Das Szenario:
Deine Schuld, meine Sühne. Cris Blohm (Johanna Wokalek) und Dennis Eden (Stephan Zinner) ermitteln parallel in zwei Fällen, die nur auf den ersten Blick schnell abgeschlossen scheinen. Ein Migrant ist für einen Frauenmord ins Gefängnis gegangen, den er eigentlich gar nicht begangen haben kann. Ein Autoknacker übernimmt die Verantwortung für eine Fahrerflucht mit Todesfolge, obwohl einiges gegen seine Täterschaft spricht. Kann es sein, dass die beiden Männer ihre Geständnisse abgelegt haben, um die wirklichen Täter zu schützen? Und wie kommt es, dass ausgerechnet ein Star-Anwalt mit dem Prinz-Protz-Namen August Schellenberg in beiden Fällen eine Rolle spielt?
Der Clou:
Wenn das Recht eine Frage von Reichtum ist. Es wird in diesem »Polizeiruf« schnell klar, dass zwischen den ganz unterschiedlichen Tötungsfällen ein größerer Zusammenhang besteht. Man braucht keinen ausgeprägten Instinkt, um schnell die Ahnung zu bekommen, dass Reichtum dazu genutzt wird, das Recht umzubiegen. Trotzdem ist es spannend dabei zuzuschauen, wie das Ermittlungsduo heiter, aber hilflos mitansehen muss, wie die Schuld von der Sühne entkoppelt wird.
Der Auftritt:
Tobias Moretti als Menjou-Bärtchen tragender Rechtsmagier August Schellenberg. Komplex ist die Rolle nicht, dafür aber effektsicher gespielt. »Wen juckt die objektive Wahrheit?«, fragt der moralisch leicht durchschaubare Jurist, um dann vor der Kommissarin den möglichen Rechtsbruch argumentativ wegzuzaubern.
Das Bild:
Das Gummi, das den Raucher glücklich macht. In einer Szene sitzt das Ermittlungsduo vor einer Staatsanwältin, die den Rauchmelder über ihrem Kopf mit einem Kondom abgeklemmt hat und nun eine nach der anderen durchzieht. Wo man in diesem »Polizeiruf« hinschaut – überall regiert die Manipulation.
Der Song:
»Allan wia a Stan« von Wolfgang Ambros . Läuft im Getränkeladen, in dem ein Verdächtiger arbeitet, der dann plötzlich ausbüxt, während diese wunderbar sarkastische Wienerische Version von Bob Dylans »Like a Rolling Stone« aus dem Radio erklingt. Die Lyrics sitzen – auch als Kommentar auf diesen Fall: »Du waßt, wos falsch und wos richtig is/ Aber du suchst nur Alibis/ Für wos, wos ned zum Entschuldigen is/ Du losst di auf an g'fährlichen Handel ein«.
Die Bewertung:
7 von 10 Punkten. Justice for sale: Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit ist dieser »Polizeiruf« ein gewitzter Justizkrimi.
Die Analyse:

vor 21 Stunden
1









English (US) ·