Das Chinageschäft war für Volkswagen lange eine Quelle von Milliardengewinnen, doch seit einigen Jahren sinken dort Absatz und Gewinne des Wolfsburger Autokonzerns. Die Krone als größter Autohersteller Chinas verlor die Marke VW Anfang 2023 an den heimischen Hersteller BYD. Ein Jahr später, im ersten Quartal 2024, verlor sogar der gesamte Volkswagen-Konzern, zu dem auch Audi und Porsche zählen, den ersten Platz an den chinesischen Konkurrenten.
Das kam einer historischen Wachablösung gleich. Seit den Siebzigerjahren hatten die Wolfsburger den Automarkt des bevölkerungsreichsten Landes der Welt dominiert.
Umso überraschender ist es, dass VW den ersten Platz in der Zulassungsstatistik in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 wieder zurückgewonnen hat. Laut Zahlen des chinesischen Pkw-Verbandes CAAM hielten die VW-Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) mit den chinesischen staatlichen Herstellern FAW und SAIC zusammen einen Marktanteil von 13,9 Prozent.
BYD nur noch auf Platz vier
Damit liegt man knapp vor dem privaten Geely-Konzern mit 13,8 Prozent und den Joint Ventures von Toyota mit GAC und FAW mit insgesamt 7,8 Prozent. BYD ist mit 7,1 Prozent auf Platz vier zurückgefallen.
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume bezeichnete VWs Pole-Position in China zum Jahresstart bei der Vorstellung der Jahreszahlen als »kuriose Situation«, die wohl nicht bis zum Jahresende bestehen werde. Der Grund sei der aktuell schwache Elektromarkt in China, unter dem insbesondere BYD leidet. So sind Subventionen und Rabatte auf Konsumsteuern zum Jahresbeginn ausgelaufen.
VW erwartet 2026 weniger Gewinn aus China
Dass VW an den heimischen Herstellern vorbeiziehen konnte, liegt daran, wie einseitig das Geschäft der Marke in China inzwischen ist. Der Automarkt teilte sich zuletzt etwa zur Hälfte in Verbrenner und elektrifizierte Fahrzeuge. Während VW im Verbrennermarkt mit 22 Prozent seine Position als klarer Marktführer verteidigt, hat die Marke bei den Elektrofahrzeugen einen niedrigen einstelligen Prozentsatz.
Während VW von der Elektroflaute also eher profitiert, leidet BYD. Der 2003 gegründete Hersteller aus der Tech-Metropole Shenzhen stellt ausschließlich elektrifizierte Pkw her, also reine Elektroautos oder Plug-in-Hybride.
Eine nachhaltige Wende zurück zum Verbrenner in China erwartet die Volkswagen-Spitze aber nicht. In diesem Jahr will der Konzern eine Reihe neuer, vollständig in China entwickelter Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Mit diesen will VW auch endlich bei Elektroautos mit BYD und Geely konkurrieren. Wegen der Kosten einer solchen Modelloffensive erwartet Volkswagen-Finanzchef Arno Antlitz im Jahr 2026 sogar einen niedrigeren Gewinn aus dem Chinageschäft als im abgelaufenen.

vor 2 Tage
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