Türkei: Tausende protestieren am Jahrestag der Verhaftung von Ekrem İmamoğlu

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Vor einem Jahr wurde der ehemalige Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu festgenommen. Tausende Regierungsgegner kamen nun erneut zu einer Kundgebung zusammen.

19. März 2026, 1:11 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP,

 Özgur Özel, der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, spricht während der Kundgebung in Istanbul.
Özgur Özel, der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, spricht während der Kundgebung in Istanbul. © Emrah Gurel/​picture alliance/​dpa/​AP

In der Türkei haben sich ein Jahr nach Beginn der landesweiten Protestwelle gegen die Verhaftung und Absetzung des ehemaligen Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu erneut tausende Unterstützer auf der Straße versammelt. Zu der Kundgebung vor der Stadtverwaltung auf dem Saraçhane-Platz in Istanbul hatte die führende Oppositionspartei CHP aufgerufen. Die Menschen riefen in Sprechchören Parolen wie "Präsident İmamoğlu" oder "Tayyip, Rücktritt" und schwenkten ihre Fahnen und Banner. Es gab ein großes Polizeiaufgebot.

"Hunderttausende Ekrems sind auf dem Platz", sagte CHP-Chef Özgür Özel bei der Demonstration. Vor einem Jahr sei ein Komplott voller Verleumdungen und Lügen gestartet worden. Das Ziel des "Putsches" seien İmamoğlu und der Aufstieg der Partei gewesen.

İmamoğlu gilt als aussichtsreicher Kontrahent des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bei zukünftigen Wahlen. Am 18. März 2025 war İmamoğlu sein Universitätsdiplom aberkannt worden – was Voraussetzung für eine Präsidentschaftskandidatur ist. Einen Tag später wurde er wegen Terror- und Korruptionsvorwürfen in Gewahrsam genommen, am 23. März schließlich verhaftet und als Bürgermeister abgesetzt. Er selbst bestreitet die Vorwürfe.

İmamoğlu drohen mehr als 2.000 Jahre Haft

İmamoğlu sitzt seitdem im Istanbuler Vorort Silivri in Untersuchungshaft. Am Montag vergangener Woche begann der Prozess gegen ihn, die Staatsanwaltschaft wirft ihm insgesamt 142 Straftaten vor, darunter Korruption, Veruntreuung und Spionage. Ihm drohen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mehr als 2.000 Jahre Haft.

Kritiker sehen das Vorgehen gegen İmamoğlu als Versuch der Regierung, den aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten der größten Oppositionspartei am Antreten bei der Präsidentschaftswahl 2028 zu hindern. Die Festnahme löste in der Türkei die größte Protestwelle seit den sogenannten Gezi-Protesten von 2013 aus. Bei den Protesten wurden fast 2.000 Menschen festgenommen.

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