Frieden predigen, Unrecht verschweigen: Die Kirchen versagen im Nahostkonflikt

vor 2 Tage 4

Die großen christlichen Kirchen in Deutschland – kein Wunder, dass ihre Stimmen verhallen. Weitgehend ungehört. Denn unerhört ist ihre Haltung, und zwar die zu offensichtlichem Unrecht.

Gemeint ist dieses Mal nicht der Umgang mit Missbrauch in den Kirchen; den Skandal habe sie beide, evangelische wie katholische, noch lange nicht bewältigt.

Nein, es ist die Haltung zum Nahen Osten, zu dem, was im „Heiligen Land“, wie sie es nennen, geschieht. Wobei: Haltung ist das falsche Wort. Das setzt ja eine voraus.

Anstatt sich mit den tieferen Ursachen vertieft auseinanderzusetzen, bleibt alles Gesagte an der Oberfläche.

Rituale, Rituale: der Ruf nach „Deeskalation“, nach Dialog, nach Verhandlungen, die Warnung vor einer Spirale der Gewalt.

Und an wen richtet sich das? Man weiß es nicht, man ahnt es nur: an die Israelis. Die Mullahs hören ihnen ohnehin nicht zu. So einseitig wird daraus aber noch lange keine Friedensethik.

Was nutzen hehre Grundsatzworte, wie sie die Kirchen vorgelegt haben, wenn die nicht in die Realität übersetzt werden? Das ist ihre Wirklichkeit: Sie kommen der Politik von der hohen Warte der Christlichkeit, stellen sich aber nicht ihren inneren Widersprüchen. Geschweige denn, dass sie die auflösen.

Friedensethik ist aber nicht nur Wortgeklingel. Das eigene Gewissen beruhigen, wo doch die Realität eine andere Sprache spricht:

Das eigene Gewissen beruhigen, wo doch die Realität eine andere Sprache spricht: Das ist nicht verantwortungsvoll, das ist armselig.

Stephan-Andreas Casdorff

Das ist nicht verantwortungsvoll, das ist armselig. Friedensethik erfordert auch den Mut, sich aktiv mit der Realität auseinanderzusetzen.

Das Regime ist islamistisch-theokratisch

Die ist klar. Eigentlich. 47 Jahre iranischer Geschichte: Ein islamistisch-theokratisches Regime, das seine eigene Bevölkerung unterdrückt, freie Wahlen verhindert, die Presse kontrolliert, Frauen entrechtet, Dissidenten foltert, Homosexuelle verfolgt, Menschen öffentlich hinrichtet, religiöse Minderheiten diskriminiert, jede Form politischer Freiheit brutal unterdrückt.

Das Regime lebt davon und dafür, den Staat der Juden zu vernichten – die Staatsräson der Mullahs. Wem das bis jetzt nicht die Augen öffnet …

Verhandeln? Dialog führen? Worüber, mit wem? Und mit welcher Verlässlichkeit? Wer daran glaubt, dass es hier zwei gleichberechtigte Seiten gibt, ist ignorant. Nicht wissen wollen, nicht sehen wollen, ist keine lässliche politische Sünde.

Deutsche Kirchenleitungen warnen vor einer Eskalation – die Jahrzehnte stattfindet: vom Iran. Mit Kriegen an vielen Fronten, durch Hamas, Hisbollah, Huthis, schiitische Milizen in Syrien und im Irak, allesamt finanziert, bewaffnet, trainiert vom Mullahregime.

Eine historische Chance

Pazifismus hilft nicht im Überlebenskampf. Das Mullahregime will nicht mit Israel reden, will keinen Dialog, keinen Kompromiss. Will Eskalation, nicht Deeskalation.

Das iranische Volk will anderes: eine historische Chance. Auf Freiheit, ein Ende der Bevormundung, Frieden. Mit diesen Menschen muss der Westen, müssen die Kirchen das Bündnis suchen. Tun sie es? Sprechen sie darüber?

Weit gefehlt. Beklagt wird Krieg – nicht Befreiung. Beklagt wird Gewalt – und nichts getan, um eine Öffnung zu unterstützen. Und sei es mit Worten. Von wegen Neutralität in der Humanität: Frieden predigen, ohne die Feinde des Friedens zu benennen, ist unmoralisch. Unpolitisch außerdem: Frieden kommt nie von allein. Dialog ist kein Selbstzweck.

Die großen Kirchen in Deutschland verpassen wieder einmal die Chance, ihre Relevanz im wirklichen Leben zu beweisen.

Die Bibel hat doch recht, im Epheserbrief: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen. Sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“

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