Christina Block: Mutmaßlicher Entführer bezichtigt Unternehmerin, die Unwahrheit zu sagen

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Er soll die Block-Kinder auf eigene Faust in Dänemark verschleppt haben, sagt die Unternehmerin Christina Block. Doch der Chef eines Sicherheitsunternehmens beteuert, dass Block sehr wohl über das Vorgehen informiert war.

20.01.2026, 17.04 Uhr

Christina Block vor dem Landgericht Hamburg

Christina Block vor dem Landgericht Hamburg

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Georg Wendt / AFP

Im Prozess um die Entführung zweier Kinder von Christina Block hat der mutmaßliche Haupttäter der Unternehmerin vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen. »Ich sage, dass Frau Block leider nicht die Wahrheit sagt«, sagte der Chef eines israelischen Sicherheitsunternehmens laut Übersetzung aus dem Englischen als Zeuge vor dem Landgericht Hamburg. Dieser soll die Entführung der beiden jüngsten Block-Kinder organisiert und ausgeführt haben.

Sie sei sehr wohl über die Möglichkeit informiert gewesen, die Kinder vom Vater aus Dänemark mit einem Auto zurück zu ihr nach Deutschland zu bringen, berichtete der 68-Jährige. Ihr sei dabei wichtig gewesen, dass den Kindern nichts über den Kopf gezogen werde. Christina Block hatte zuvor ausgesagt, die mutmaßliche Tat sei ohne ihr Wissen ausgeführt worden .

Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch in Dänemark im August 2021 nicht zurückgebracht. Es folgte ein jahrelanger, erbitterter Sorgerechtsstreit. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette »Block House«, Eugen Block, ist angeklagt, schließlich die Entführung ihrer Kinder in der Silvesternacht 2023/24 nach Deutschland beauftragt zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Sie habe Kontakt zu der israelischen Firma gehabt, hatte die 52-Jährige im Gerichtssaal ausgesagt. Dieses Unternehmen sei aber ausschließlich zur Überprüfung der Cybersicherheit des zur Block-Gruppe gehörenden Elysée-Hotels angeworben worden und handelte ihr zufolge bei der Rückholaktion auf eigene Faust.

Der Zeuge ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis vor einigen Wochen mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage sicherten ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu. Der Mann gehört aber nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten im aktuellen Prozess. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.

Geheimes Mobiltelefon

Bis auf die Tatsache, dass die Kinder mit einem Auto nach Deutschland gebracht werden müssten, seien keine weiteren Einzelheiten des Plans mit Block geteilt worden, sagte der 68-Jährige. »Das einzige Detail war die Art, wie wir kommunizieren würden, im Fall, dass es getan wird.« Dabei sei vereinbart worden, dass dann ein Mobiltelefon in einem Hotelzimmer bereitliege.

In den Gesprächen mit Block über eine Rückholung sei das Wort Entführung nie benutzt worden. Dieser Begriff sei nur gefallen, um zu beschreiben, was Hensel getan habe, als er die Kinder 2021 nach einem Besuch bei ihm in Dänemark nicht zurückgebracht habe, erklärte der Zeuge.

Es sei ihm bei der Planung klar gewesen, dass es einen kurzen »schrecklichen Moment« für die Kinder geben würde, wenn sie nachts weg von ihrem Vater zu einem Auto gebracht werden, und »bevor sie mit ihrer Mama zusammentreffen«, sagte der Zeuge. Doch Christina Block habe zuvor die Befürchtung geäußert, dass Hensel »die Kinder nimmt und verschwindet und dass sie die Kinder nie wieder sieht«. In dieser Abwägung habe er den kurzen Moment des Leidens für vertretbar gehalten.

Als die Kinder dann tatsächlich im Auto waren, seien sie aber »absolut unglücklich« gewesen und hätten geschrien. »Ich stimme dem zu, dass das angesehen werden könnte als Anwendung von Gewalt«, sagte der Zeuge.

Er betonte, dass er sein Team vorher angewiesen habe, gegenüber den Kindern keine Gewalt anzuwenden. Klar sei hingegen gewesen, dass der Vater während der Aktion außer Gefecht gesetzt werden müsse. Dazu habe er Kampfsportler ausgewählt, die Hensel »immobilisieren« sollten. Weil Hensel bei der Entführung laut Anklage geschlagen und verletzt wurde, nimmt er an dem Prozess als Nebenkläger teil.

»Ich habe angeboten, Herrn Hensel für die Zeit zu bezahlen, die die Kinder bei ihm waren«

In den Monaten vor der Entführung versuchte der Zeuge eigenen Angaben zufolge, eine gütliche Einigung zwischen den zerstrittenen Ex-Ehepartnern zu erreichen. Er habe einen Elf-Punkte-Plan vorgelegt, der auch eine hohe Geldzahlung an den Vater Stephan Hensel beinhaltet habe, sagte der Zeuge.

»Ich habe angeboten, Herrn Hensel für die Zeit zu bezahlen, die die Kinder bei ihm waren – und zwar rückwirkend«, sagte der 68-Jährige laut Übersetzung. In seinem Notizbuch findet sich der Vermerk »100.000 Dollar«.

Er habe den mitangeklagten Familienanwalt der Blocks gebeten, Hensel den Plan für eine Einigung zu unterbreiten, sagte der Geschäftsmann. »Ich wollte, dass sich die Eltern damit einverstanden erklären.« Der Anwalt habe bei seinem Besuch in Dänemark aber keinen Erfolg gehabt.

Damals habe es »viele Spannungen und Emotionen zwischen den Parteien« gegeben – insbesondere »persönliche Emotionen« zwischen Eugen Block, dem Familienanwalt und Hensel.

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