Deutschland und vier weitere westliche Staaten fordern Israel auf, auf eine große Bodenoffensive im Libanon zu verzichten. Die humanitären Folgen wären "verheerend".
16. März 2026, 23:06 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa, jse
Deutschland und vier weitere westliche Staaten fordern Israel in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, von einer Bodenoffensive im Libanon abzusehen. "Eine signifikante israelische Bodenoffensive hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen. Dies gilt es abzuwenden", hieß es in einer Stellungnahme der Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Kanadas und Großbritanniens.
"Wir sind zutiefst besorgt über die eskalierende Gewalt im Libanon und rufen Israel und den Libanon zu konstruktiven Bemühungen um eine nachhaltige politische Lösung auf", hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme der fünf Länder. "Wir unterstützen nachdrücklich Initiativen für Gespräche und fordern dringend eine sofortige Deeskalation."
Fünf Länder verurteilen israelische Angriffe auf Zivilbevölkerung
Die Entscheidung der Hisbollah, sich seit Beginn des Irankriegs den iranischen Angriffen auf Israel anzuschließen, gefährde "den Frieden und die Sicherheit in der Region", hieß es vonseiten der westlichen Verbündeten weiter. Man verurteile sowohl die Angriffe der Hisbollah auf Israel als auch die Angriffe, die sich gegen die Zivilbevölkerung, medizinisches Personal und die UN-Mission im Libanon richteten. Die fünf Länder bekräftigten außerdem ihre Forderung nach einer Entwaffnung der Hisbollah.
Nach dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar hatte die vom Iran finanzierte Hisbollah den Norden Israels mehrfach beschossen. Die israelische Armee griff daraufhin Ziele im Libanon an, insbesondere in Gebieten, in denen die Hisbollah-Miliz besonders stark vertreten ist. Dazu zählen der Süden des Landes, die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut und die ostlibanesische Bekaa-Ebene.
Israelische Regierungsmitglieder drohen mit ähnlichem Vorgehen wie in Gaza
Die Ankündigung einer israelischen Bodenoffensive im Südlibanon schürte bei Hunderttausenden vertriebenen Libanesen zuletzt Angst vor einer Besatzung. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte in einer Stellungnahme bereits an, dass Hunderttausende bereits vertriebene Einwohner im Südlibanon nicht in die Gebiete zurückkehren könnten, "bis die Sicherheit der Bewohner im Norden gewährleistet ist". Premierminister Benjamin Netanjahu und er hätten die israelische Armee angewiesen, "die Terrorinfrastruktur in den Kontaktdörfern nahe der Grenze im Libanon zu zerstören", hieß es in der Stellungnahme von Katz weiter, "genau wie es gegen die Hamas in Rafah, Beit Hanoun und bei den Terrortunneln in Gaza" geschehen sei.
"Wir werden das tun, was wir in Gaza getan haben", hatte auch ein hochrangiger israelischer Beamter am Wochenende gegenüber der US-Nachrichtenseite Axios über die angekündigte Bodenoffensive gesagt. Er bezog sich dabei auf die Zerstörung von Gebäuden und Tunneln, die die Hisbollah zur Lagerung ihrer Waffen und zur Durchführung von Angriffen nutzt. Ein erklärtes Ziel sei unter anderem, "Gebiete zu erobern".
Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei den israelischen Angriffen auf den Libanon seit dem Beginn des Krieges im Iran bereits 886 Menschen getötet und mehr als 2.100 weitere verletzt. Mehr als eine Million Menschen seien seit dem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon vertrieben worden, hieß es vonseiten der libanesischen Behörden.

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