Straße von Hormus und Deutschlands Verantwortung: Eine Eskorte für zivile Tanker ist kein Kriegseintritt

vor 2 Stunden 1

Es fiele leicht, zynisch zu werden. Erst zündet US-Präsident Donald Trump die Region an, wahlweise, um die iranische Atombombe zu verhindern, die iranischen Frauen zu befreien oder was sich sonst als Argument anbietet. Mit einem Plan für Krieg, nicht für Frieden. Aktionistisch, halbherzig, Trump. Trümmer, Chaos und wirtschaftliche Folgen sollen andere aufräumen.

Doch die Straße von Hormus ist kein ferner Punkt auf der Landkarte, nicht bloß ein exotischer Name zwischen Persischem Golf und Indischem Ozean. Sie ist eine Lebensader der Weltwirtschaft, damit auch der deutschen. Wer Öl, Gas, Handel und Stabilität sagt, sagt auch Hormus. Genau deshalb wäre es falsch, wenn Deutschland jetzt nur vom Ufer aus zuschaut.

Trump fordert eine internationale Koalition, die die Passage sichert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron signalisiert, dass er sich das vorstellen kann: defensiv, multinational, begrenzt. Bundeskanzler Friedrich Merz zögert – bei einem Nein zu bleiben, wird schwer für ihn werden.

Wer exportiert wie Deutschland, wer von stabilen Lieferketten lebt, kann sich nicht darauf zurückziehen, dass andere das schon regeln werden.

Stephan-Andreas Casdorff

Was ist die Sicherung von Seewegen? Eine klassische Aufgabe internationaler Ordnungspolitik. Wird ein Nadelöhr des Welthandels blockiert oder bedroht, ist das ein globales Problem. Wer exportiert wie Deutschland, wer von stabilen Lieferketten lebt, kann sich nicht darauf zurückziehen, dass andere das schon regeln werden.

Die Bundesrepublik beteiligt sich bereits an Missionen zum Schutz der Schifffahrt. Im Roten Meer gibt es eine europäische Marineoperation gegen Angriffe der Huthi-Miliz. Dort schützt Europa also Handelsschiffe, aus guten Gründen. Warum sollte das Prinzip in Hormus nicht mehr gelten?

Ja, ein solcher Einsatz benötigt ein klares Mandat, eine präzise Aufgabe und politische Kontrolle. Deutschland darf nicht Teil einer Eskalation werden. Aber eine Eskorte für zivile Tanker, eine Präsenz zur Abschreckung, eine multinationale Mission zur Sicherung einer internationalen Wasserstraße – das ist kein Kriegseintritt.

Es geht auch um Glaubwürdigkeit. Deutschland spricht von „wertebasierter Außenpolitik“ und der Verantwortung einer Handelsnation. Verantwortung zeigt sich nicht nur in Reden oder Resolutionen. Manchmal bedeutet sie auch, ein Schiff zu schicken.

Die Straße von Hormus – weit entfernt? Ihre Stabilität reicht bis in deutsche Raffinerien, Fabriken und Häfen. Wer das weiß, der sollte sich der internationalen Mission nicht verweigern.

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