USA: CBS News sendet Trump-kritischen Bericht über Abschiebegefängnis nun doch - aber mit Änderungen

vor 1 Tag 3

Seinerzeit war der Beitrag nur drei Stunden vor der geplanten Ausstrahlung aus dem Programm genommen worden. Die »New York Times« berichtete damals unter Berufung auf Sharyn Alfonsi, die Autorin des Stücks, die neu installierte CBS-News-Chefin Bari Weiss habe zahlreiche Änderungen verlangt – unter anderem, dass die Reportage eine Stellungnahme der Trump-Regierung enthalten soll. Auf Anfrage der Zeitung erklärte Weiss damals, der Bericht sei noch nicht fertig, es fehle »der nötige Kontext«.

Die irrtümliche Veröffentlichung ermöglicht nun einen Vergleich der Fassungen. Auch die am Sonntag ausgestrahlte Reportage enthielt US-Medien zufolge keine Interviews mit Regierungsbeamten der Trump-Regierung vor der Kamera. Sie beinhaltete jedoch Stellungnahmen des Weißen Hauses und des Heimatschutzministeriums, die zuvor nicht Teil der in der Reportage verwendeten Aussagen waren. Einige dieser Stellungnahmen, die vollständig auf der Webseite von »60 Minutes«  veröffentlicht wurden, stammten aus der Zeit vor der geplanten Erstausstrahlung am 21. Dezember. Auch Details zu Vorstrafen einiger Abgeschobener werden beispielsweise nun genannt. Weite Teile des Stücks sind jedoch unverändert.

»Sie haben unsere Anfragen abgelehnt«

»Seit November hat ›60 Minutes‹ mehrfach versucht, wichtige Beamte der Trump-Regierung vor der Kamera zu unserer Geschichte zu befragen«, hieß es zudem. »Sie haben unsere Anfragen abgelehnt.«

CBS News erklärte anlässlich der Ausstrahlung: »Die Führungsebene war stets bestrebt, den ›60 Minutes‹-Beitrag über Cecot so schnell wie möglich auszustrahlen. Heute Abend können die Zuschauer ihn zusammen mit anderen wichtigen Beiträgen sehen, die allesamt die Unabhängigkeit von CBS News und die Stärke unseres Storytellings unterstreichen.«

Autorin Sharyn Alfonsi, äußerte sich auf AP-Anfrage vorerst nicht. In einer früheren E-Mail an Kollegen hatte sie jedoch argumentiert, die Weigerung der Regierung, Interviews vor der Kamera zuzulassen, sei ein taktisches Manöver, um die Veröffentlichung der Geschichte zu verhindern.

Auch haben der US-Sender und US-Präsident Trump eine Vorgeschichte. Trump warf »60 Minutes« vor, im Jahr 2024 ein langes Interview mit Kamala Harris, seiner Rivalin im Rennen ums Weiße Haus, so geschnitten zu haben, dass dies eine schwache Antwort kaschiert habe. »60 Minutes« bestritt dies und veröffentlichte auch ein Transkript, um die Vorwürfe zu widerlegen. Trump zog vor Gericht – und obwohl US-Medienrechtsexperten das Unternehmen in einer starken Position sahen, stimmte CBS-Eigner Paramount einem 16 Millionen Dollar schweren Vergleich zu.

Wie tief die Kontroverse um »60 Minutes«, CBS News und CBS als Ganzes ist, zeigt auch eine Bemerkung der Komikerin Nikki Glaser bei den Golden Globes vor einer Woche . »Die Auszeichnung für die meisten Bearbeitungen geht an CBS News«, spottete diese auch mit Blick auf den Beitrag von Sharyn Alfonsi. »Ja, CBS News: Amerikas neueste Anlaufstelle für Bullshit-Nachrichten.« Ausstrahlender Sender der Gala: CBS.

Gesamten Artikel lesen