Katholische Kirche: Bätzing gibt Vorsitz der Bischofskonferenz ab

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, tritt nicht noch einmal für dieses Amt an. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Montag mit. Der 64-Jährige stand damit nur eine Amtszeit lang an der Spitze der Versammlung von 27 Diözesan- und 40 Weihbischöfen. Ende Februar müssen die katholischen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg dann einen neuen Vorsitzenden wählen.

Per Brief ließ Bätzing seine Mitbrüder von seinem Entschluss wissen: „Um im Vorfeld gute diesbezügliche Überlegungen zu ermöglichen, möchte ich euch mitteilen, dass ich für eine erneute Wahl nicht zur Verfügung stehe“, schreibt er darin. „Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden.“ Er empfinde es „als eine große Ehre und Freude, diesen Dienst in wahrlich anspruchsvollen Zeiten zu tun, die zugleich neue Gestaltungsspielräume eröffnen“.

Bätzing hatte von seinem Vorgänger Kardinal Marx die Reformdebatte geerbt

Insgesamt sechs Jahre lang fungierte Bätzing als Vorsitzender der deutschen Bischöfe. Er folgte auf Münchens Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, der sein Amt 2020 niedergelegt hatte. Auch Marx und schon dessen Vorgänger, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, standen je nur eine Amtsperiode an der Spitze der Bischöfe. Bätzing hatte von Marx den sogenannten „Synodalen Weg“ geerbt – einen Prozess zur Einleitung von Kirchenreformen, mit dem Lehren aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gezogen werden sollten.

In mehreren Synodalversammlungen hatten Bischöfe, Priester und Ordensleute mit katholischen Laien, Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Theologen über konkrete Reformen diskutiert. Vieles muss von Rom abgesegnet werden und ist bis heute nicht kirchliche Realität, zum Beispiel die Frage nach Weiheämtern für Frauen. Andere Punkte wurden dagegen umgesetzt, so sind seither in der katholischen Kirche in Deutschland Segensfeiern für homosexuelle Paare erlaubt. Auch bekommen Laien mehr Mitspracherecht bei der Auswahl von Bischöfen.

Bätzing hat sich klar für einen Reformkurs eingesetzt, er befürwortet beispielsweise das Diakonat der Frau, eine Vorstufe zum Priesteramt. Zu Beginn seiner Amtszeit lobten die Mitbrüder vor allem seine besonnene Art und seine Moderationsfähigkeit. Auch in seiner Heimatdiözese ist der Bischof beliebt. Von Franz-Peter Tebartz van Elst hatte er ein skandalgeschütteltes Bistum übernommen, in dessen protziges Bischofshaus war Bätzing bewusst gar nicht erst eingezogen.

Die Kritiker waren wenige, aber sie waren laut

In Bätzings Amtszeit fiel aber auch heftiger Zwist mit der römischen Kurie. Den Glaubenshütern in Rom, vor allem Papst Franziskus persönlich, ging der deutsche Reformeifer viel zu weit. Mehr als einmal musste sich Bätzing in Rom für den deutschen Reformkurs schurigeln lassen. Dass der Limburger Bischof im Vatikan – anders als sein Vorgänger – kaum vernetzt war, kein Italienisch spricht und insgesamt eher Distanz zu Rom hielt, wurde ihm oft vorgeworfen. Die Stimmung wurde erst merklich besser, als ein paar neue Männer an die Spitze römischer Behörden kamen, darunter Victor Fernandez als Chef der Glaubensbehörde. Ein offeneres Ohr für die Anliegen der Deutschen hatte auch ein gewisser Robert Prevost als neuer Chef der Bischofsbehörde, der heutige Papst Leo XIV.

Auch innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz gab es Unmut über Bätzings klaren Reformkurs. Zwar waren die Kritiker – Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki, Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer und der Passauer Bischof Stefan Oster – dabei deutlich in der Minderheit, sie wussten aber stets, sich römische Unterstützung zu sichern. Am „Synodalen Ausschuss“, einem Beratungsgremium, das aus der Reformdebatte hervorgegangen ist, nehmen sie bewusst nicht teil. Dabei ist das Prinzip Synodalität, also gemeinsame Beratungen, inzwischen sogar auf weltkirchlicher Ebene angekommen, Papst Franziskus hatte es noch angestoßen.

Ende Januar trifft sich der Synodale Weg noch einmal in Stuttgart – unter dem Vorsitz von Bischof Georg Bätzing und ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp –, um Bilanz zu ziehen, was aus den insgesamt 15 verabschiedeten Papieren des Gremiums geworden ist. Vor allem aber, um den vorübergehenden „Synodalen Ausschuss“ in ein dauerhaftes, festes Beratungsgremium zu überführen. Dafür braucht die deutsche katholische Kirche das Plazet Roms.

Georg Bätzing kann sich das künftig ganz entspannt aus der Zuschauerposition anschauen. Für die anstehende Wahl zu seiner Nachfolge bete er um „Gottes guten Geist“, schreibt er in seinem Brief. Und wünscht dem „Miteinander in der Konferenz weiterhin den Mut zum offenen Wort, zu konstruktivem Ringen und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen – um miteinander den Gläubigen in unserem Land und vielen mehr die Freude des Glaubens zu bezeugen“.

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