Autofahrer:
»Wer steckt sich das ganze Geld ein? Unser Landesvater hat gesagt, Abzocke! Das ist das richtige Wort dafür. Abzocke, nur Abzocke.«
Autofahrerin:
»Also ich wüsste gar nicht, warum das ausgerechnet in Deutschland so ist. Woanders ist das überall billiger, bei uns ist es am teuersten. Warum?«
Autofahrer:
»50 Cent Unterschied ist nicht normal.«
Genau dieser Preisunterschied führt zu Schlangen vor den Zapfsäulen im polnischen Słubice. Deutsche Tanktouristen gibt es hier zwar schon lange, aber nicht so viele wie seit Beginn des Irankriegs.
Autofahrerin:
»Wenn ich überlege, was es mittlerweile in Deutschland kostet, dann fährt man eigentlich nur noch arbeiten, um auf Arbeit kommen zu können. Also man kann sich nichts mehr leisten, deswegen fahren wir nach Polen tanken.«
Autofahrer:
»Man muss natürlich aus der Region sein. Wenn ich aus Berlin komme rechnet sich das nicht.«
Max Hahn hat da eine andere Rechnung aufgemacht. Der Student ist mit dem Zug aus Berlin nach Frankfurt/Oder gefahren, und dann zu Fuß über die Grenze.
Max Hahn, Student:
»Das Deutschland-Ticket ist ja wahrscheinlich im Endeffekt günstiger als dann die Strecke im Auto noch rüber zu fahren, also man muss heute wirklich Sprit sparen, bis der Arzt kommt.«
Nächste Woche will er in den Skiurlaub – mit dem Auto, erzählt Max. Deswegen der Kurztrip nach Polen.
Max Hahn, Student:
»Ja, heute erstmal einen, mal gucken, wie das an der Grenze funktioniert und dann morgen noch einen vielleicht.«
Der Zoll könnte Fragen haben, spätestens aber der Schaffner im Regionalexpress. Benzinkanister in der Bahn? Bitte nicht nachmachen.
Im Extra-Kanister im Auto dagegen sind bis zu 20 Liter erlaubt, und das nutzen viele deutsche Tanktouristen. Zwar sind auch in Polen die Spritpreise seit Kriegsbeginn gestiegen, um rund neun Prozent. Ein Liter Diesel kostet hier in Słubice diese Woche umgerechnet 1,81 Euro. Im Vergleich zu Deutschland lässt sich also immer noch viel sparen. 30 Euro oder mehr pro Tankfüllung, das lockt vor allem Brandenburger über die Grenze.
Autofahrer:
»Gerade hier im ländlichen Bereich sind die Leute angewiesen aufs Auto. Die können nicht einfach sagen: Ja jetzt hier, Deutschland-Ticket, können mit der Bahn fahren. Funktioniert nicht, weil bei uns im Dorf kommt ein Bus pro Tag!«
Was viele ärgert: Der Kraftstoff für beide Seiten der Grenze kommt teilweise aus denselben Raffinerien. Aber auch wenn man die unterschiedlichen Steuern und Abgaben der beiden Länder herausrechnet – netto zahlen die Kunden in Deutschland trotzdem mehr.
Autofahrer:
»Die Konzerne. Die stecken natürlich das meiste Geld ein.«
Autofahrerin:
»Da muss mehr von der Politik kommen, weil die Politik möchte ja, dass wir arbeiten gehen, damit wir Steuern zahlen. Und das können wir halt nur, wenn wir arbeiten gehen und mit günstigen Spritpreisen.«
Autofahrer:
»Ein Deckel wie in Ungarn, ein Preisdeckel, wo einfach mal gesagt wird: ab 1,65 Euro, höher geht es nicht. Fertig.«
So sehen das viele hier: Der Staat soll den Autofahrern helfen, mal wieder. Bei den bisher geplanten Maßnahmen der Bundesregierung – wie Preiserhöhungen nur noch einmal täglich zu erlauben – sind sich die Tanktouristen dagegen nicht so einig.
Autofahrerin:
»Würde ich aber auch begrüßen, wenn sie es nur einmal am Tag ändern. So hat auch wirklich jeder mal die Chance, günstig tanken zu fahren. Gerade die, die jetzt arbeiten sind, haben halt nicht die Möglichkeit, die müssen dann zu den noch teureren Preisen fahren.«
Autofahrerin:
»Davon halte ich gar nichts. Was soll denn das bringen? Dann machen sie das mit einem Mal hoch. Das ist eigentlich Quatsch.«
Autofahrer:
»Das machen die in Österreich schon seit Jahren, also da hat sich bewährt und warum soll es nicht bei uns auch so sein? Find ich gut.«
Autofahrer:
»Also das ist einfach Blödsinn. Sicherlich werden die dann einmal am Tag den Preis immens erhöhen und dann vielleicht schrittweise nochmal runter, aber das können sie dann jeden Tag wieder machen. Das ist kompletter Blödsinn.«

vor 2 Tage
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