Markus Lanz fühlt sich »nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug«

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Das Gefühl, nicht »genug« zu sein, kennen wohl viele Menschen – auch solche, die nach außen das Bild eines erfolgreichen, geordneten, »perfekten« Lebens transportieren, wie TV-Moderator Markus Lanz, 57. In einem Interview hat er nun über Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle gesprochen: Er fühle sich seit seiner Kindheit und auch heute noch oft »nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug«, sagte er dem »Stern«.

Er habe als Kind früh hart arbeiten müssen, etwa auf Kartoffeläckern und in Hotels als Tellerwäscher, vor allem in den Ferien, oft »bis spätabends«, erzählte Lanz. »Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt.«

Weiter sagte der Moderator: »Rumgeschubst zu werden, ist ein Minderwertigkeitskomplex, den viele arme Leute haben. Und es war auch mein Minderwertigkeitskomplex.« Und dieser hat offenbar bis heute Spuren hinterlassen: »Wenn Sie wüssten, wie viele Selbstzweifel mich plagen!«, sagte Lanz in dem Interview.

»Das schrecklichste Wort meiner Kindheit war Gerichtsvollzieher«

Lanz wuchs in Südtirol in Italien auf, sein Vater war Berufskraftfahrer und starb, als Lanz im Teenageralter war. Die Mutter war anschließend alleinerziehend mit drei Kindern. »Das schrecklichste Wort meiner Kindheit war Gerichtsvollzieher«, so der Moderator. »Es war mit der Angst meiner Mutter verbunden, alles zu verlieren. Leute, die so was nie erlebt haben, können nicht verstehen, wie sich das anfühlt.«

Er habe aus seinen Herkunftsverhältnissen »rausgewollt«, das sei sein Antrieb gewesen, sagte Lanz weiter. In den Neunzigerjahren zog er nach Hamburg und absolvierte dort ein Volontariat bei einem Radiosender. Es habe »vielleicht genau deshalb mit mir und Deutschland so gut gepasst: immer zweifeln, immer hinterfragen«. Das werde oft als Makel beklagt, aber er glaube, »dass es genau der Zweifel war, der Wunsch, es immer noch ein bisschen besser zu machen, der dieses Land so erfolgreich gemacht hat«.

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