Er küsste eine Statue, die an koreanische Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg erinnert, nun muss er ins Gefängnis: Der US-Youtuber Johnny Somali ist in Südkorea zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das berichten die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap und der britische Sender BBC .
Die Behörden hatten den US-Amerikaner demnach angeklagt, weil er im Oktober 2024 ein Video hochgeladen hatte, auf dem er eine sogenannte Friedensstatue küsste und anzüglich tanzte. Das Mahnmal erinnert an das Schicksal von etwa 200.000 Mädchen und Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs durch das japanische Militär verschleppt und sexuell versklavt wurden. Zuletzt hatte es gegen eine ähnliche Statue in Köln politischen Widerstand aus Japan gegeben .
Darüberhinaus soll Somali laut Yonhap damals in Seoul ein Geschäft verwüstet haben und in der Öffentlichkeit obszöne Videos abgespielt haben. Die südkoreanischen Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen gegen Johnny Somali ein und untersagten es ihm, vor dem Abschluss des Gerichtsverfahrens das Land zu verlassen.
Der 25-jährige Somali ist laut BBC bekannt für seine provokanten Inhalte. Er soll während Reisen in Israel und Japan für Empörung gesorgt haben, mehrere Streaming-Plattformen hätten ihn gesperrt. Dem britischen »Guardian« zufolge ging es dabei unter anderem um öffentliche Auftritte in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Beide Städte wurden 1945 von den Vereinigten Staaten mit Atombomben angegriffen.
In Seoul wurde Somali nun laut »Guardian« für mehrere Delikte verurteilt, darunter Störung der öffentlichen Ordnung. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst eine dreijährige Haftstrafe gefordert, die Richter hätten jedoch eine mildere Strafe verhängt, da es keine schwerwiegenden Schäden für die Opfer gegeben habe, zitiert die BBC das koreanische Medium »The Korea Herald«. Somali wurde laut Yonhap unverzüglich in Gewahrsam genommen.
Bei seiner Ankunft am Gericht bat der US-Streamer um Verzeihung. »Ich bin voller Reue«, zitierten ihn südkoreanische Medien. »Ich möchte mich beim koreanischen Volk entschuldigen. Ich möchte mein Leben ändern und ein besserer Mensch werden.«
Das Schicksal der Zwangsprostituierten, verharmlosend »Trostfrauen« (engl. Comfort Women) genannt, ist in einem Bericht der Uno-Sonderberichterstatterin Radhika Coomaraswamy aus den Neunzigerjahren dokumentiert. Laut dem Bericht wurden im Zweiten Weltkrieg an Japans Kriegsfronten sogenannte Troststationen errichtet. Dorthin verschleppte das japanische Militär die Mädchen und Frauen aus Korea, Taiwan, China und den Philippinen und versklavte sie sexuell. 2014 bezeichnete der damalige US-Präsident Barack Obama die Praxis als »ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte«.
Die Koreanerin Lee Ok Seon wurde als Mädchen in ein japanisches Armeebordell gezwungen. Auch mit 91 Jahren forderte sie noch immer Entschädigung. Sie war eines der letzten lebenden Opfer, bevor sie 2022 starb. Lesen Sie hier einen Text aus dem Jahr 2019 über ihren Einsatz für Entschädigung der Opfer: »Bis zum letzten Atemzug«

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