Das Bundeskartellamt hat den Weg für eine neue Allianz in der deutschen Rüstungs- und Raumfahrtindustrie freigemacht: Sie genehmigte am Freitag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Rheinmetall Digital und OHB. Damit darf das Konsortium offiziell als Bietergemeinschaft auftreten, um den bisher größten Beschaffungsauftrag der Bundeswehr im Bereich der Satellitenkommunikation zu übernehmen.
Im Fokus des Vorhabens steht die Erweiterung der militärischen Netzinfrastruktur im Weltraum, die für die kommenden Jahrzehnte die digitale Souveränität der deutschen Streitkräfte sicherstellen soll. Der Präsident des Kartellamts, Andreas Mundt, begründet die Entscheidung mit der komplementären Ausrichtung der Partner. Da Rheinmetall und OHB in unterschiedlichen Fachbereichen tätig seien, sähen die Prüfer keine wettbewerblichen Bedenken gegen ein Bündeln der Kompetenzen. Vielmehr ermögliche die Kooperation erst die Abgabe eines umfassenden Angebots für das komplexe Projekt.
Das Joint Venture soll als Systemintegrator fungieren. OHB ist dabei für das Weltraum- und Bodensegment zuständig – also den Bau der Satelliten und Bodenstationen. Rheinmetall soll die Endnutzerterminals und die Integration in das Netzwerk der Truppe übernehmen.
Ein deutsches Starlink für die Zeitenwende
Hinter der Freigabe steht das Vorhaben SATCOMBw Stufe 4. Die aktuelle Version 3 setzt noch auf wenige große Satelliten in einer geostationären Umlaufbahn in 36.000 Kilometern Höhe. Das vierte Level soll einen Umbruch markieren. Das Verteidigungsministerium plant ein Netzwerk aus mindestens hundert Satelliten in einem niedrigen Erdorbit (LEO). Dieses System ähnelt dem kommerziellen Netzwerk Starlink von SpaceX und bietet durch die geringe Entfernung zur Erde kürzere Signallaufzeiten sowie mehr Ausfallsicherheit. Mit einem Auftragswert von rund 8 bis 10 Milliarden Euro ist es das Herzstück eines 35 Milliarden Euro schweren Budgets für Weltraumtechnologien bis 2030.
Die Entscheidung des Kartellamts schärft den Wettbewerb. Das neue Bündnis tritt in Konkurrenz zum Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus, der bisher bei der Satellitenkommunikation der Bundeswehr eine dominierende Rolle einnahm. Airbus hatte erst im Sommer 2024 den Zuschlag für die geostationäre Stufe 3 erhalten, die bis 2027 einsatzbereit sein soll. Rheinmetall und OHB zielen nun auf den technologischen Nachfolger ab, der laut Plan bis 2029 im All sein dürfte. Durch die nun rechtssichere Fusion der Expertise des Düsseldorfer Rüstungskonzerns und des Bremer Satellitenbauers soll ein schlagkräftiger nationaler Player entstehen, der die Hegemonie etablierter Konzerne im Orbit herausfordert.
(mki)










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