Kochen ohne Kohle: Borani Esfenaj, persischer Spinatdip mit Walnüssen

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Wenn auch Sie in Anbetracht der Energiepreise aktuell Ihren Kontostand nur angsterfüllt durch die vor dem Gesicht zusammengeschlagenen Hände betrachten, kann ich Sie beruhigen: Friedrich Merz zahlt uns allen 1000 Euro . Also, nicht direkt, aber unsere Arbeitgeber dürfen uns 1000 Euro auszahlen. Falls wir welche haben. Und die Lust haben.

Doch nicht nur das! Obendrein greift die deutsche Bundesregierung wieder in den »freien Markt« ein, um Sprit für uns günstiger zu machen . Also, nur für Fahrer von Verbrennern, die wir eigentlich bis 2035 abgeschafft haben wollten (die Verbrenner, nicht die Fahrer).

Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

So wie es aktuell läuft, bin ich froh, wenn ich 2035 noch ohne Genehmigung des Verteidigungsministeriums ausreisen darf . Das Säbelrasseln der Großmächte macht dabei nicht gerade Hoffnung. Erst vorige Woche kündigte der selbst erklärte US-»Friedenspräsident« Donald Trump (dessen Krieg wir die hohen Spritpreise zu verdanken haben) an, »eine ganze Zivilisation« auszulöschen . Gemeint war Iran. Das war selbst für Trump-Maßstäbe irre. Am Ende blieb von seiner Drohung so viel übrig wie von einem Beutel Spinat in der Pfanne, zum Glück.

Gut, das ist bei »Taco-Trump « jetzt nichts Neues. Warum also nimmt mich das alles so mit?

Meinen allerersten Gastrojob bekam ich vor über 20 Jahren bei einer aus Iran stammenden Exilfamilie. In den langen Stunden am Tresen schnappte ich manchmal etwas von der Wehmut auf, die ein Leben im Exil mit sich bringt. Etwas zurückgelassen zu haben, was hier fehlt.

Etwa das Essen. Ironischerweise bot das Restaurant damals zwar gleichzeitig Pizza, Bifteki, Quesadilla und Schnitzel an – aber keine persischen Gerichte. Von der großartigen kulinarischen Tradition des Landes bekam ich damals also leider nichts mit.

Warum, das frage ich mich bis heute. Vielleicht, weil die Geschmäcker von Ghormeh Sabzi und Fesendschan zu elaboriert für deutsche Gaumen sind. Vielleicht auch, weil die persische Küche, die auf Gastfreundschaft und randvoll gedeckte Tische setzt und deren Stargerichte auf stundenlanges Zuhause-Kochen ausgelegt sind, sich nicht so leicht in gastronomische Konzepte übersetzen lässt.

Natürlich gibt es dabei Ausnahmen. Eine zeige ich Ihnen heute: Borani Esfenaj ist im Kern ein gesunder, leckerer und leicht gemachter Spinat-Joghurt-Dip, den man als Mezze isst, also als Vorspeise oder Beilage. Wir machen heute die aufgepeppte Variante mit angeschwitzten Zwiebeln und gebratenen Walnüssen in Kurkuma-Öl obendrauf. Als Mezze reicht die Menge für vier Personen.

Das benötigt man für etwa vier Portionen Borani Esfenaj (als Vorspeise oder Beilage)

 Auch Zwiebeln sind eine Option

Schalotten: Auch Zwiebeln sind eine Option

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 150 bis 200 g Baby- oder Blattspinat

  • 250 bis 300 g griechischer Joghurt oder Labneh

  • 4 Schalotten oder zwei kleine Zwiebeln

  • 3 Zehen Knoblauch

  • 1 Handvoll Walnüsse, gehackt

  • je 1⁄2 TL Kurkuma, Zimt und getrocknete Minze

  • 1⁄2 Biozitrone, Saft und Abrieb

  • Öl zum Braten, Salz und Pfeffer

  • Optional: Frische Minze zum Garnieren

Dazu reicht man das dünne Fladenbrot Lavash oder ein anderes Brot nach Wahl.

Was kostet das? Ich habe für die verbrauchten Zutaten etwa 5 Euro ausgegeben, macht 1,25 Euro pro Portion.
Wie lange dauert das? Etwa 30 Minuten.

So einfach macht man Borani Esfenaj

  • Den Spinat waschen und in der Pfanne mit etwas Öl dünsten, bis er eingefallen ist. Salzen und Pfeffern. Wer mag, hackt derweil eine Zehe Knoblauch und gibt sie mit dazu. Durchgegarten Spinat herausnehmen und in einer Schale mit einer sauberen Küchenschere klein schneiden.

  • Die Zwiebeln oder Schalotten und den restlichen Knoblauch sowie die Walnüsse hacken, alles zusammen in derselben Pfanne mit etwas Öl anbraten und durchgaren. Die Hitze nicht zu hoch stellen, die Zwiebeln sollen nur glasig werden, nicht total braun.

  • Nach ein paar Minuten Kurkuma, Zimt und getrocknete Minze hinzugeben und in der warmen Pfanne die Geschmäcker der Gewürze aktivieren.

  • Die Schale einer halben Zitrone abreiben und für die Garnitur aufbewahren. Danach den Saft auspressen und zusammen mit Spinat und Joghurt mixen. Alles mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wer vorher keinen Knoblauch an den Spinat gegeben hat, kann jetzt eine Zehe hineinreiben – roh schmeckt er schärfer.

  • Den Spinatdip auf einem nicht ganz flachen Teller verteilen und mit den warmen Kurkuma-Zwiebel-Nüssen und dem Zitronenabrieb garnieren. Optional jetzt noch etwas frische Minze und ein paar Spritzer Olivenöl obendrauf geben. Dazu reicht man Lavash oder ein anderes Brot nach Wahl.

  • Der Dip schmeckt sofort lauwarm, oder nach ein paar Stunden im Kühlschrank, wenn er gut durchgezogen ist.

Übrigens: Wenn Sie gern mehr über Iran, die Menschen oder die Küche dort erfahren möchten, empfehle ich Ihnen neben den Recherchen meiner großartigen Kolleginnen und Kollegen (etwa hier über die »Operation Ajax« ) die alte Folge von Anthony Bourdains Serie »Parts Unknown«, in der er nach Teheran reist und dort am Ende resümiert: »Der Teil Irans, über den du in der Zeitung liest und den du im Fernsehen siehst … das Bild ist in Wahrheit viel größer. Es ist kompliziert. «

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