Die Holocaust-Überlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees, Eva Umlauf, wirft der ARD einen beschämenden Umgang mit dem Film „Führer und Verführer“ des Regisseurs Joachim A. Lang vor. Diesen im linearen Programm am 25. Januar erst zu der späten Sendezeit um 23.35 Uhr bis nachts um zwei zu zeigen, sei eine „Schande“ und ein „Skandal“, heißt es in einem Schreiben Umlaufs an die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl.
Eva Umlauf: „Angesichts des starken Antisemitismus und der Gefährdungen für die Demokratie in Deutschland“ eine „Schande“.
An dem Film, schreibt Eva Umlauf, hätten sieben Überlebende der Schoa mitgewirkt. Neben ihr seien dies Leon Weintraub, die im Mai vergangenen Jahres verstorbene Margot Friedländer, Charlotte Knobloch, Eva Szepesi, Ernst Grube und Elly Gotz. Der Film sei „unter großem Beifall“ in Auschwitz, Yad Vashem, dem National Center for Jewish Film in den USA, auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos in Warschau und in Synagogen gezeigt worden. Charlotte Knobloch habe den Film als „Meisterwerk“ bezeichnet, Margot Friedländer nannte ihn unverzichtbar. Umso unverständlicher erscheine es ihr, so Eva Umlauf, dass die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl auf die Kritik des historischen Beraters des Films, Thomas Weber, an der Platzierung im Programm nicht eingehe.
Eva Umlauf ist Holocaust-Überlebende und Präsidentin des Auschwitz-Komitees.dpaDies sei auch „angesichts des starken Antisemitismus und der Gefährdungen für die Demokratie in Deutschland“ eine „Schande“. Sie habe den Eindruck, der Programmdirektorin sei „die Gefahr der Wiederkehr der Geschichte und die Zukunft der Demokratie nicht so wichtig. Vermutlich erscheint es gerade nicht opportun, sich für jüdische Menschen zu engagieren. Das ist ein Skandal!“ Die sei eine „Ohrfeige für die Schoa-Überlebenden“. Die besseren Sendeplätze habe die ARD offenbar für „ihre verschiedenen Krimi-Serien reserviert“.
ARD: „Antisemitismus auch in seiner heutigen Erscheinungsform sichtbar machen“
Die ARD-Programmdirektion teilte auf Anfrage der F.A.Z. mit, man nehme den Brief der Holocaust-Überlebenden Eva Umlauf „mit großem Respekt zur Kenntnis. Gerade vor dem Hintergrund der aktuell aufgeheizten gesellschaftlichen Debatten halten wir es für unerlässlich, dem zunehmenden Antisemitismus nicht allein mit dem Verweis auf die Geschichte und historischen Filmen zu begegnen, sondern ihn auch in seiner heutigen Erscheinungsform sichtbar zu machen.“ Daher wolle man „ein umfassendes publizistisches Angebot zu diesem Thema“ anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar schaffen, „das eine möglichst breite Zielgruppe erreicht und zur Auseinandersetzung anregt“. Deshalb gebe es – „schon länger geplant“ – am 27. Januar um 20.15 Uhr ein „ARD extra“, in dessen Mittelpunkt „Jüdinnen und Juden sowie ihr Umgang mit wachsendem Antisemitismus heute“ stünden. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werde zum Interview erwartet. Zudem übertrage die ARD die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am 28. Januar live. In der ARD-Mediathek finde sich „ein umfangreiches Begleitangebot“ mit den Dokumentationen „Jerry Lewis – From Darkness to Light“, „Verfolgt: Die sieben Leben des Dany Dattel“, „Zug ins Leben“ und eben dem Spielfilm „Führer und Verführer“, der vom 25. Januar an verfügbar sei.
Der Film von Joachim A. Lang, den der Südwestrundfunk mitproduzierte, arbeitet mit dokumentarischen und gespielten Szenen. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Vernichtungspropaganda des NS-Regimes und mit dem Dreiecksverhältnis zwischen Adolf Hitler, Joseph Goebbels und dessen Ehefrau Magda. „Führer und Verführer“ feierte im Juli 2024 auf dem Filmfest München seine Premiere und lief anschließend im Kino. Die Kritiken fielen in Deutschland seinerzeit gemischt aus, die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zeichnete den Film mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ aus.

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