Szene des Spiels: Kann man mit »Spieler des Spiels« zusammenfassen. Deniz Undav hatte vor dem Spiel 15 Treffer erzielt, und damit also genauso viele, wie an diesem 26. Spieltag überhaupt gefallen sind. In der 56. Minute fiel Tor Nummer 16 – allerdings mit gnädigster Mithilfe von RB-Torwart Maarten Vandevoort, der einen katastrophalen Fehlpass in die Füße von Chris Führich spielte, der dann auf den einschiebenden Undav vorlegte. Angesichts der Toranzahl dieses Spieltages bedarf es schon der aktiven Teilhabe der gegnerischen Keeper.
Resultat des Spiels: Der VfB Stuttgart besiegt RB Leipzig 1:0 durch das Undav-Tor in der zweiten Hälfte. Das Team festigt den Champions-League-Platz vier mit nun drei Punkten Abstand auf RB. Ein Spiel, von dem man sich ein 3:3 erhofft hätte, Spektakel, Überfluss. Stattdessen aber war es eine Partie, die das Herz jedes sparsamen Schwaben höher schlagen lässst.
Die erste Halbzeit: Passte sich dem Niveau des bisherigen Bundesligasonntags auf höherem Level an. Allesamt gut ausgebildete, technisch versierte Akteure auf dem Platz, aber das Ganze ist nicht immer die Summe der Einzelteile. Chancenarm war es, und noch nicht mal der VAR, der so über alles gerne Tore aberkennt, hatte was zum Eingreifen.
Die zweite Halbzeit: Jetzt war mehr los. Wiedergutmachung. Und auf Deniz Undav ist einfach Verlass. In der Rückrunde trifft er fast in jedem Spiel, man kann bestens verstehen, dass er zunehmend genervt reagiert, wenn es immer noch Zweifel daran gibt, ob er zur Fußball-WM nominiert wird oder nicht. Wer denn sonst?
Nagelsmanns Reserve: Am Donnerstag nominiert der Bundestrainer seinen Kader, offiziell für die anstehenden beiden März-Länderspiele, inoffiziell wird es die Auswahl der Spieler sein, die sich berechtigte Hoffnungen auf eine WM‑Teilnahme machen dürfen. Der VfB und Leipzig gehören gemeinhin zu den Klubs, aus deren Reservoir Julian Nagelsmann sich überaus gern bedient. Bestandsaufnahme: Beim VfB saßen die DFB-Anwärter Maximilian Mittelstädt und Jeff Chabot zunächst auf der Bank, bei Leipzig die Anwärter Brajan Gruda und Benjamin Henrichs. Immerhin als Startspieler auf dem Feld: David Raum, Ridle Baku, Alexander Nübel, Deniz Undav, Jamie Leveling, Angelo Stiller, Chris Führich. Einige der Namen werden wir am Donnerstag wiederhören. So viele werden es aber nicht sein. It is time of the Bayern-Block.
Roboter und Fritzle
Foto: Harry Langer / dpaVorsprung durch Technik: Der VfB hatte diesen Spieltag zum »VfB Innovation Matchday« ausgerufen und wollte rund ums Spiel zeigen, wie technisch versiert alles im Verein mit dem Weltmarktbündnis ist. So fuhr vor der Partie ein Roboter in VfB-Farben im Innenraum herum. Und DAZN-Moderatorin Christina Rann witzelte schon, ob sie lieber ihn oder Sami Khedira als TV-Experten auswählen solle. Angesichts dessen, wie emotionsarm Khedira seinen Job als Experte zuweilen versieht, ist das keine so ganz abwegige Frage.
Live ist live: Zum Innovation Matchday gehört vermutlich auch, die neue Unsitte von DAZN, den auf der Tribüne sitzenden VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle während der Partie live zuzuschalten, um den Zuschauerinnen und Zuschauern zur Kenntnis zu bringen, dass Wehrle während der Spiele »schwitzige Hände« habe. Ein klarer Fall von »too much information«.
Zahl des Spiels: 15. So wenige Treffer sind an diesem Spieltag gefallen. Italienische Verhältnisse, ein 2:0 als Endstation Sehnsucht. Das Premiumprodukt Bundesliga kann man wahrscheinlich mit noch so vielen VfB-Robotern ausstatten, aber am Ende wären spektakuläre Spiele vielleicht dann doch das Beste, um die Liga auch jenseits der Grenzen schmackhaft zu machen. Auch die Geduld einer Milliarde Chinesen, die angeblich dieser Liga mit Werder gegen Mainz und Freiburg gegen Union Berlin zusehen, ist endlich.
Erkenntnis des Spiels: (Am Habermas-Wochenende muss es besser heißen: Erkenntnis und Interesse des Spiels:) Solche Partien des Vierten gegen den Fünften nennt man gemeinhin Verfolgerduell. Aber wen verfolgen sie überhaupt? Die Bayern mit ihren 17 Punkten Vorsprung können jedenfalls nicht damit gemeint sein. Obwohl: Der geniale Trick der Liga, die Bayern jetzt pro Spieltag um zwei Profis zu dezimieren, um Chancengleichheit herzustellen, ist ja gerade erst in die Pilotphase eingetreten.

vor 15 Stunden
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