Es wäre die erste bisher bekannte direkte Verbindung zwischen zwei der weltweit prominentesten Sexualstraftäter, Jeffrey Epstein und Mohamed Al Fayed. Ein mutmaßliches Missbrauchsopfer hat gegenüber der britischen »Times« berichtet , Epstein habe sie Ende der Neunzigerjahre als 17-jährige Model‑Neueinsteigerin an den damaligen Harrods‑ und Ritz‑Eigentümer Mohamed Al Fayed nach Saint‑Tropez »weitergereicht«. Al Fayed habe sie dann auf seiner Jacht sexuell missbraucht.
Die als »Natalie« anonymisierte Frau schildert, Epstein habe über Jahre ihren Aufenthaltsort kontrolliert und sie mit Versprechen auf Karrierechancen gelockt. 1997 habe er sie schließlich per Pager-Nachricht zu einem »sehr einflussreichen« Mann auf einer Jacht in Saint-Tropez geschickt – Al Fayed, den sie erst Jahre später nach dessen Tod 2023 auf einem Foto wiedererkannt habe.
»Natalie« berichtete gegenüber der »Times«, auf der Jacht habe Al Fayed angefangen, unangemessene sexuelle Bemerkungen zu machen, und erklärt, er wolle mit ihr »neue Dinge ausprobieren«. Als sie bat, von Bord gehen zu dürfen, habe man ihr das nicht erlaubt. Schließlich habe Al Fayed sie sexuell missbraucht. »Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich mich an diese Behandlung gewöhnt hatte«, sagte Natalie der »Times«. »Ich hatte das Gefühl, ich war nur da, damit Jeffrey zufrieden war. Wenn Jeffrey wollte, dass ich jemanden treffe, dann traf ich den. Alles, damit er mich weiter mochte.«
Vergewaltigung und Menschenhandel
Die Aussage ist die erste bekannte direkte Verbindung zwischen dem US-Finanzier und dem 2023 verstorbenen Milliardär Al Fayed. Dessen mutmaßliche Verbrechen und das Versagen der britischen Polizei haben sich seit dessen Tod zu einem der größten Skandale um sexuellen Missbrauch in der britischen Geschichte entwickelt. Mittlerweile haben mehr als 400 Frauen Vorwürfe wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe gegen Al Fayed erhoben. Eine 2024 veröffentlichte BBC-Doku schilderte, wie der Besitzer des renommierten Kaufhauses Harrods durch die Etagen gegangen sei, um sich junge Verkäuferinnen auszusuchen. Die seien dann »befördert« worden, um näher an Al Fayed zu arbeiten. Die Londoner Polizei ermittelt mittlerweile auch gegen das Umfeld des Harrods-Chefs. Drei mutmaßliche »Zuarbeiterinnen« werden verdächtigt, Vergewaltigung und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung unterstützt zu haben.
In den jetzt veröffentlichten Epstein-Dokumenten tauchte Al Fayed bisher nicht auf, was auch daran liegen könnte, dass Epstein in den Jahren vor 2006 eher per Pager und Telefon als per E-Mail kommunizierte. Laut der »Times« gibt es aber Unterlagen, die finanzielle Verknüpfungen der beiden Männer belegen. Demnach zahlte Epstein 2006 Geld an Al Fayeds Luftfahrtunternehmen Harrods Aviation, Epsteins Privatjets nutzten wiederholt VIP‑Terminals in den Londoner Flughäfen Luton und Stansted, an denen Harrods Aviation Privatflüge abfertigte.
Betroffene aus dem Netzwerk um Al Fayed sehen in den nun veröffentlichten Dokumenten einen nahezu identischen »modus operandi« der beiden Männer. Beide hätten junge Frauen über die Mode- und Modelbranche rekrutiert und sie dann mithilfe eines Systems von Helfern und einer abgeschotteten VIP-Infrastruktur sexuell ausgebeutet. Beide hätten ihre Macht genutzt, um mutmaßliche Opfer danach zum Schweigen zu bringen. Eine Frau, die in den Neunzigerjahren für die Fayeds arbeitete, sagte der »Times«, sie sei »fest davon überzeugt, dass Epstein und Fayed miteinander gesprochen, Informationen ausgetauscht und sich gegenseitig bei der Organisation ihrer Menschenhandelsnetzwerke unterstützt haben.«

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