiligen Ansprüchen und Begrenzungen, der säuberlichen Unterscheidung ihrer jeweiligen Autorität. Manche folgen ihr bis in die dualistische Interpretation der Buchdeckel und -serien. Aus der subjektiven Sicht einer Frankfurter Sozialisation dagegen: ständige Perspektivenwechsel, stets derselbe Akteur. Habermas, always different, always the same.

Peter Niesen lehrt Politische Theorie an der Universität Hamburg.

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