Anstrengungslos gut: Die silberne Man-of-the-Match-Trophäe glitzerte mal wieder in Harry Kanes Hand, als der Bayern-Torjäger nach Spielende gegen Union Saint-Gilloise zum Interview antrat. »Sloppy« sei man vor der Pause mit dem Ball gewesen, also irgendwo zwischen schlampig und nachlässig. Gegen den Ball hätte die Energie gefehlt, aber: »Wir haben die Tore zur richtigen Zeit erzielt.« »Wir« meint in diesem Fall: Kane selbst. Ein Kopfball nach einem Eckball kurz nach der Pause (52. Minute), ein verwandelter Elfmeter (55.), und die Partie war im Sack, das Achtelfinale gebucht. Anders als im Vorjahr, als die Münchner den Umweg über die Zwischenrunde gehen mussten, lief die Ligaphase diesmal reibungslos. Noch bekam man nicht den Eindruck, die Bayern hätten sich bereits anstrengen müssen.
Das Ergebnis: 2:0 (0:0) absolviert der FC Bayern seine vorletzte Champions-League-Hürde vor der K.-o.-Phase. Gegner Union Saint-Gilloise blieb die Pflichtaufgabe, die man erwarten durfte. In der Königsklassen-Tabelle bedeutet das weiter Platz zwei hinter dem FC Arsenal. Hier geht es zum Spielbericht.
Belgiens Schokoladenseite: Die Royale Union Saint-Gilloise ist hierzulande vornehmlich Fußball-Nerds ein Begriff, in Belgien aber mischt der Verein aus Brüssel seit einer Weile die Liga auf. Der aktuelle Meister und Spitzenreiter dümpelte noch vor wenigen Jahren in Liga zwei, ging dann ins Portfolio von Klubeigner Tony Bloom über, der Brighton & Hove Albion mit innovativem Scouting in der Premier League etabliert hatte. Mit Schnäppchen wie dem späteren DFB-Stürmer Deniz Undav, den Saint-Gilloise aus Meppen loseiste, arbeitete sich der Klub nach oben – und fügte etwa Vincent Kompany zuletzt vier Pleiten in Folge zu, als dieser noch den RSC Anderlecht trainierte.
Rückspiele dahoam: Die Bayern hatten gute Gründe, Kompanys Negativserie nicht auf fünf Spiele anwachsen zu lassen. Nicht nur, weil ein Sieg quasi sicher das Achtelfinale bedeuten würde. Sondern auch weil Top acht in der Ligaphase seit dieser Saison nicht gleich Top acht ist: Die besten Vier treten mittlerweile nicht nur im Achtel-, sondern auch im Viertelfinale im Rückspiel zu Hause an. Gelingt den Bayern gar der Sprung unter die besten Zwei, gilt das Heimrecht im Rückspiel sogar im Halbfinale.
Kräfte schonen: Anlass zur Eile war augenscheinlich jedoch nicht geboten. Die Bayern ließen den Ball in den ersten 45 Minuten zwar laufen, Startelf-Rückkehrer Joshua Kimmich fand sich im Mittelfeldzentrum als menschgewordener Verteilerkasten ein. Chancen aber ergaben sich quasi keine, nach Kanes vergeblichem Stochern gegen USG-Keeper Kjell Scherpen (2.) war Flaute. Umgekehrt hielten die Belgier tapfer mit, Kanadas Nationalstürmer Promise David wuchtete einen Kopfball allerdings zu zentral auf Manuel Neuer (29.). Mit einer Nullnummer ging es in die Pause.
In Watte gepackt: Der sich an der Seitenlinie fleißig warmmachende Jamal Musiala musste auf die Gäste wirken wie ein Haifisch hinter Aquariumglas, doch für mehr als Drohkulisse brauchte Kompany seinen genesenen Star heute nicht. Musiala blieb draußen.
Jamal Musiala wird langsam wieder ans Wettkampfniveau herangeführt
Foto: Ronald Wittek / EPAVersöhnliches Menscheln: Nach dem Kane-Doppelschlag hätten die Bayern mit Saint-Gilloise anstellen können, was zuletzt am Wochenende gegen Leipzig gelang: ein allein in Halbzeit zwei herausgeschossener Kantersieg. Doch die Bayern ließen bei aller Dominanz Gnade vor Recht ergehen: Kim Min-jae holte sich für einen Trikotzupfer Gelb-Rot ab (63.), Kane setzte einen Handelfmeter an die Querlatte (81.), Michael Olise drosch die letzte Großchance des Spiels frei vor dem Tor in den Nachthimmel (84.).
Wiedersehen mit dem Verschmähten: Noch ist die Halbgas-Phase dieser Bayern-Saison also nicht ausgestanden. Am Samstagnachmittag haben die Münchner zunächst den FC Augsburg zu Gast, dann geht es am Mittwoch ein letztes Mal in der Champions-League-Vorrunde zur Sache. Bei der PSV Eindhoven können sich die Münchner einen Ex-Mitspieler anschauen: Paul Wanner, das Spielmacher-Talent der Generation zwischen Lennart Karl und Musiala, spielt seit Sommer fix in den Niederlanden, zum Abschied hatte es noch ein paar kritische Worte von Sportvorstand Max Eberl gegeben. Angesichts der jüngsten Erfolgsbilanz dürften die Bayern über diese Entscheidung mit sich im Reinen sein.

vor 2 Stunden
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