News des Tages: Elektroautos, Donald Trump in Davos, Zugunglück in Spanien

vor 23 Stunden 3

Die Lage am Abend Können Sie mir Staathilfe geben?

Die drei Fragezeichen heute:

  1. Elektroautoförderung – wer profitiert vom Geldsegen?

  2. Trump beim Wirtschaftsforum Davos – hat noch jemand Rückgrat?

  3. Spanien – was ist die Ursache für das verheerende Zugunglück?

19.01.2026, 17.54 Uhr

Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.

Podcast Cover

1. Elektroautoförderung

In diesen wirklich deprimierend destruktiven Zeiten darf man sich an die wenigen guten Nachrichten klammern, die es gibt. Heute ist das die vom Bund verkündete, neu aufgelegte Elektroautoförderung.

Okay, perfekt ist auch sie nicht. Mein Kollege Benedikt Müller-Arnold bemängelt zu Recht, dass auch der Strom günstiger werden muss und das undurchsichtige Wirrwarr der Ladetarife beendet (lesen Sie hier seinen Kommentar ). Mein Kollege Arvid Haitsch kritisiert ebenso begründet, dass immer noch Verbrennungsmotoren von der Förderung profitieren, nämlich in Plug-in-Hybriden (mehr dazu hier).

Aber der Kern des Programms ist cleverer als bisherige Subventionen. Die unterstützten nämlich alle Elektroautokäufer, auch jene, die so eine Finanzspritze gar nicht benötigten. Das aktuelle Programm zielt viel stärker auf Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen. Es ermöglicht damit auch Menschen den Umstieg auf ein E-Auto, die sich das sonst nicht leisten könnten.

Wie wichtig Subventionen für den Erfolg der noch jungen Technologie sind, zeigt China. Dort ist die heimische Autoindustrie dank verschiedener staatlicher Eingriffe in kürzester Zeit erblüht.

  • Die wichtigsten Informationen zur neuen Förderung und wie Sie davon profitieren, finden Sie hier.

2. Trumpelstilzchen in Davos

Es gibt Menschen, die vermuten hinter Donald Trumps Grönlandgelüsten ein perfides Ablenkungsmanöver: Weil die Welt auf das eisige Eiland schaut, merkt sie nicht, wie er in den USA die Demokratie abschafft, so die Logik. Leider ist beides denkbar: Dass er die Demokratie abschafft und sich Grönland unter den Nagel reißt.

Diese Woche reist Trump erst mal nach Davos. Im Gepäck hat er ein Paket von Strafzöllen, mit dem er die EU bedroht, sollte sie ihm Grönland verweigern. Erwartet ihn in der Schweiz wegen des angezettelten Handelskrieges Gegenwind? Mein Kollege David Böcking gibt sich da keinen Illusionen hin. Er berichtet seit 2012 vom Gipfel, in den vergangenen Jahren hat er beobachtet, wie sich das Forum thematisch den Vorlieben von Trump annäherte.

»Es gab Jahre, da konnte man in Davos gefühlt keine zwei Meter laufen, ohne über die nächste Diskussion zu Klimaschutz, Gleichberechtigung oder die notwendige Erneuerung des Kapitalismus zu stolpern«, schreibt David . Im Programm von 2016 habe sich das Wort »Klimawandel« noch 17 Mal gefunden, in diesem Jahr seien es noch fünf Erwähnungen. Der Begriff »Gender« finde sich nur ein einziges Mal, wo er 2016 noch 20-mal genannt wurde.

Offenen Widerspruch habe Trump bei seinen Auftritten in der Schweiz kaum erlebt, stattdessen kuschelten deutsche Konzernchefs schon 2012 bei einem Abendessen mit ihm. »Unterm Strich könnte sich mit Trumps Besuch deshalb ein fataler Eindruck verfestigen: Trump diktiert seine autoritäre Agenda – und die Bosse buckeln.«

Widerstand, so schreibt David, würde sich höchstens regen, weil die eigenen Geschäfte durch Trump zunehmend bedroht würden: Besonders beunruhigt seien die in der Schweiz versammelten Anhänger der freien Marktwirtschaft von Trumps Angriffen auf die Unabhängigkeit der US-Zentralbank Fed. »In Davos dürfte die Sorge um die Stabilität des Finanzsystems zu den wichtigsten Gesprächsthemen gehören. Ob die Warnungen aber auch den US-Präsidenten erreichen, ist fraglich.«

Noch dauern die Bergungsarbeiten an. Am Montagnachmittag waren 39 Menschen gestorben, 159 waren verletzt, 24 von ihnen schwer. Die Opferzahlen können also leider noch steigen. Rund 500 Menschen befanden sich an Bord der beiden Züge.

Über die Unglücksursache ist bislang nichts bekannt. Beide Züge waren vergleichsweise neu, der entgleiste Zug erst Tage vor dem Unglück überprüft worden. Der betroffene Streckenteil wurde erst kürzlich renoviert.

Meine Kollegin Charlotte Lüder und meine Kollegen Christoph Seidler, Steffen Lüdke und José Bautista haben recherchiert, was man bislang zum Unglück weiß. Der abschließende Ermittlungsbericht zur Unfallursache wird wohl frühestens in einem Monat veröffentlicht. Ein Experte hat gegenüber den Kolleginnen und Kollegen einen Verdacht geäußert. Den ausführlichen Bericht lesen Sie hier: Tödliche Kollision bei Tempo 200 

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

 »Ich wollte helfen und war überfordert«

Jannine Gnade: »Ich wollte helfen und war überfordert«

Foto:

Christoph Köstlin / DER SPIEGEL

»Meine Vorgängerin war von ihnen zusammengeschlagen worden. Dann kam ich«: Jannine Gnade kümmert sich um Jugendliche, die die Gesellschaft oft schon aufgegeben hat. Fast wäre sie daran zerbrochen, dann traf sie eine Entscheidung .

Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Rodin Eckenroth / AFI / Getty Images

Happy »Fuck you«, Mr. President: Bruce Springsteen, 76, hat aus seiner Abneigung gegen Donald Trump noch nie einen Hehl gemacht. Einen Überraschungsauftritt auf einem Konzert in New Jersey nutzte »The Boss« nun, um erneut in Richtung Washington – oder Mar-a-Lago – auszuteilen. Er forderte unter anderem, dass die Abschiebebehörde ICE aus Minneapolis verschwinden solle. »Wenn Sie glauben, dass Sie nicht ermordet werden sollten, weil Sie Ihr amerikanisches Recht auf Protest ausüben«, rief er auf der Bühne, »dann senden Sie diesem Präsidenten die gleiche Botschaft wie der Bürgermeister der Stadt: ICE soll sich verdammt noch mal aus Minneapolis verpissen«.

Heute noch ein Hinweis in eigener Sache an Sie:

Wir möchten Sie, liebe Lage-Leserinnen und -Leser, einladen, den SPIEGEL mitzugestalten. Wie das geht? Werden Sie Mitglied unserer Online-Research-Community »SPIEGEL Perspektiven«. Als Teil davon erhalten Sie Einblicke hinter die Kulissen unseres Verlagshauses, können an Umfragen teilnehmen und erfahren, wie Ihre Meinungen und Ideen unser Angebot prägen. Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenfrei und unverbindlich. Registrieren Sie sich jetzt und prägen Sie die Zukunft der SPIEGEL-Gruppe mit: Hier geht es zu SPIEGEL Perspektiven.

Von bz-berlin.de

Von bz-berlin.de

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Foto:

Thomas Plaßmann

Könnten Sie ins Kino gehen und überprüfen, ob mein Kollege Wolfgang Höbel mit seinem charmanten Verriss von »The Housemaid« recht hat. Er hat sich den neuen Thriller mit Hollywoods umstrittener Hoffnungsträgerin Sydney Sweeney angeschaut und beobachtet, dass sie darin lediglich anderthalb Gesichtsausdrücke zeigt.

In »Wenn sie wüsste« (der ungelenke deutsche Untertitel) spielt Sweeney Ex-Knacki Millie. Als diese einen Job als Hausmädchen in einem schicken New Yorker Vorort ergattert, wähnt sie sich im Glück. Doch die schicke Bude entpuppt sich schnell als Horrorhaus, in dem ihre Arbeitgeber die fiesesten Monster spielen.

»Der Film zeichnet sich durch eine heitere Anspruchslosigkeit aus, zugleich funktioniert er als Spannungskino tadellos«, schreibt Wolfgang. Die Fröhlichkeit, mit der Sweeney wirklich nur die allernotwendigste Darstellungskunst abliefert, könne man als Dienst nach Vorschrift werten. Oder als Zeichen der Smartheit und Souveränität.

Die ebenfalls sehr heitere Kritik zum Film finden Sie hier .


Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

Gesamten Artikel lesen