Skispringen: Philipp Raimund verzichtet wegen starker Winde auf Start beim Weltcup in Oslo

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Skispringer Philipp Raimund »Ich mache diesen Scheiß hier nicht mit« – Aufregung nach Windchaos in Oslo

Der deutsche Olympiasieger Philipp Raimund hat seinen Sprung beim Weltcup am Holmenkollen verweigert – und erhielt Anerkennung. Der Verband erfuhr Kritik.

16.03.2026, 09.23 Uhr

 »Ich habe gemerkt, es wird immer noch wilder«
 »Ich habe gemerkt, es wird immer noch wilder«

Philipp Raimund (hier Anfang März in Lahti): »Ich habe gemerkt, es wird immer noch wilder«

Foto: Petri Korteniemi / Lehtikuva / dpa

Philipp Raimund sah kopfschüttelnd zu, wie Felix Hoffmann durch die Luft trudelte und mit Mühe unversehrt landete. Da reichte es dem deutschen Skisprung-Olympiasieger: Raimund nahm seine Ski, stieg in den Aufzug und verzichtete auf den Start. Der Weltcup der Skispringer im norwegischen Oslo wurde am Sonntag nach einem Durchgang beendet – und erregt auch danach noch die Gemüter.

»Ich habe gemerkt, es wird immer noch wilder, immer noch unabsehbarer«, sagte Raimund in der ARD zu seiner Entscheidung, schon im ersten Durchgang nicht zu springen. Im Fernsehen war zuvor zu hören, wie der 25-Jährige seinem Konkurrenten Domen Prevc von seinem Verzicht berichtete. »Domen, du bist einen Sprung eher dran, ich springe nicht. Ich mache diesen Scheiß hier nicht mit«, sagte Raimund.

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Nach dem Interview sagte er im ARD-Interview: »Ich bin freiwillig hier, ich will Spaß am Skispringen haben und muss mir dann nicht noch Sorgen machen, ob ich heil unten ankomme.«

Im norwegischen Rundfunk NRK ergänzte er später, dass er bei seiner Entscheidung auch an seine Freundin gedacht habe. »Mein erster Gedanke war: Was würde sie dazu sagen? Mir kam sofort in den Sinn, dass sie immer sagt, das Wichtigste sei meine Sicherheit und eine sichere Landung, egal bei welchem Wetter.« Auch der Rest seiner Familie habe eine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, in Oslo vom Bakken zu steigen, gab Raimund an.

 Anerkennung von der Konkurrenz

Philipp Raimund in Oslo: Anerkennung von der Konkurrenz

Foto:

Tadeusz Mieczynski / EXPA / pict / picture alliance

»Da kannst du auch Lotto spielen«

Bei der Konkurrenz erntete der Deutsche Anerkennung für seinen Schritt. »Das zeigt, dass er ständig Risikobewertungen vornimmt. Niemand verzichtet gerne auf ein Weltcupspringen, das zeugt von Reife«, sagte der Norweger Kristoffer Eriksen Sundal und erklärte: »Wenn du dich nicht ganz wohl fühlst, solltest du auch nicht springen.«

»Ich gebe ihm vollkommen recht«, sagte auch Skisprung-Legende Sven Hannawald in der ARD zu Raimunds Entscheidung, auf seinen Sprung zu verzichten. »Heute ist es völlig wild.« Der 51-Jährige ergänzte: »Da kannst du auch Lotto spielen.«

Bundestrainer Stefan Horngacher sah das ähnlich. »Es war seine Entscheidung. Er ist selber runtergegangen. Das finde ich voll in Ordnung«, sagte der 56-Jährige. »Es ist viel schwerer runterzugehen, als runterzuspringen. Das ist für den Sportler viel schlimmer. Aber er hat sich dafür entschieden. Respekt dafür.«

Auch Renndirektor Sandro Pertile äußerte sich respektvoll über Raimund. »Wir drängen niemals einen Athleten zu springen, das ist einzig und allein ihre Entscheidung. Wenn er sich nicht wohl gefühlt hat, hat er die richtige Entscheidung getroffen.«

Die Entscheidung der Jury, den ersten Durchgang durchzuziehen, verteidigte er. »Wir sind ohne Sturz durchgekommen, was für uns immer das Wichtigste ist.«

Den Sieg sicherte sich erstmals in seiner Karriere der Japaner Tomofumi Naito vor dem zweitplatzierten Slowenen Anze Lanisek und dem Finnen Antti Aalto auf Rang drei. Karl Geiger belegte als bester Deutscher mit einem Sprung auf 127,5 Meter den elften Platz. Andreas Wellinger wurde Zwölfter. Im Fokus stand jedoch für viele nicht das Ergebnis, sondern die Gesundheit der Athleten.

So fand der österreichische Bundestrainer Andreas Widhölzl schon die Austragung des ersten Durchgangs nicht in Ordnung. »Da muss ich auch mal die Fis kritisieren, weil sie mit aller Gewalt einen Durchgang durchdrücken wollte, damit das Ergebnis dasteht und eigentlich auf die Sicherheit der Athleten ein bissl geschissen wird«, wird Widhölzl im österreichischen »Standard«  zitiert. Es sei teilweise wirklich gefährlich gewesen, ergänzte er.

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