Leseempfehlungen der Woche: Muss sich Deutschland am Krieg im Iran beteiligen?

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dieser Wunsch von Donald Trump hat das Potenzial, Europa wieder auf die Probe zu stellen. Der US-Präsident hat gefordert, dass „viele Länder“ Kriegsschiffe in die Straße von Hormus schicken, um den Schiffsverkehr zu sichern. Vor allem jene Staaten, die von der Blockade betroffen sind. Er nannte Großbritannien, Frankreich und „andere Länder“.

Natürlich gehört auch Deutschland dazu, wenn es um die Frage geht, wer darunter leidet, dass es faktisch keine Schiffe mehr gibt, die diese für den Welthandel so wichtige Meerenge passieren. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in Nahost sind für ganz Europa, aber auch für Asien und Amerika selbst deutlich zu spüren. Die Energiepreise steigen massiv an.

Gerade für Deutschland ist die Lage sehr heikel. Seit Jahren stagniert die wirtschaftliche Entwicklung, dabei hatte die Bundesregierung die Hoffnung, dass es in diesem Jahr aufwärts geht. Zarte Signale dafür gab es – bis der Krieg im Iran ausbrach. Doch sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) haben erklärt, dass es keine deutsche Beteiligung am Krieg geben werde.

Wie lange diese Position haltbar ist, wird auch davon abhängen, wie lange der Krieg noch gehen wird. Trumps Ankündigungen, dass er bald vorbei sei, wird man bisher kaum glauben können. Je länger er dauert, umso verheerender können auch die wirtschaftlichen Folgen für Europa sein. Damit steigt der Druck, selbst dafür zu sorgen, dass Schiffe die Meerenge wieder passieren können, um so die ökonomischen Folgen zu mindern.

Die Gefahr aber, sich in einen langen militärischen Konflikt zu begeben, ist groß. Die Gefahr einer weiteren transatlantischen Spaltung bei einer Weigerung der Unterstützung ebenfalls. Ob innerhalb der Europäischen Union auf längere Sicht alle gleich auf das Thema schauen werden, ist ebenfalls ungewiss.

Dieser Vorgang zeigt, wie eng die ökonomischen Systeme weltweit miteinander verwoben sind. Aber auch, wie die geopolitischen Entscheidungen alle miteinander zusammenhängen.

Um die großen geopolitischen Fragen, aber auch um die Frage, wie Europa mehr Eigenständigkeit und Kraft bekommen kann, wird es auch auf unserer Konferenz „Europe 2026“ gehen, einer gemeinsamen Initiative von „Zeit“, „Handelsblatt“, „Tagesspiegel“ und „Wirtschaftswoche“. Die Konferenz wird Dienstag und Mittwoch in Berlin stattfinden. Persönlich freue ich mich, zusammen mit meiner Kollegin Anja Wehler-Schöck ein Doppelinterview mit dem deutschen und dem französischen Außenminister auf der Bühne führen zu können. Mehr Informationen zur Konferenz und wie Sie sie verfolgen können, finden Sie hier.

Am vergangenen Donnerstag haben Anja Wehler-Schöck und ich bereits beim Tagesspiegel-Hauptstadtgespräch im Deutschen Theater in Berlin die Fragen nach der neuen Weltordnung mit renommierten Expertinnen und Experten diskutieren können. Sie können den Talk hier noch mal ansehen.

Ich wünsche Ihnen jetzt aber erst mal einen schönen Sonntag und viel Lesevergnügen mit meinen Empfehlungen der Woche.

LESEEMPFEHLUNGEN DER WOCHE

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