Trumps Grönland-Sonderzölle stoßen in Europa auf Kritik. Die Bundesregierung will sich mit den EU-Partnern abstimmen, Macron betont Dänemarks Souveränität.
17. Januar 2026, 20:31 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, vha
US-Präsident Donald Trump neue Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder angekündigt, die sich seinen Plänen einer Übernahme Grönlands entgegenstellen. Die Zölle von zunächst zehn und später 25 Prozent sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, drohte Trump an. Das sind die Reaktionen darauf.
Übersicht:
Bundesregierung nimmt es "zur Kenntnis", Grüne fordern Gegenzölle
Die Bundesregierung hat eine gemeinsame Reaktion der betroffenen europäischen Staaten in Aussicht gestellt. Regierungssprecher Stefan Kornelius teilte mit, man habe Trumps Ankündigung "zur Kenntnis genommen" und befinde sich in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern. "Gemeinsam werden wir zur gegebenen Zeit über geeignete Reaktionen entscheiden", kündigte Kornelius an.
Deutlicher äußerten sich die Grünen, die die EU zur Erhebung von Gegenzöllen auffordern. "Es braucht die klare Antwort an Trump", sagte Fraktionschefin Katharina Dröge. Auch kritisierte sie bisher die bisherige US-Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): "Die Strategie des Zurückweichens und der Beschwichtigung von Friedrich Merz ist gescheitert", sagte Dröge. "Bei der Verteidigung der internationalen Ordnung braucht es Selbstbewusstsein und Klarheit."
Macron mit Bekenntnis zu "Souveränität und Unabhängigkeit"
Auch Frankreich wies die Zolldrohungen zurück. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete sie als "inakzeptabel" und kündigte eine geschlossene europäische Reaktion an, sollte Trump an seinen Plänen festhalten. Weder Einschüchterung noch Drohungen würden die Europäer beeinflussen, sei es in der Ukraine, in Grönland oder anderswo, schrieb Macron auf der Plattform X.
Zolldrohungen hätten "in diesem Zusammenhang nichts zu suchen", schrieb er. "Frankreich bekennt sich zur Souveränität und Unabhängigkeit der Nationen, in Europa und weltweit."
Dänemark begründet Militärmission
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen zeigt sich von der Zolldrohung Trumps überrascht. Das teilte der Däne in einer Stellungnahme der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge mit. Dänemark stehe derzeit in engem Kontakt mit der EU-Kommission.
Trump stößt sich nach eigenen Angaben daran, dass Deutschland und andere europäische Staaten jüngst teils auf Einladung Dänemarks Soldaten auf die Insel geschickt haben. Es sei unklar, was der Zweck der Maßnahme sei, schrieb er in seiner Zoll-Ankündigung auf Truth Social. Das Ziel der verstärkten militärischen Präsenz in Grönland bestehe jedoch genau darin, die Sicherheit in der Arktis zu erhöhen, sagte Rasmussen – und bezog sich damit auf Trumps Behauptungen, wonach die USA vor die Sicherheit der Arktisregion vor China und Russland im Blick hätten.
Schweden: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson wies Trumps Drohungen ebenfalls entschieden zurück. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Nur Dänemark und Grönland entscheiden über Fragen, die sie betreffen", stellte Kristersson klar. "Ich werde mein Land und unsere verbündeten Nachbarn immer verteidigen." Es handele sich um "eine europäische Frage".
Auch Kristersson teilte mit, Schweden führe nun "intensive Gespräche" mit anderen EU-Ländern sowie Norwegen und Großbritannien, um eine "gemeinsame Antwort" auf Trumps Zollankündigung zu finden.
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