Friedrich Merz bei Borussia Dortmund: Hier eben nicht der Kanzler aller Deutschen

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 Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Bundeskanzler Friedrich Merz (Mitte) bei einem BVB-Spiel neben Vereinspräsident Hans-Joachim Watzke: Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Foto: Noah Wedel / IMAGO

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Da saß er nun auf der Dortmunder Tribüne, neben ihm sein alter sauerländischer Kumpel Hans-Joachim Watzke, über der Schulter ein schwarz-gelber Fanschal, was zum Anzug seltsam unpassend aussah. Andererseits bewies Friedrich Merz bei seinem Stadionbesuch am Wochenende bei der Partie gegen den FC St. Pauli einen Instinkt, wie ihn nur Politiker haben können.

Nach 80 Minuten, beim Stand von 2:2, verließ Merz vorzeitig seinen Platz, vermutlich weil er wusste: Das drehen die Jungs noch, der Dortmunder Sieg ist sicher wie einst die Rente aus Sicht von Norbert Blüm. Er verpasste dadurch zwar die wilde Nachspielzeit, die entscheidende Szene, Dortmunds dramatischen Elfmetersieg, aber am Ende galt die alte Devise von Parteifreund Helmut Kohl: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Drei Punkte für den BVB.

Gerhard Schröder als Aufsichtsrat bei Hannover 96

Gerhard Schröder als Aufsichtsrat bei Hannover 96

Foto: Peter Steffen / dpa

Fanschal-behängte Bundeskanzler im Stadion, das ist nichts Neues. Gerhard Schröder beherrschte die Kunst, so ungefähr jeden Fußballverein, der einen Moment lang nicht aufpasste, als seinen persönlichen Lieblingsklub zu annektieren, gern auch inklusive Fanschal-Besuch. Energie Cottbus, Hannover 96, Borussia Dortmund, Mainz 05, ganz egal.

Zenit St. Petersburg war erstaunlicherweise nicht dabei, diese Vorliebe hat Schröder erst später entdeckt.

Von Angela Merkel gibt es ebenfalls Bilder mit Cottbus-Fanschal (Ostkanzlerin!), ansonsten aber wollte sie die Kanzlerin aller Deutschen sein. Und das geht eben nicht mit Klubschal, es kann und darf dann nur die Nationalmannschaft sein. Vermutlich haben ihr die Bilder ihres ungelenken Jubels bei der WM 2006 die meisten Sympathien ihrer Kanzlerinnenzeit eingebracht.

Friedrich Merz dagegen ist ehrlich: Er ist bekennender Fan eines Vereins. Und somit – natürlich nur beim Fußball – nicht der Kanzler aller Deutschen.

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