Überschattet von den US-Zolldrohungen beginnt in Davos das Weltwirtschaftsforum. Friedrich Merz hofft auf ein Treffen mit Donald Trump am Mittwoch. Das Liveblog
Aktualisiert am 19. Januar 2026, 18:30 Uhr
- Vom 19. bis 23. Januar treffen sich im schweizerischen Davos rund 3.000 Teilnehmer zum Weltwirtschaftsforum. Überschrieben ist das Treffen in diesem Jahr mit "A Spirit of Dialogue" (Ein Geist des Austauschs).
- Vertreten sind 850 Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der weltweit einflussreichsten Unternehmen sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs, darunter US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz.
- Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, KNA und Reuters.
Furcht vor geoökonomischer Konfrontation wächst
Was bedroht die globale Stabilität derzeit am meisten? Das will das Weltwirtschaftsforum jedes Jahr von Entscheidungsträgern weltweit wissen. Dem aktuellen Global Risk Report zufolge fürchten die meisten der Befragten eine sogenannte geoökonomische Konfrontation, also wirtschaftliche Auseinandersetzungen zwischen Staaten, in denen etwa Sanktionen oder Strafzölle zum Einsatz kommen. Auf Platz zwei folgen bewaffnete Konflikte zwischen Staaten, auf Platz drei extreme Wetterereignisse.
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US-Finanzminister warnt EU vor Vergeltungsmaßnahmen im Streit um Grönland
Die ersten Mitglieder der US-Delegation sind in Davos eingetroffen. Am Rande des Forums äußerte sich US-Finanzminister Scott Bessent zum Konflikt um Grönland. Auf die Frage nach möglichen europäischen Vergeltungsmaßnahmen für den Fall von US-Zusatzzöllen sagte er: "Ich halte das für sehr unklug."
Bessent rief die Europäer zudem dazu auf, US-Präsident Donald Trump beim Wort zu nehmen. Einem Medienbericht zufolge erwägt Trump eine gewaltsame Übernahme Grönlands, falls Dänemark ein Kaufangebot der USA ablehnt. Trump drohte zudem mehreren EU-Staaten mit zusätzlichen Zöllen, sollten sie sich einer Übernahme Grönlands durch die USA in den Weg stellen.
Ein Privatjet für vier Teilnehmende
3.000 Teilnehmer aus 130 Ländern haben sich beim Weltwirtschaftsforum angekündigt – und viele davon reisen mit dem Flugzeug an. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beobachtete in den vergangenen Jahren zudem einen deutlichen Anstieg der Anreisen per Privatjet und forderte im Vorfeld ein Verbot. So kam laut einer Auswertung des Berliner Thinktanks T3 im Auftrag von Greenpeace zuletzt im Schnitt ein Privatjet-Flug auf lediglich vier Teilnehmende des Forums. 2025 wurden demnach 709 Privatjet-Flüge rund um das Forum gezählt, 2024 waren es 628 gewesen.
"Das Weltwirtschaftsforum will Antworten auf globale Probleme finden, aber die Reichen und Mächtigen befeuern mit ihren Luxusemissionen die Klimakrise und damit die größte Bedrohung unserer Zukunft", sagte Greenpeace-Sprecherin Lena Donat. "Wir können uns Privatflüge nicht mehr leisten – sie gehören verboten."
Laut Greenpeace starteten die meisten Privatflüge zum Weltwirtschaftsforum in den Jahren 2023 bis 2025 in Frankreich (19,8 Prozent), Deutschland liege mit 12,3 Prozent "trotz guter Zugverbindungen in die Schweiz" knapp hinter Großbritannien (12,8 Prozent) auf Rang drei.
Iranischer Außenminister von Weltwirtschaftsforum ausgeladen
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi ist von der Jahrestagung in Davos ausgeladen worden. Die Anwesenheit der iranischen Regierung in Davos in diesem Jahr sei "unangemessen", teilte das Weltwirtschaftsforum mit Blick auf das brutale Vorgehen bei den Protesten im Iran mit.
Araghtschi sollte ursprünglich am Dienstag an einer von der Chefredakteurin der Financial Times, Roula Khalaf, moderierten Veranstaltung teilnehmen.
Die Proteste im Iran hatten am 28. Dezember begonnen. Sie entzündeten sich an der schlechten Wirtschaftslage, weiteten sich aber rasch zu einer Massenbewegung gegen die religiöse und politische Führung der islamischen Republik aus. Behördenangaben zufolge wurden mindestens 5.000 Menschen getötet, Medienberichten zufolge könnten es noch deutlich mehr sein.
Merz erwartet Treffen mit Trump am Mittwoch
Bundeskanzler Friedrich Merz will im Rahmen des Weltwirtschaftsforums persönlich mit US-Präsident Donald Trump über den Streit um Grönland sprechen. Es werde am Mittwoch sicherlich eine Gelegenheit für ein Treffen geben, sagte Merz. Mit Blick auf die jüngsten Zolldrohungen des US-Präsidenten sagte er: "Ich will es nicht, aber wenn es nötig ist, dann werden wir natürlich auch unsere europäischen Interessen, auch unsere deutschen nationalen Interessen schützen."
Weltwirtschaftsforum will "Geist des Dialogs" beleben
Kritiker halten das Weltwirtschaftsforum für aus der Zeit gefallen. Mit Blick auf die Weltlage zumindest kontraintuitiv erscheint das Motto des diesjährigen Treffens: A Spirit of Dialogue (Ein Geist des Dialogs) könnte sich im Nachhinein jedenfalls als Wunschdenken entpuppen. So sind einige der prominentesten Redner nicht für ihre Dialog- oder gar Kompromissbereitschaft bekannt. Mit besonderer Spannung erwartet wird die Rede von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch. Er reist mit der bislang größten Delegation seines Landes nach Davos; allein fünf Kabinettsmitglieder sind darin vertreten, zudem Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der Sondergesandte Steve Witkoff.
Auch fast alle anderen Staats- und Regierungschefs der G7 nehmen teil, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Rede für Donnerstag geplant ist. Weitere prominente Gäste sind EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, UN-Generalsekretär António Guterres und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Von der Leyen sowie der französische Präsident Emmanuel Macron halten ihre Reden morgen.
Dass sich die Weltlage verändert hat, räumte vor Beginn des Forums auch dessen Präsident Børge Brende ein. "Eine neue Wettbewerbsordnung nimmt Gestalt an, während die Großmächte versuchen, ihre Interessensphären zu sichern", sagte er. In dieser sich verändernden Landschaft blieben internationale Zusammenarbeit und der Geist des Dialogs unerlässlich.
Über die Entwicklungen während des Weltwirtschaftsforums halten wir Sie in diesem Liveblog auf dem Laufenden.

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