Deutsche Bahn: »Joker-Gleise« für mehr Pünktlichkeit - Taskforce schlägt Maßnahmen vor

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Im Kampf gegen chronische Verspätungen schlägt die Taskforce »Zuverlässige Bahn« unter anderem das systematische Freihalten von Ausweichgleisen vor. Das geht aus einem Entwurf für den Abschlussbericht der Gruppe hervor, der dem SPIEGEL vorliegt. Ein sogenanntes Joker-Gleis soll demnach an überlasteten Knotenpunkten »kurzfristige dispositive Entscheidungen« ermöglichen.

Die Expertengruppe wurde von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) als Teil seiner Bahn-Agenda  eingesetzt, ihr gehören unter anderem Vertreter von Bund und Ländern, Verkehrsverbünden, Branchenverbänden und Gewerkschaften an. Bis Ende März soll die Taskforce ein konkretes Maßnahmenpaket erarbeiten, das unter anderem der »Optimierung des Angebots in hochbelasteten Knoten« dient. Die Überlastung viel genutzter Bahnhöfe in Städten wie Hamburg, Köln oder Frankfurt gilt als einer der wichtigsten Ursachen für die vielen Verspätungen der Bahn.

In dem Entwurf finden sich auch weitere Vorschläge zur Entlastung von Knotenpunkten. So sollen dort etwa die Haltezeiten zum Wenden eingeschränkt werden oder verlängerte Bahnsteige den Einsatz längerer Züge ermöglichen. Frühestens ab 2027 soll es im Umfeld von Knoten zudem verbindliche Mindestpufferzeiten von beispielsweise einer Minute geben, um die Übertragung von Verspätungen zwischen Zugfahrten zu verringern.

Auch die KI soll helfen

Insgesamt schlägt die Taskforce 22 Maßnahmen vor, die kurzfristig für mehr »Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit« sorgen sollen. Dazu zählen unter anderem sogenannte Flex-Abfahrten, bei denen die Zeit laut Fahrplan kurz vor der tatsächlich geplanten Abfahrt liegt, »Schubladenkonzepte«, die im Fall von Störungen sofort umgesetzt werden können, sowie der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Zugdisposition.

An vielen Stellen bleiben die Vorschläge jedoch noch unverbindlich, sehen zunächst Prüfungen vor oder führen bereits beschlossene Schritte auf. Auch die Umsetzung wirft Fragen auf. So dürfte es schwer werden, an ohnehin überlasteten Bahnhöfen Kapazitäten für zusätzliche »Joker-Gleise« zu finden.

Einer zentralen Forderung erteilen die Taskforce-Mitglieder zudem eine klare Absage: der Streichung von Verbindungen. Das könnte Experten zufolge die Pünktlichkeit verbessern, weil sich mit dem Verkehrsaufkommen auch das Risiko von Verspätungen erhöht.

Dem Bericht zufolge sieht die Taskforce jedoch »eine vorübergehende Reduktion des Angebots ausschließlich als Ultima Ratio«. Diese habe unmittelbare Auswirkungen auf Verkehrsunternehmen, Reisende, Wirtschaft und Beschäftigte, heißt es. »Eine Reduzierung von Verkehrsangeboten stellt somit kein reguläres Instrument zur Verbesserung der Betriebsqualität dar.«

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