Der iranische Filmemacher Jafar Panahi, 65, hat mit dramatischen Worten auf die Lage in seinem Heimatland aufmerksam gemacht. Zum Auftakt des Europäischen Filmpreises in Berlin rief er Filmschaffende auf, ihre Stimme zu erheben. »Wenn die Welt heute nicht auf diese eklatante Gewalt reagiert, dann ist nicht nur der Iran, sondern die ganze Welt in Gefahr«, sagte Panahi nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa.
»Wenn Gewalt unbeantwortet bleibt, wird sie normalisiert«, ergänzte Panahi. Und wenn sie normalisiert werde, breite sie sich aus und werde ansteckend.
Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter »Die Lage am Abend« – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail.
Ihre Aufgabe als Filmschaffende und Künstler sei heute schwieriger denn je, sagte Panahi, der mit seinem Film »Ein einfacher Unfall« für den Filmpreis nominiert ist. Wenn sie von Politikern enttäuscht seien, müssten sie sich zumindest weigern zu schweigen. Denn Schweigen bedeute in Zeiten von Verbrechen nicht Neutralität. »Schweigen ist eine Beteiligung an der Dunkelheit.«
Eine dramatische Wirtschaftskrise und sehr hohe Inflation hatten Ende Dezember Proteste in Iran ausgelöst, die das Ende der Islamischen Republik fordern. Der Sicherheitsapparat reagierte mit brutaler Härte. Iranische Menschenrechtsaktivisten berichteten von mindestens 3400 Toten. Zahlen lassen sich wegen der Informationssperre kaum überprüfen.
Das Regime in Teheran versucht seit Jahrzehnten, den Filmregisseur Jafar Panahi mundtot zu machen. Ohne Erfolg: Sein neuer Film »Ein einfacher Unfall« ist ein Oscarfavorit. Lesen Sie hier mehr über die Begegnung mit einem Unbeugsamen.

vor 2 Tage
4










English (US) ·