Abgeschobene Venezolaner: CBS sendet umstrittene Reportage doch

vor 14 Stunden 4

Der Sender CBS News hat eine zuvor zurückgezogene Folge des Nachrichtenmagazins „60 Minutes“ über die Abschiebung venezolanischer Migranten in ein Gefängnis in El Salvador nun doch ausgestrahlt. Der Beitrag unterschied sich kaum von einer zuvor zurückgehaltenen Version, enthielt jedoch zusätzliche Kommentare von Vertretern der Trump-Regierung.

Häftlinge geschlagen, gefoltert und sexuell missbraucht

Der 17 Minuten lange Beitrag lief am Sonntagabend. Er enthielt Interviews mit zwei venezolanischen Männern, die angaben, zu den 252 Personen zu gehören, die von den USA in das Cecot-Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador abgeschoben wurden, wo sie und andere Häftlinge geschlagen, gefoltert und sexuell missbraucht worden seien.

Zu Wort kamen auch Vertreter von Menschenrechtsgruppen, angeführt wurden Angaben der US-Einwanderungs- und Zollbehörde. Der Darstellung von CBS zufolge war fast die Hälfte der nach El Salvador abgeschobenen Venezolaner in den USA nicht strafrechtlich verurteilt worden, acht hätten Strafen wegen gewalttätiger oder potentiell gewalttätigen Verbrechen erhalten.

Der Beitrag der Reporterin Sharyn Alfonsi enthielt fast vier Minuten zusätzliches Material. Eine Anfrage an das Heimatschutzministerium lautete darauf, Details zu den Strafregistern aller 252 venezolanischen Männer, die die USA nach El Salvador überstellten, zu erfahren. Das Ministerium gab an, man vertraue „auf die Informationen unserer Strafverfolgungsbehörden“ und werde „nicht jedes Mal, wenn ein Gangmitglied leugnet, Mitglied zu sein, Geheimdienstberichte weitergeben und damit die nationale Sicherheit gefährden. Das wäre verrückt.“

Der Sender hatte die Sendung, die ursprünglich am 21. Dezember ausgestrahlt werden sollte, massiv beworben. Bari Weiss, die neue Chefin von CBS News, nahm die Sendung in letzter Minute mit der Begründung aus dem Programm, es seien weitere Recherchen notwendig. In einem Memo erklärte die Reporterin Alfonsi, der Beitrag sei umfassend überprüft und vom Justiziariat des Senders freigegeben worden. Das ihr Beitrag zurückgezogen wurde, sei keine redaktionell begründete Entscheidung gewesen, sondern politische Einmischung.

Der Beitrag erschien kurzzeitig online in Kanada, wo ein Zuschauer die Sendung aufgezeichnet und auf Youtube hochgeladen hatte. In einer per E-Mail verschickten Erklärung am Sonntagnachmittag ging CBS auf die Umstände der Verschiebung nicht näher ein. Man sei „stets entschlossen“, den Beitrag von „60 Minutes“ „zu senden, sobald er fertig war“.

Die Absetzung hatte der Besorgnis Nahrung gegeben, dass CBS unter dem Druck der Regierung Trump stünde. Im August des vergangenen Jahres hatten die Familien von Larry und David Ellison durch eine Fusion mit Skydance Media die Kontrolle über Paramount und damit auch über CBS News erhalten.

Larry Ellison ist einer der größten Unterstützer Donald Trumps. Zurzeit versucht Paramount Skydance den Konzern Warner Bros. Discovery Inc zu übernehmen. Dies bedürfte, ebenso wie seinerzeit die Übernahme von Paramount, der Zustimmung der Medienaufsichtsbehörde FCC, die der glühende Trump-Gehilfe Brendan Carr leitet. Die Fusion von Paramount und Skydance hatte er erst passieren lassen, nachdem CBS Donald Trump wegen eines angeblich manipulierten Interview mit Kamala Harris in „60 Minutes“ 16 Millionen Dollar gezahlt und versprochen hatte, politische Werbung in Trumps Sinne im Produktionswert von ebenfalls 16 Millionen Dollar zu senden.

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