Prozess gegen Mafiaexperten: Freispruch für Roberto Saviano

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Nach drei Jahren Prozess ist am Freitag in Rom das Strafverfahren gegen den italienischen Mafia-Experten und Schriftsteller Roberto Saviano wegen Verleumdung mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Saviano hatte sich vor Gericht verantworten müssen, weil er 2018 den Chef der rechtspopulistischen Lega-Partei, Matteo Salvini, auf Social Media als „Minister der Unterwelt“ bezeichnet hatte. Er zitierte damit den berühmten Ausspruch, mit dem der italienische Politiker Gaetano Salvemini den mehrfachen Ministerpräsidenten Giovanni Giolitti im Jahr 1910 kritisiert hatte.

Für Salvinis Wahlkampf instrumentalisiert

In dem kleinen, dem 1992 ermordeten Richter Paolo Borsellino gewidmeten Gerichtssaal erinnerte Savianos Rechtsanwalt Antonio Nobile in seinem Plädoyer daran, dass der Streit zwischen Saviano und Salvini, damals Innenminister der Regierung Conte, während des Wahlkampfs zur Parlamentswahl 2018 entstanden war. Salvini hatte damals gegenüber seinen Anhängern die Idee ins Spiel gebracht, dem Schriftsteller, der seit 2006 wegen Todesdrohungen der Camorra unter Personenschutz steht, die Leibwächter zu entziehen. Daraus entstand der Streit, der in Savianos Äußerung mündete.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt für den Angeklagten eine Geldstrafe von 10.000 Euro beantragt, während die Zivilpartei, die Salvini vertrat, das Zehnfache forderte. Saviano kommentierte den Freispruch mit der Bemerkung, er sei von Salvini verfolgt und von ihm für seinen Wahlkampf instrumentalisiert worden. Salvini, der in der Regierung Meloni das Amt des Ministers für Struktur und Verkehr bekleidet, sprach hingegen von „ideologisch voreingenommenen Richtern“ und erklärte, er beabsichtige, Saviano erneut zu verklagen.

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