Es gab viele Fragen und Kritik, als der neue Intendant Aviel Cahn sich am Dienstag bei der Pressekonferenz der Deutschen Oper Berlin vorstellte. Und ein komplettes Redesign von Oper und Programm gleich mit. Journalisten beschwerten sich: Wieso Mozart? Das kann die Staatsoper doch besser! Warum kaum große Gesang-Stars? Und nur drei neue klassische Opern in der ersten Saison? Aber eins wurde nur hinter vorgehaltener Hand gefragt: Sieht das neue Logo nicht genauso aus wie das der „Bild“-Zeitung? Weiße Lettern auf knalligem Rot?
Sieht das neue Logo nicht genauso aus wie das der „Bild“-Zeitung? Weiße Lettern auf knalligem Rot?Picture AllianceVielleicht war das aber auch die Absicht des Kunstsammlers und Kommunikationsdesigners Christian Boros, dessen Agentur den Auftritt gestaltete: Diese Oper will wieder mitten unters Volk. „Make Love“ ist das hippieske Motto der ersten Saison, die Sparte für kleinere Produktionen heißt neuerdings „Unlimited“, und eine Pariser Illustratorin hat lustige kleine Icons für verschiedene Themen beigesteuert, online auch animiert. Wenn es um Wagners „Fliegenden Holländer“ geht, versinkt da eben ein Schiff mit großen Augen in drei gezeichneten Wellen. Man könnte also sagen: Cahn macht alles neu und anders.
Überall gefeiert und mit Preisen überhäuft
Der erst 51 Jahre alte Schweizer Jurist und Sänger wirkte schon in Helsinki, Bern, Antwerpen und zuletzt am Grand Théâtre de Genève – er wurde überall gefeiert und mit Preisen überhäuft. In Berlin folgt er auf Dietmar Schwarz, der auf 13 solide und innovative Jahre zurückblickt. Auch der Generalmusikdirektor Donald Runnicles geht.
Der schottische Dirigent hatte etwas schwache Phasen in der Mitte seiner Berliner Zeit, war aber zuletzt in Höchstform. An dem Wagner-Ring aus den Jahren 2020/21 wurde manchmal Stefan Herheims Regie kritisiert, nie aber Pult oder Orchester. Es folgten drei gefeierte Opern von Richard Strauss, dann „Tristan und Isolde“, Verdis „Don Carlos“. Die Deutsche Oper Berlin ist fest etabliert als Haus der großen Opernklassiker, Fans aus der ganzen Welt reisen zu den Premieren an.
Cahn beginnt nun und lässt vier Hubschrauber in Brandenburg aufsteigen – für Karlheinz Stockhausen, dessen Oper „Mittwoch aus Licht“ im September das Programm eröffnet. Vier Streichstimmen, je in einem Hubschrauber, werden einmal aufgenommen und bei den Aufführungen zugespielt. Es folgen Mozarts „Così fan tutte“ und Verdis „Otello“.
Einen neuen Chefdirigenten gibt es nicht, sondern ein Triumvirat (alles Männer). Der trendige Regisseur Milo Rau will Wagners „Holländer“ als Antisemitismus-Geschichte erzählen. Es soll enge Kooperationen mit der Kunstszene geben, zum Start ein Wochenende mit Clubmusik im Foyer. Auf der Website hat das Boros-Design mehr Farben als nur das Boulevard-Rot. Das immerhin müsste Cahn zum Prinzip machen: Was zuerst seltsam wirkt, könnte am Ende vielschichtiger werden.

vor 2 Stunden
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