Deutsche Handballer siegen bei der EM gegen Spanien Es drohte die Blamage. Jetzt haben sie wieder gute Laune
Die Kritik war harsch, doch das DHB-Team hat bei der Handball-EM eine starke Reaktion gezeigt. Torhüter Andreas Wolff erwischte gegen Spanien nicht seinen besten Tag, in der Hauptrunde warten nun vier harte Gegner.
19.01.2026, 22.49 Uhr
Sechsfacher Torschütze Köster: Pleite gegen Serbien ist vergessen
Foto:Maximilian Koch / IMAGO
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Ein Kempa, wenn es eng ist: Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft in Dänemark die Hauptrunde erreicht. Das Team von Bundestrainer Alfred Gíslason zeigte gegen Spanien eine erstaunliche Reaktion auf die Pleite gegen Serbien – es drohte erstmals in der Geschichte das Vorrundenaus bei einer EM – und lässt die Kritiker vorerst verstummen. Dabei glänzte das deutsche Team in der Schlussphase, als es eng war und jeder Treffer wichtig war, mit einem sogenannten Kempa-Trick. Bei diesem Show-Spielzug, benannt nach Erfinder Bernhard Kempa, nutzt ein freigespielter Spieler – in diesem Fall Linksaußen Lukas Mertens – die Wurfchance nicht und passt durch den Kreis auf einen einspringenden Kollegen. Olympia-Held Renārs Uščins ließ sich diese Chance nicht nehmen, Deutschland führte 29:26 (51. Minute) und für die vielen deutschen Zuschauer in Herning rückte der Sieg immer näher.
Das Ergebnis: Das Ergebnis: Deutschland zieht durch einen 34:32-Sieg gegen Spanien in die Hauptrunde der EM ein. Bester Werfer auf deutscher Seite waren Uščins mit acht und Julian Köster mit sechs Treffern. Auf spanischer Seite überzeugten Jan Gurri (7) und das erst 18 Jahre alte Toptalent Marcos Fis mit vier Toren.
Rückraumspieler Uščins: Spieler des Spiels
Foto:Sina Schuldt / dpa
Vorne gute Laune: In der Jsyske Bank Boxen läuft bei Spielen mit deutscher – oder österreichischer – Beteiligung häufig das Lied »Good Mood« der Band GroßstadtEngel mit der viel besungenen (und von ARD-Experte Dominik Klein betanzten ) guten Laune. Und bei der deutschen Mannschaft herrschte schon vor Anpfiff sehr gute Laune, denn durch den 26:25-Sieg der Österreicher gegen Serbien war klar, dass dem DHB-Team ein Remis gegen Spanien zum Weiterkommen gereicht hätte. Bei einem serbischen Sieg hätte es einen Erfolg mit drei Toren Differenz geben müssen.
Schweigeminute: Bevor das letzte Spiel der Gruppe A angepfiffen wurde, verstummte die von deutschen Fans dominierte Halle in Herning. Die beiden Teams gedachten den Opfern des verheerenden Zugunglücks in der Nähe der spanischen Stadt Córdoba mit 39 Toten und mindestens 159 Verletzten.
Voll abwehrbereit: Nach dem knappen Sieg gegen Österreich und der überraschenden Niederlage gegen Serbien war auch die vor der EM so gelobte deutsche Abwehr in den Fokus der Kritik geraten. In den Anfangsminuten gegen Spanien war klar zu erkennen, dass das DHB-Team diesmal besonders großen Wert auf die Defensive legen wollte. Neu-Nationalspieler Tom Kiesler bildete mit Kapitän Johannes Golla den Mittelblock, alle Spieler zeigten sich sehr beweglich und auch in der Rückwärtsbewegung wurden die gefürchteten Schnellangriffe der Spanier unterbunden. Absetzen konnte sich Deutschland nicht, aber es ging mit einer 17:15-Führung in die Pause.
Der Wolff im Tor: Zu einer funktionierenden Defensive gehört im Handball stets eine starke Torwartleistung, die sich auch über eine gute Zusammenarbeit mit den Abwehrspielern definiert. An diesem Montagabend dauerte es jedoch bis zur elften Minute, ehe Andreas Wolff seine erste Parade zeigen konnte. Bei dem Routinier des THW Kiel ist das aber selten ein Grund zur Besorgnis. Die deutsche Nummer war im Anschluss im Spiel und entschied das Duell mit dem spanischen Keeper Sergey Hernández vom SC Magdeburg in der ersten Hälfte knapp für sich.
Sie verstehen sich wieder: Nach der Pleite gegen Serbien hatte sich Juri Knorr ungewohnt kritisch geäußert und dabei indirekt Bundestrainer Gíslason angegriffen. »Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit niedergerannt – und dann ändern wir alles. Das verstehe ich nicht«, hatte Knorr direkt nach dem Spiel gesagt. Gislason musste sich wegen seiner schlecht getimten Auszeit ohnehin viel anhören. Am spielfreien Tag behauptete der Isländer, er habe »keine Ahnung«, was Knorr gesagt habe. Nachtragend ist der Coach jedenfalls nicht, Knorr stand in der Startformation, dirigierte die Angriffe und Gíslason diskutierte zwischenzeitlich ganz entspannt mit seinem Spielmacher auf der Ersatzbank.
Bundestrainer Gíslason: Jetzt gegen Dänemark
Foto:Sina Schuldt / dpa
Dann doch ein Torwartwechsel: In der Anfangsphase der zweiten Hälfte drohte die deutsche Führung zu schmelzen. Im Angriff ging die Effektivität verloren und Wolff bekam keine Bälle mehr zu greifen. Doch anders als gegen Serbien, als Gislason keine Ruhe ausstrahlte und seine Spieler mit hektischen Wechseln verunsicherte, kam Spanien nicht näher heran. Für Wolff kam Ersatzmann David Späth und der Torhüter hielt direkt die ersten beiden Würfe. Die viel beschworene Breite im deutschen Kader – Justus Fischer (fünf Tore) als zweiter Kreisläufer sei ebenfalls genannt – wurde so zur Stärke.
Hauptrunde: Der Deutsche Handballbund hatte im Vorfeld der EM das Halbfinale als Ziel ausgegeben. Dafür müssen in der nun anstehenden Hauptrunde wohl drei Siege her, was gegen Dänemark, Frankreich, Norwegen und wahrscheinlich Portugal nicht einfach wird. Am Donnerstag geht es weiter, dann steht direkt das Duell gegen Gastgeber und Übermannschaft Dänemark (20.30 Uhr) an.

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