Pete Hegseth und „Pulp Fiction“: Der Kreuzritter spricht – und blamiert sich

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Pete Hegseth hat einen Hang zum Erfinderischen. Bereits seine Stilisierung als „Kriegsminister“, die sich mit dem Selbstbild eines modernen Kreuzritters vermischt – auf der Brust ein Tattoo eines Jerusalemkreuzes, auf dem Arm eins mit dem Schriftzug „Deus vult“ (Gott will es), beides Symbole der Kreuzritter –, lässt schon ahnen, dass er nicht ohne religiöse Grundierung in den Kampf zieht. So darf einen nicht wundern, dass Hegseth bei einem im Pentagon veranstalteten Gebetszirkel für die Truppen des „Holy War“ in Iran eine neue Dimension seiner Referenzwelt offenlegte.

Hegseth gab vor, im Gebet für die Such- und Rettungsaktion für den in den iranischen Bergen abgestürzten Air-Force-Piloten einen Bibelvers zum Besten zu geben, namentlich den alttestamentarischen Hesekiel 25,17. Versatzstücke aus dem Vers hatte seine Performance, doch erwies sie eine noch viel größere Nähe zu einem Monolog in Quentin Tarantinos Kultfilm und Gewaltorgie „Pulp Fiction“, vorgetragen von Samuel L. Jackson in der Rolle des Auftragsmörders Jules Winnfield. Während der Hesekiel-Vers vergleichsweise kurz ist („. . . ich werde große Rache an ihnen üben . . . und sie sollen erkennen, dass ich der Herr bin“), trug Hegseth eine ausgeschmückte Version vor, die ebenjene freie Interpretation des Bibelverses durch den Tarantino-Killer ist.

Nun heben viele Kommentatoren die Peinlichkeit hervor, dass der angeblich so fromme Kriegsminister wohl doch lieber Filme schaut, als in der Bibel zu lesen. Doch anstatt Hegseth für die fehlende Bibelfestigkeit zu hämen, zeigt sich an dem Vorfall vielleicht etwas anderes: Ob die Filmfigur eines Klassikers, der zynisch-postmodern mit einer Kultur der Gewalt spielt, oder ob ein Bezug zur Bibel, der Rache motiviert – was für Hegseth und die Trump-Regierung zählt, ist, aus Versatzstücken eine Kultur der Gewalt immer weiter zu nähren. Das Pentagon zierte sich nicht, die Herkunft des Zitats zu bestätigen. Für die Journalisten hat Hegseth auch eine biblische Anspielung parat. Er nennt sie „Pharisäer“.

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