Die Lage am Morgen So setzt Trump die Nato-Verbündeten unter Druck
Heute geht es um die Folgen des Irankriegs für die Nato. Um eine drohende, groß angelegte Bodenoffensive Israels im Libanon. Und um einen bemerkenswerten Agentenprozess.
17.03.2026, 05.36 Uhr
Der Irankrieg wird zum Nato-Problem
Wenn US-Präsident Donald Trump nicht bekommt, was er will, kann er bekanntermaßen unangenehm werden. Dass jetzt viele Verbündete seiner Bitte nicht nachkommen wollen, die Straße von Hormus mit Kriegsschiffen zu sichern, hat den US-Präsidenten schwer verärgert. Er wirft ihnen Undankbarkeit vor. »Es sind zum Teil Länder, denen wir seit vielen, vielen Jahren geholfen haben. Wir haben sie vor schrecklichen Gefahren von außen beschützt«, beschwerte sich Trump gestern.
US-Präsident Trump im Oval Office: »Vor schrecklichen Gefahren beschützt«
Foto: Julia Demaree Nikhinson / APUnter anderem Deutschland ist sehr klar in seiner Ablehnung (mehr hier ). »Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen«, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einer Pressekonferenz und wurde damit international breit zitiert. Auch Merz äußerte sich deutlich: »Zu jedem Zeitpunkt war klar: Dieser Krieg ist nicht Angelegenheit der Nato.«
Es ist gut, dass Deutschland und die Europäer sich nicht in Trumps Irankrieg hineinziehen lassen wollen. Doch für die Nato könnte das noch zu einem ernsten Problem werden. Beim letzten Nato-Gipfel hatten die Europäer den USA mühsam eine Bekräftigung ihrer Sicherheitsgarantie abgerungen – im Gegenzug versprachen sie, künftig fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in Verteidigung zu investieren.
Wenn Trump jetzt behaupten kann, die Europäer würden den USA in Not nicht helfen, interessieren ihn seine Zusagen künftig womöglich noch weniger.
Mehr Hintergründe: Darum legt sich Berlin mit Trump an
Kriegsschauplatz Libanon
In der Bundesregierung ist die Sorge groß, Israel könnte im Libanon eine groß angelegte Bodenoffensive starten. »Es wäre ein Fehler«, sagte Merz gestern.
Israelisches Bombardement im Südlibanon: Ein zweites Gaza?
Foto: AFPIsrael hatte seine Angriffe im Südlibanon nach dem 2. März massiv ausgeweitet, weil sich die Hisbollah-Miliz am Irankrieg beteiligt und aus dem Libanon heraus Israel angegriffen hat. Hunderttausende sind innerhalb des Libanon geflohen. Nun wächst die Angst, Israel könnte versuchen, den Süden des Landes in eine Art zweites Gaza zu verwandeln. (Alle Entwicklungen zum Irankrieg finden Sie hier in der Liveanalyse.)
Der Libanon, so beschreibt es mein Kollege Christoph Reuter, hat jetzt zwei Möglichkeiten: Sich selbst der Hisbollah entgegenzustellen und damit womöglich einen Bürgerkrieg auszulösen. Oder zuzusehen, wie Israel den Süden des Landes bombardiert und besetzt.
»Die Zeichen stehen auf Sturm«, schreibt mein Kollege. Es sind besorgniserregende Aussichten.
Die ganze Analyse hier: Libanon steht vor einer brutalen Wahl
Nützliche Idioten im Dienste Moskaus
Heute beginnt in Stuttgart ein bemerkenswerter Prozess. Auf der Anklagebank sitzen drei Ukrainer, die im vergangenen Jahr im Auftrag des russischen Geheimdienstes zwei Pakete mit GPS-Trackern in Richtung Ukraine versandt haben sollen. Ihr Ziel war offenbar, zunächst Versandrouten und Transportabläufe bei einem ukrainischen Paketdienstleister auszuforschen. Später hätten die Angeklagten Pakete mit Brandsätzen aufgeben sollen, die in der Ukraine möglichst großen Schaden angerichtet hätten.
Oberlandesgericht Stuttgart-Stammheim: Neues Phänomen
Foto: Bernd Weißbrod / dpaDazu kam es nicht. Interessant ist der Prozess, weil er erstmals das eher neue Phänomen sogenannter Wegwerf-Agenten ausleuchtet. »Zu Zeiten des Kalten Krieges wurden Spione noch mühevoll über Jahre ausgebildet und mit aufwendigen Legenden ausgestattet«, sagt mein Kollege und Investigativ-Reporter Sven Röbel. »Heutzutage erreichen die Russen das mit einem Bruchteil des Arbeitsaufwandes.«
Über das Internet rekrutieren russische Geheimdienste vorwiegend junge Männer, die Aufgaben gegen Geld erledigen und oft noch nicht einmal wissen, wer ihre Auftraggeber sind. »Entsprechend wenig können sie ausplaudern, wenn sie auffliegen«, sagt Sven (mehr zu Russlands heimlichen Helfern in Deutschland hier ).
Für die Strippenzieher im Hintergrund sind solche Agenten vor allem eins: nützliche Idioten. Wenn sie verurteilt werden, ist das ihren Führungsoffizieren herzlich egal. Dann werden einfach neue angeheuert.
Mehr Hintergründe hier: Bundesanwaltschaft klagt mutmaßliche Spione Moskaus an
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Verlierer des Tages…
… ist die Linke. Eigentlich läuft es nicht schlecht für die Partei – in bundesweiten Umfragen liegt sie stabil bei um die zehn Prozent. Doch jetzt bricht erneut ein Antisemitismusstreit aus. Am Wochenende hatte die niedersächsische Linke auf ihrem Landesparteitag einen propalästinensischen Antrag verabschiedet, der Israel eine zionistische Ideologie und »Ethnonationalismus« unterstellt.
Linkenpolitiker Ramelow: Warnung vor einer Sekte
Foto:dts Nachrichtenagentur / IMAGO
Prominente Linke sind entsetzt. Der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow sagt, die Linke müsse aufpassen, von einer politisch wirksamen Partei nicht zu einer Sekte zu werden. Der frühere parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jan Korte, spricht von einem »massiven Antisemitismusproblem« seiner Partei.
»Der Konflikt bricht für die Linken zur Unzeit aus«, sagt meine Kollegin und Linken-Berichterstatterin Anna Reimann. »Gerade hat die Partei den Einzug in den Landtag in Baden-Württemberg verpasst. Am Wochenende muss die Partei bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz fürchten, auch dort die Fünfprozenthürde zu verfehlen.«
Für die Parteiführung in Berlin, die die Linke auf junge, progressive Städter ausrichten will, wäre das ein massiver Dämpfer.
Mehr Hintergründe: Führende Linke kritisieren massives Antisemitismusproblem in der Partei
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
US-Richter stoppt Impfvorgaben der Trump-Regierung: Robert F. Kennedy Jr. gilt als Impfskeptiker – und will als US-Gesundheitsminister weniger Immunisierungen bei Kindern erlauben. Damit ist er nun vor Gericht gescheitert. Der Richter wurde in seiner Begründung ungewohnt deutlich.
Russland sieht Anrainer in der Pflicht: Ein russischer Tanker treibt führerlos im Mittelmeer in Richtung Malta. Es droht eine Umweltkatastrophe. Moskau sieht die Schuld bei der Ukraine – und keinen Grund, selbst aktiv zu werden.
»Der FDP geht es schlecht«: Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht ihre Partei in einem besorgniserregenden Zustand. Trotzdem hält sie sich bedeckt bei der Frage, ob sie die Führung der taumelnden Partei übernehmen will.
Heute bei SPIEGEL Extra: »Wenn es beim Winken schwabbelt, liegt das am Fett«
Alina Hvostikova / Stocksy
Ein Bizeps wie ein Berg – dafür gehen viele ins Gym. Doch nicht nur fürs Aussehen braucht man starke Arme, erklärt Sportwissenschaftler Manuel Matzka. Er weiß, was gegen Oberarme wie Pudding hilft .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Maria Fiedler, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

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