Glosse: Das Streiflicht

vor 22 Stunden 1

Immer heißt es, die Politik brauche wieder mehr echte, unverstellte Typen, solche mit einem klaren Kompass. Aber wenn denn ein echter Typ herkommt oder in diesem Fall eine Typin, dann ist es auch wieder nicht recht. Alle schimpfen über Katherina Reiche, nur weil sie sich für die Mail-Accounts ihres Personals interessiert und keine Windräder und ähnliches modernes Zeugs mag, das der grüne Zeitgeist für Dingsda, für nachhaltig hält. Zeit also für eine Klarstellung: Hier wendet sich endlich mal jemand gegen modische Befindlichkeiten und woke Luxusprobleme, und sagt stattdessen, wie es ist. Warum ihr das so glänzend gelingt? Der „Streiflicht“-Investigativabteilung liegt das geheime Manifest der Prinzipien vor, nach dem die CDU-Wirtschaftsministerin ihr Handeln konsequent ausrichtet.

In deinem Haus darf jeder tun, was du willst

Kapitel eins: Menschen wollen in Wahrheit straff geführt werden, auch wenn sie noch so viel über das Arbeitsklima jammern und klagen. Flache Hierarchien sind eine Forderung typischer Minderleister, die den Chef duzen und bereits um 17 Uhr Feierabend machen wollen, um ihren Fratz aus der Betriebs-Kita zu holen. Solche Fehlentwicklungen mag es unter diesem Habeck gegeben haben, dem schlechtesten Wirtschaftsminister, seit der Mensch in seiner Höhle erstmals ein Feuer entzündete, um sich zu wärmen. Und das ging ja schließlich auch ohne Heizungsgesetz. Eine moderne Führungskraft, die das Land wieder auf Kurs bringen will, muss dafür sorgen, dass jeder Mitarbeiter für ihre glänzenden und wegweisenden Ideen zu jeder Zeit erreichbar ist, sei es um Mitternacht oder sechs Uhr morgens. Und Leute, die sich angewöhnt haben, abweichende Meinungen vorzubringen, als seien wir hier im antiautoritären Kindergarten, untergraben die Autorität der Chefin: also feuern.

Kapitel zwei: Kümmere dich um alles selbst, kontrolliere jedes Detail, alles und jeden. Denn du bist die Beste. In deinem Haus darf jeder tun, was du willst. Kapitel drei: Ignoriere Kritik, gerade wenn sie in die Verkleidung eines Arguments in der Sache gehüllt ist. Blende Kritik erst recht aus, wenn sie an dir selbst geübt wird, denn sie kann ja nur falsch sein. Was geht die Leute dein Privatleben an? Und wen hat es eigentlich zu kümmern, wenn dein Lebensgefährte, der multiple Experte Karl-Theodor zu Guttenberg, gern mal im Umfeld deiner Reisen auftaucht oder du auf seinen Terminen? Etwa bei dem Gipfel „Moving Mountains“. (Wie schön das war in Seefeld, und so tolle Leute waren da, sogar der Sebastian Kurz und Mitglieder arabischer Königshäuser!) Was ich da zu suchen hatte? Das geht die Grünen, die das wissen wollen, doch gar nichts an. Und wenn diese Journalisten blöde Fragen danach stellen, statt dich für die Rettung fossiler Energien zu loben, höre einfach weg. Denn der Glaube versetzt Berge, vor allem der Glaube an dich selbst.

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