„Ein Auto kaufen, das ich nicht laden kann?“: Tagesspiegel-Community zur E‑Auto-Prämie

vor 5 Stunden 3

Die Bundesregierung belebt die Förderung für Elektroautos neu: Haushalte mit geringerem Einkommen und Familien sollen künftig je nach Fahrzeug, Einkommen und Kinderzahl zwischen 1500 und 6000 Euro Zuschuss erhalten.

Laut Umweltminister Carsten Schneider könnten die Mittel ausreichen, um rund 800.000 Fahrzeuge in den kommenden Jahren zu fördern – ein „starker Anschub“ für Elektromobilität und Autoindustrie.

Doch während die Regierung auf umweltpolitische Fortschritte und wirtschaftliche Impulse setzt, bleiben viele Fragen offen: soziale Treffsicherheit, steigende Preise, Ladeinfrastruktur, Gebrauchtwagenmarkt. Unsere Leserinnen und Leser reagieren mit Frust, Skepsis, aber auch konstruktiven Vorschlägen und klaren Erwartungen an die Politik.


Lesen Sie hier eine redaktionelle Auswahl von Stimmen aus der Tagesspiegel-Community.


Richard_au
Elektro-Auto-Kaufprämie, Erhöhung der Pendlerpauschale, Mütterrente. Gleichzeitig wird an bestehenden Subventionen festgehalten und das Geld für versprochene Infrastrukturinvestitionen – etwa bei der Bahn – fehlt. Ich habe dafür kein Verständnis.

Ich muss nicht immer mit allem einverstanden sein, wir leben in einer Demokratie. Aber das Ausmaß, mit dem hier Versprechen hinsichtlich des Sondervermögens Infrastruktur gebrochen wurden, macht mich fassungslos.

Ich möchte, dass es in Schulen nicht reinregnet, und dass die Behebung eines Stromausfalls keine Woche dauert.

Meint Tagesspiegel-Nutzer Richard_au

Ich möchte mir kein E-Auto kaufen. Ich möchte auf Dienstreisen nicht mehr regelmäßig stundenlange ICE‑Verspätungen haben. Ich möchte, dass es in Schulen nicht reinregnet, und dass die Behebung eines Stromausfalls keine Woche dauert.

Können wir uns bitte auf das Wesentliche konzentrieren? Oder wollen wir am Ende vielleicht der AfD die Chance geben, zu beweisen, dass es alles auch noch schlechter geht?


Pvjoja
Viel wichtiger ist es, die Ladeinfrastruktur auszubauen, das Laden an Säulen zu vereinfachen und den Tarifdschungel aufzuräumen.

Ich kaufe doch kein E‑Auto, wenn ich nicht weiß, wo ich es abends laden kann!

Meint Tagesspiegel-Nutzer/in Pvjoja

Ich kaufe doch kein E‑Auto, wenn ich nicht weiß, wo ich es abends laden kann! Nicht jeder hat ein Eigenheim mit eigener Wallbox oder Photovoltaik.



Malsagen
Ich bin gespannt, um wie viel die Preise für deutsche Elektroautos nun steigen. Solche Geschenke aus Steuermitteln haben bislang immer nur den Anbietern genutzt – bei der Eigenheimzulage, bei Wärmepumpen und jetzt wieder.

Ein E‑Auto kaufen weiterhin nur Menschen, die viel Geld übrig haben. Die Subvention wird durch höhere Preise aufgefressen. Fazit: Umverteilung von unten nach oben.

Normalverdiener können sich solche Autos weiter nicht leisten – außer es sind chinesische Produkte.

Meint Tagesspiegel-Nutzer/in Malsagen

Normalverdiener können sich solche Autos weiter nicht leisten – außer es sind chinesische Produkte. Und am Ende schadet es allen, weil Geld verbrannt wird, das woanders fehlt.


Pressekritiker2
Wenn wir elektrisch fahren sollen, finde ich es richtig, dass der Staat die Anschaffung fördert – der Bestand hinkt den Zielen hinterher. Allerdings bleibt das Problem, dass E‑Autos wegen des schwachen Gebrauchtmarkts für viele zu teuer sind. Und die, die es sich leisten könnten, liegen oberhalb der Fördergrenze.


Menon
Genial zum Mitnehmen! Gedacht für Menschen, denen es nicht schlecht geht, wird auch diese Subvention am Ende vollständig in die Preise eingerechnet – und landet bei den Stakeholdern von VW und BMW. Aber ach, das sind ja alles mittelständische Familienunternehmen.

Fuchsbau @Menon
Das ist sauber kalkuliert und nennt sich Konjunkturprogramm. Die Abwrackprämie hat schon gezeigt, wie so etwas funktionieren kann. Sie hat fünf Milliarden gekostet, aber eine Wirtschaftskrise abgemildert und unter dem Strich mehr eingebracht, als sie gekostet hat.


Stereotonie
Statt eine Prämie an das Haushaltseinkommen zu knüpfen, sollte man sie an das Herstellungsland binden.

...nur für Autos, die in Deutschland produziert werden.

Meint Tagesspiegel-Nutzer Stereotonie

Eine vom deutschen Steuerzahler finanzierte Prämie sollte es nur für Autos geben, die in Deutschland produziert werden. Das würde Arbeitsplätze sichern – und Kaufkraft stärken.


Marvin
Man sollte sich als Staat überlegen, welche Art der Wirtschaftsförderung man betreibt und wem sie dient. Momentan profitieren eher chinesische Billiganbieter.

Wer E‑Mobilität fördern will, muss Ladeinfrastruktur vereinfachen – so unkompliziert wie Tanken.

Meint Tagesspiegel-Nutzer Marvin

Wer E‑Mobilität fördern will, muss Ladeinfrastruktur vereinfachen – so unkompliziert wie Tanken. Aber da hält sich der Staat raus.
Auch die Reichweitenangaben sollten realistischer werden – da ist viel Schmu dabei. Deutsche Hersteller haben den Massenmarkt verpasst, weil sie das Kleinwagensegment aufgegeben haben. Ein Fehler – ebenso wie das Ende der 1‑Liter‑Motoren.


Bilderramensuppe
Sinn und Unsinn der Förderung liegen nah beieinander. Aber die Regierung sollte endlich ihren Widerstand gegen die Umrüstung von Benzinern zu Elektroautos aufgeben. Dann bleiben deutsche Gründer mit der Technik im Land, und jeder kann für 5000 bis 10.000 Euro seinen Wagen elektrifizieren lassen – gefördert.


MaxwellB
Für wichtige Infrastrukturprojekte ist kein Geld da, aber Neukäufe sollen über Jahre mit Milliarden gefördert werden.
Immerhin ist das konsequent – sozial und ökologisch fragwürdig.

Gesamten Artikel lesen