Studie bei Vögeln: Gute Eltern sterben früher

vor 2 Tage 1

Elternsein ist der wohl herausforderndste Job der Welt – zumindest, wenn man es gut machen will. Das untermauert nun eine Studie aus dem Tierreich: Vögel, die mehr Energie in ihren Nachwuchs investieren, altern demzufolge schneller und sterben früher. Das Ergebnis stütze eine grundlegende Evolutionstheorie, erläuterte das Forschungsteam: dass hohe Investitionen in die Rolle als Eltern unweigerlich zu schnellerer Alterung und einer kürzeren Lebensdauer führen.

»Alle Lebewesen verfügen über begrenzte Energie und Ressourcen und stehen vor Kompromissen zwischen konkurrierenden Prioritäten«, sagte Hauptautorin Barbara Tschirren von der University of Exeter in Penryn . Die Evolutionstheorie lege nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Alterung und Fortpflanzungsaufwand gibt: Verfügbare Energie kann demnach in die Fortpflanzung oder in die Selbsterhaltung gesteckt werden, es müsse ein Kompromiss gefunden werden, so Tschirren.

Die Studie an Japanischen Wachteln (Coturnix japonica) liefere dafür nun einen Beleg. »Sie zeigt, dass es erhebliche genetische Variationen bei Fortpflanzungsaufwand und Alterung gibt, dass diese genetischen Variationen miteinander verbunden sind und dass sie sich schnell entwickeln können.«

Bessere Chancen für den Nachwuchs – aber schlechtere für die Eltern selbst

Bei Japanischen Wachteln übernehmen die Tiere nach dem Schlüpfen kaum Elternpflichten. Die Hauptinvestition in den Nachwuchs liegt in den Ressourcen, die in die Eier gesteckt wurden: Küken aus größeren Eiern haben bessere Überlebenschancen. Die Wissenschaftler züchteten die Wachteln nun gezielt in zwei Gruppen: solche, die relativ große und solche, die kleine Eier legten.

In jeder Generation wurde nur mit den Weibchen weitergezüchtet, die entweder besonders große oder besonders kleine Eier legten. Nach fünf bis sechs Generationen dieser selektiven Vermehrung lebten Weibchen, die große Eier legten, durchschnittlich 595 Tage – verglichen mit 770 Tagen bei Weibchen, die auf das Legen kleiner Eier gezüchtet wurden. »Dieser Unterschied in der Lebensspanne war auf eine beschleunigte Alterung und nicht auf Veränderungen der Grundmortalität zurückzuführen«, hieß es.

Unter anderem tragen demnach schwächere Immunreaktionen, beeinträchtigte DNA-Reparaturmechanismen und ein beschleunigter Abbau der sogenannten Telomere – einer Art Schutzkappen für Erbgut – potenziell dazu bei.

Für eine gesicherte Aussage zur Alterung der wesentlich langlebigeren Männchen wäre ein längerer Beobachtungszeitraum erforderlich gewesen, wie die Forschenden einschränkten.

Eltern heutzutage sind ausgelaugter als früher

Unklar ist, ob sich die Ergebnisse 1:1 auf Menschen übertragen lassen. Fest steht jedoch, dass repräsentative Umfragen zeigen, dass Eltern heutzutage deutlich ausgelaugter sind als früher – was Expertinnen und Experten auch darauf zurückführen, dass die Ansprüche ans Elternsein gestiegen sind.

Eine Forsa-Umfrage ergab 2024, dass sich 62 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern häufig oder sogar sehr häufig gestresst fühlen. Zwei Drittel sagten darüber hinaus, der Stress habe in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen. Fast 70 Prozent der befragten Eltern fühlten sich infolge hoher Belastungen mitunter erschöpft oder ausgebrannt. Mehr dazu lesen Sie hier.

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