Samsung Galaxy S26 Ultra im Test: Hier gibt es nichts zu sehen

vor 2 Tage 4

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Bei der neuen Galaxy-S-Serie scheint sich nicht viel getan zu haben. Der Rahmen besteht nun aus Aluminium statt aus Titan, wie es noch im vergangenen Jahr hip war. Das hat Auswirkungen auf die Herstellungskosten und das Marketing, dürfte sich ansonsten kaum bemerkbar machen. Das violette Testgerät macht jedenfalls einen sehr hochwertigen Eindruck, wirkt robust und ist hervorragend verarbeitet. Also alles beim Alten?

 Schöne Kameras, aber auch ganz schön wackelig

Ultra-Rückseite: Schöne Kameras, aber auch ganz schön wackelig

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Hier gibt es nichts zu sehen

Nichts ganz. Im Galaxy S26 Ultra – und nur in dem – steckt eine spannende kleine Innovation, die Samsung in Deutschland hinter der sperrigen Bezeichnung Datenschutzanzeige versteckt. So nennt das Unternehmen eine neue Bildschirmtechnik, die es bisher exklusiv anbietet. Sie soll es Sitznachbarn in der Bahn, dem Bus, dem Flugzeug oder am Konferenztisch unmöglich machen, zu sehen, was man gerade auf dem Bildschirm anschaut.

Im Handel gibt es schon seit langem Folien, die einen ähnlichen Effekt versprechen. Sie schränken die seitliche Sichtbarkeit des Bildschirms ein, sodass man dessen Inhalt nur sehen kann, wenn man senkrecht draufschaut. So ähnlich ist der Effekt von Samsungs Datenschutzanzeige – nur ungleich komplizierter erzeugt.

Die Richtungsfrage

Tatsächlich haben Samsungs Ingenieure eine komplett neue Displaytechnik entwickelt, um die Funktion realisieren zu können. Beim Ultra besteht der Bildschirm aus zwei unterschiedlichen Arten von Pixeln. Zum einen die herkömmlichen Pixel, die einen breiten Abstrahlwinkel haben, damit der Bildschirm aus allen Richtungen scharf und bunt sichtbar ist. Zum anderen Pixel, die nur senkrecht nach vorn abstrahlen. Ist die Datenschutzanzeige aktiviert, werden die breit abstrahlenden Pixel gedimmt.

 links ohne, rechts mit aktiver Datenschutzanzeige
 links ohne, rechts mit aktiver Datenschutzanzeige

Galaxy S26 Ultra: links ohne, rechts mit aktiver Datenschutzanzeige

Dabei hat man die Wahl, ob man pauschal den gesamten Bildschirm dimmen, die Funktion nur auf bestimmte Apps oder gar nur auf Benachrichtigungen oder PIN- sowie Passworteingaben anwenden will. Letzteres sieht faszinierend aus: Das Feld für die Passworteingabe wirkt von der Seite betrachtet dunkel, während der Rest des Bildschirms hell strahlt.

Grundsätzlich ist das alles eine feine Idee und ich kann mir vorstellen, dass weitere Firmen versuchen werden, diese Technik nachzubilden. Als treuer Samsung-Kunde könnte etwa Apple entsprechende Displays einfach direkt beim Hersteller einkaufen. Aber: wer braucht das, wer wird das wirklich benutzen? Menschen, die in der U-Bahn mit Freisprechfunktion telefonieren, sicher nicht. Zudem verliert das Display bei eingeschalteter Datenschutzanzeige an Helligkeit und Details. Beim Umschalten ist das deutlich wahrnehmbar.

Dezente Hardware-Upgrades

Abgesehen von der Bildschirmtechnik hat sich gegenüber dem Galaxy S25 Ultra (hier unser Testbericht) wenig geändert. Das neue Modell hat einen neuen Chip, den Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5 for Galaxy. Der ist – natürlich – gelegentlich ein wenig schneller als sein Vorgänger. Dass man nicht allzu viel erwarten sollte, spiegelt sich in Samsungs Angabe wider, dass er ein »angepasster Prozessor« sei.

 Auch in S26 Ultra steckt ein digitaler S-Pen

Für Stift-Fans: Auch in S26 Ultra steckt ein digitaler S-Pen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ähnlich sieht es bei den Kameras aus. Die Linsen der drei Hauptkameras sitzen jetzt auf einem gemeinsamen Plateau, statt getrennt aus dem Gehäuse zu ragen. An der Wackeligkeit, wenn das Gerät auf einem Tisch liegt, ändert das nichts, Handys mit asymmetrischem Kamerabuckel sind Wackelkandidaten.

Die Bestückung ist dieselbe wie zuvor: Weitwinkel mit 200 Megapixeln, Ultraweitwinkel und Tele mit 50 Megapixeln. Neu ist, dass Weitwinkel und Fünffach-Tele jeweils eine etwa größere Blende haben, F1.4 statt F1.7 respektive F2.9 statt F3.4. So kommt mehr Licht ins Objektiv und damit den Sensor. Insbesondere Aufnahmen bei geringer Helligkeit, Samsung nennt das »Nightography«, können dadurch mehr Details zeigen, wirken weniger dunkel. Das ist Feinarbeit an der ohnehin schon sehr guten Fotoqualität der Kameras.

Filmen wie auf Schienen

Spannender ist der neue Videomodus »Superstabil mit horizontaler Sperre«. So umständlich die Bezeichnung ist, so gut ist die Umsetzung. Beim Filmen von Videos wird die Kamera damit auf den Horizont oder eine vergleichbare horizontale Linie fixiert. Ganz egal, wie sehr man die Kamera dann während der Aufnahme schüttelt und dreht, im fertigen Video wirkt es, als wäre die Kamera auf Schienen gefahren.

 Auch wenn sich das Handy bewegt, bleibt die Aufnahme gerade

Videostabilisierung: Auch wenn sich das Handy bewegt, bleibt die Aufnahme gerade

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Im Test hat das verblüffend gut funktioniert. Die Funktion sorgt nicht einfach nur dafür, dass Videos auch dann noch professionell und mit ruhiger Hand gefilmt wirken, wenn man während der Aufnahme einen holprigen Waldweg entlangläuft. Auch wenn man das Handy während der Aufnahme komplett auf den Kopf dreht – sollte man den Drang danach verspüren –, bleibt das Bild stabil. Mal sehen, wann Apple das kopiert.

Was macht die KI denn da?

Wie in den Jahren zuvor wirbt Samsung mit den KI-Fähigkeiten seiner Smartphones. Manchmal sind die beeindruckend gut, manchmal verstörend schlecht.

Ein Beispiel ist die von Samsung gezeigte Möglichkeit, digitale Einladungskarten zu erstellen. Im Test klappte das fast perfekt. Aber eben nur fast. Die Anweisung, »Lade meine 60 besten Freunde zu einer nächtlichen Hafenrundfahrt auf der Frau Hedi in Hamburg ein«, setzte das System gut um, malte ein den Hamburger Barkassen ähnliches Schiff und setzte die Elbphilharmonie in den Hintergrund.

 Wieso steht die 11 da, wo sie steht?

Samsung Einladungskarte: Wieso steht die 11 da, wo sie steht?

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Aber dann beschriftete es die Einladung auf Englisch, mit einem Text, der nur teilweise Sinn ergab. Auf die nachfolgende Bitte, als Datum für die Fahrt den 11. Mai einzufügen, setzte die KI an willkürlich gewählter Position im Text die Zahl 11 ein. So wäre die Einladung unbrauchbar gewesen.

Als ähnliches Glücksspiel erwies sich die Möglichkeit, Fotos per KI zu verändern. Simple Aufgaben wie »Helle das Bild auf« führten mal zum erhofften Ergebnis, mal gab es keine sichtbare Änderung. Die Aufforderung, das Foto einer grauen Frühlingslandschaft in ein sonniges Paradies zu verwandeln, klappte dagegen gut. Der Versuch, eine auf einer Bank sitzende Person durch einen Teddybären zu ersetzen, scheiterte zunächst an Hinweisen, das sei gerade nicht möglich. Erst als ich die Person mit dem übrigens integrierten S-Pen auf dem Bildschirm markierte, tat das System, was es sollte. Das Resultat war, auch wenn der Bär in die falsche Richtung schaute, ziemlich süß (siehe Aufmacherbild).

 Die Aufforderung »Entferne den Nebel« setzt die KI super um
 Die Aufforderung »Entferne den Nebel« setzt die KI super um

Leider leidet die Auflösung: Die Aufforderung »Entferne den Nebel« setzt die KI super um

Letztlich aber blieb nach all den Versuchen mit Samsungs KI-Funktionen der Eindruck zurück, dass man einfach Glück haben muss, damit man herausbekommt, was man erhofft. Da sich auf dem S26 Ultra nunmehr drei Chatbots anbieten, Samsungs Bixby, Googles Gemini und Perplexity, fällt die Auswahl mitunter schwer. Im Zweifel hilft es nur, auszuprobieren. Oder einfach die App der präferierten KI zu installieren.

 Ergebnis der Aufforderung »Färbe das Schild rot und lass eine Möwe durchs Bild fliegen«
 Ergebnis der Aufforderung »Färbe das Schild rot und lass eine Möwe durchs Bild fliegen«

Erinnert an Corel Draw: Ergebnis der Aufforderung »Färbe das Schild rot und lass eine Möwe durchs Bild fliegen«

Als vollkommen überflüssig schätze ich immer noch die Funktion »Now Brief« ein, die eine Art personalisierte Tagesübersicht erstellen soll. Gezeigt werden letztlich aber nur eine Wettervorschau, eine einzelne Nachrichtenmeldung sowie ein YouTube-Video. Der Sinn dahinter ist mir unklar. Die aktuellen Wetterdaten zeigt mir ein Widget auf dem Startbildschirm, Nachrichten lese ich in der SPIEGEL-App und wenn ich YouTube-Videos sehen will, starte ich die YouTube-App.

Fazit

Auch beim neuen Modell ist Samsungs Ultra eine Mischung aus vielen altbekannten, aber nützlichen Features mit ein paar spektakulären Neuerungen. So muss das auch sein, wenn man so viele unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen will wie Samsung. Ein solches Gerät muss wiedererkennbar und für Stammkunden auf Anhieb bedienbar sein. Es muss aber auch einen Wow-Faktor mitbringen. In diesem Jahr sind das der Bildschirm mit seinem digitalen Privatsphäreschleier und die ultrastark stabilisierende Videofunktion.

Ansonsten liefert das neue Ultra, was Samsung-Fans schon am alten Ultra geschätzt haben: einen tollen Bildschirm, hohe Leistung, reichlich Ausdauer und von allem anderen oft einen Hauch mehr als die Konkurrenz. Das gilt auch für den Preisverfall, der sofort mit dem Verkaufsstart einsetzt. Während Samsung für die Version mit 256 GB noch 1449 Euro, für das Modell mit 512 GB gar 1649 Euro verlangt, werden beide Varianten im Handel schon zu Preisen um 1250 Euro offeriert. Die Farbe kann da einen großen Unterschied machen. Selbst die Top-Ausstattung mit 1 TB Speicher, bei Samsung 1949 Euro teuer, kann man online für 350 Euro weniger bestellen – wenn man bereit und in der Lage ist, so viel für ein Smartphone auszugeben.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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